Vom spektakulären Bahnfahren, allen Wettern, blutrünstigen Monstern und beeindruckenden grünen Hügeln.

Die Entschleunigung hat stattgefunden: mit dem Flieger nach Edinburgh, mit dem Zug nach Rannoch Station und von dort in drei Tagen nach Fort William.
Nach wunderbarer Übernachtung im schon von zu Hause aus gebuchten B&B in Edinburgh nahmen wir den Zug In Richtung westliche Highlands. Das Ziel war Rannoch Station, was bereits ziemlich in the middle of nowhere liegt: außer einem Stationshaus (immerhin mehr als ein Fahrkartenautomat) und ein Hotel. Der Plan war zunächst, die Vormittagsverbindung zu nutzen und schon am Nachmittag gen Westen loszuwandern.
Dieser Plan wurde kurz darauf durchkreuzt, da der höllevolle Zug von Edinburgh so viel Verspätung hatte, dass die eigentlich lockere Verbindung in Glasgow schief ging. Zunächst war man etwas verschnupft über die Tatsache, dass ein nur dreimal am Tag verkehrender Zug nicht ein paar Minuten warten konnte, aber bei Ankunft in Glasgow wurden alle gestrandeten Umsteiger sofort von einer kleinen Truppe von Service-Mitarbeitern von Scotrail unter ihre Fittiche genommen. Diese organisierten Taxis (!) für alle, da der nächste Zug in die Richtung erst sechs Stunden später fuhr. Als wir nach wenigen Viertelstunden verstanden hatten, was hier abging, entschieden wir uns allerdings für den sechsstündigen Aufenthalt in Glasgow und die Zugfahrt. Wir sind ja schließlich im Urlaub 😉
Geistesgegenwärtig fragte Stefan noch eine Lady des Umsteiger-Rettungstrupps nach Vouchern, woraufhin wir in den Genuss einer Mahlzeit in einem der gar nicht verkehrten Restaurants im Bahnhof kamen. Überflüssig zu erwähnen, dass wir von dem reichhaltigen wahren schottischen Frühstück noch ziemlich satt waren, aber der Schwabe nimmt natürlich, was er kriegen kann.
Nach ein wenig lockerem Sightseeing in Glasgow ging es dann gegen Abend weiter. Und diese Zugfahrt kann man absolut als das erste Highlight der Reise bezeichnen: Die Landschaft wurde immer wilder, die Hügel immer höher und zu allem schien dann noch die Sonne zwischen den Wolken hindurch und beleuchtete den einen oder anderen Hügel und gab dieses berühmte wunderschöne nordische Landschafts-Lichtspiel. Was für eine spektakuläre Bahnstrecke!
An unserem Zielbahnhof war die Tagesetappe gleich beendet, weil ich von Glasgow aus ein Zimmer im dortigen Hotel gebucht hatte. Und das darf gleich als nächstes Highlight zählen: eine ehemalige Bahnarbeiter-Unterkunft, liebevoll renoviert und ausgestattet, mit einer atemberaubenden Aussicht vom Frühstücksraum und sehr netten sonst dort logierenden Gästen, mit denen wir abends und morgens beim Frühstück sehr lustig plauderten.

Rannoch Station

Am Ende der Zivilisation angelangt.

Letzteres eingenommen habend verließen wir die Zivilisation und tauchten ein in eine sehr andere Szenerie. Man ist hier sehr schnell in wirklich menschenleeren Gebieten, selbst einzelne Spuren der Zivilisation wie z. B. verlassene Hütten gibt es sehr selten. Und selbst die Schafe scheinen Ferien zu haben – der Juni scheint ein Monat zu sein, wo die Schafe nicht auf die höher gelegenen Weiden getrieben werden.
Der erste Tag im Outback war von sehr schönem Wetter begleitet, höchstens vereinzelt spritzerte es ein wenig vom Himmel. Wir fanden ein schönes Plätzchen für unser Zelt. Aber au weh, kaum war die Sonne weg, kamen sie in nicht zu schätzender Heerstärke, die hiesigen winzigen Blutsauger: die Midges. Dummerweise war es auch noch fast windstill, bei nur leichtem Wind haben die Viecher normalerweise keine Chance. Als Rettung bot sich nur der fast ausschließliche Aufenthalt im mückengitterbewehrten Zelt. Aber wehe, man muss mal…

Zeltplatz

Eigentlich ein wunderschöner Zeltplatz. Heerscharen von ausgehungerten blutrünstigen Monstern in Mikrogröße lauerten allerdings schon.

