Vom Strandwaldwandern, lästigen Studienabschlussfeierlichkeiten und ungemein lieben deutschen Menschen

Fife Coastal Path – 1. Etappe – Dundee – Tayport – Tentsmuir Forest – Leuchars

Die Tay Bridge

Die Tay Bridge – da waren wir schon drüben

Obwohl der Küstenwanderweg offiziell erst am südlichen Brückenkopf der Tay Bridge beginnt, liefen wir uns auf den kerzengerade verlaufenden 2,25 km lauschig in der Mitte der beiden jeweils zweispurigen stark befahrenen Fahrbahnen warm. Am Vorabend hatten wir gerade noch das gefühlt letzte Hotelzimmer in Dundee erwischt, was zwar teuer und recht unpersönlich war, dafür direkt an der Brücke lag und uns für unsere Wanderung eine Busfahrt ersparte.

Das gefühlt letzte? Dundee ist eine recht kleine Stadt mit ziemlich renommierten Universität, der Anteil der Studenten an der Gesamtbevölkerung liegt bei über 10%. Das Städtchen ist wenig touristisch, was sich  in einer nicht überragend großen Anzahl an Übernachtungsmöglichkeiten äußert. Allerdings ist genau einmal im Sommer extrem viel los: dann nämlich, wenn Sohn oder Tochter Graduation feiert, also den Studienabschluss. Und Mutter und Vater in großer Anzahl – häufig wohl die aus Übersee – anreisen und dieses Ereignis mit einem mehrtägigen Aufenthalt verbinden. Ergo, die ganze Stadt war quasi ausgebucht.

Nach diesen ersten Kilometerchen kam der offizielle Beginn (oder das Ende, wenn man anders herum läuft) recht bald und war kaum zu verfehlen: Schilder satt, und sogar ein Kunstwerk extra für diesen Wanderweg wiesen den Weg. Dieser führte zunächst ostwärts über zumeist asphaltierte ruhige Wege bis in den letzten Ort am Nordzipfel, nach Tayport.

Fife Coastal Art am Start (oder Ende) des Fife Coastal Path

Fife Coastal Art am Start (oder Ende) des Fife Coastal Path

Nach einem netten Kaffee in einem netten Café erreichten wir den Tentsmuir Forest. Dies ist ein Naturschutzgebiet direkt hinter der Düne, was laut beschreibender Broschüre ein reichhaltiger Lebensraum für schwimmende, laufende und fliegende Tiere ist. Die Tiere machten sich allerdings ein wenig rar, wir sahen Kühe, die vom Bauern im Anhänger auf die Weide auf der Stranddüne ausgeführt wurden und den einen oder anderen gewöhnlichen Haushund, nicht alle vorschriftsgemäß angeleint. Der Abschnitt war ein netter Waldspaziergang mit ein paar Abstechern über die Düne, um den Blick auf den immer mehr zum Meer mutierenden Tay ab und an zu genießen.

Achtung, wilde Tiere im Naturschutzgebiet

Achtung, wilde Tiere im Naturschutzgebiet

Man ist allerdings auch hier – also nicht nur in Schottlands Westen – schon ein ganzes Weilchen unterwegs, bis man in den nächsten Ort kommt. Es war schon recht nachmittäglich, als wir auf einem Rast- und Spielplatz eine kleine Kekspause einlegten. Eine deutsche Familie war auch dort, und wir kamen ins Gespräch. Und dieses mal handedlte es sich nicht um Mittouristen, sondern die vier leben hier! Wir jammerten natürlich schon dort ein wenig über die fast erfolglose Quartierssuche in Dundee, woraufhin wir sofort Unterstützung im Falle nahender Verzweiflung angeboten bekamen.

Danach führte der Weg wieder aus dem Wald hinaus und noch ein Weilchen über Holzplanken über moorige Wiesen – sehr schön in Schuss gehalten, der Weg dort. Schlussendlich erreichten wir Leuchars, was direkt an einem Flugfeld der R.A.F. liegt und sonst auch ein eher unspektakulärer Ort ist. Wird ja kein Tourismus hier sein, dachten wir. Aber schon wieder verfolgte uns die Graduation Party: Leuchars liegt exakt zwische Dundee und St. Andrews, und dort graduieren prozentual noch mehr junge Schlauberger als in Dundee. Absolut nichts zu holen in den etwa 6 B&B, die dieser Ort hatte. Im letzten, bei dem wir einen Versuch starteten, empfahl man uns sogar, wir sollten doch den Zug nach Edinburgh nehmen, man wäre in einer Stunde dort. Genau das, was man möchte