So packten wir am nächsten Morgen nach regenreicher Nacht bei unverändert quasi nicht vorhandenem Wind so wild agierend und so schnell wie möglich unbefrühstückt unser Gedöns zusammen und hofften auf das baldige Erscheinen eines sog. Bothies am Weg, das ist eine unbewirtschaftete Berghütte. Nach einer guten Weile kamen wir auch tatsächlich an einem so scheinenden Anwesen vorbei, leider war dort offensichtlich seit Jahren niemand mehr für die Maintenance zuständig. Sehr baufällig und vermutlich bestimmt einsturzgefährdet stand es dort einsam am Loch, man konnte allerdings hinein und im Obergeschoss fiel sogar Licht durch unverrammelte Fenster. Und das beste war, dass die Midges den Weg ins Gebäudeinnere nicht fanden. Wir konnten also in sehr speziellem Ambiente dafür in Ruhe frühstücken.
Als sei die eine Plage nicht genug, begann es dann auch noch nach und nach zu dauerregnen. Aber man ist ja genügsam und ausgerüstet. So zogen wir wasserabweisend für die nächsten Stunden unses Weges. Ich hatte allerdings ständig die Vorstellung unsere feuchten Zeltes und dessen Benutzung für die Nacht im Kopf und machte mich auf eine unangenehme Übernachtung gefasst.
Doch ohne dass wir damit gerechnet hätten, tauchte am Nachmittag plötzlich eine richtige Bothie auf, in gutem Zustand und mit regendichtem Dach. Und Alan, der dort auch schon Zuflucht gefunden hatte. Er bot uns erst mal eine Tasse Tee an und da das Häuschen zwei Räume aufwies, einer davon mit einem richtigen Schlafgelegenheitspodest, entschieden wir trotz des recht frühen Nachmittags und der damit verbundenen kurzen Etappe, an diesem Ort zu übernachten. Alan erwies sich als sehr nette Gesellschaft und die Entscheidung als sehr richtig, regnete es doch ohne Unterlass bis in die Nacht hinein weiter. Wehe, man muss mal…
Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter zum Glück wieder ein wenig beruhigt, und nur das bei jedem Schritt schmatzende Geräusch des moorig-matschigen Untergrunds erinnerte noch an die gestrige Dauerbewässerung des Lands.
Das restliche Flusstal hinauf bis zur „Passhöhe“ und auf der anderen Seite am Hang des Ben Nevis wieder hinab war das Programm. Sehr schön das, vor allem die immer wieder verschiedenen Geräusche der murmelnden Gewässer und rauschenden Bäche. Auf beiden Seiten immer wieder Wasserfälle, die natürlich gut in Betrieb waren. Es hat alles immer zwei Seiten….

Highland

Faszinierende Lichtspiele im grünen Hochland.

Zum Abschluss der Hochgebirgsszenerie war dann noch eine veritable Schlucht geboten, an deren Ende noch ein gutes Stück Asphaltstraße bis zur völligen Wiedererlangung ordentlich gewohnter Gebiete zu bewältigen war. Die letzen drei Kilometer nach Fort William downtown nahmen wir den Bus, ich gebe es offen zu 😉
Hier gönnten wir unseren Schuhen und jaulenden Muskeln einen Tag Pause. Morgen brechen wir zur nächsten ähnlich gearteten Expedition auf: von Glenfinnan nach Inverie.

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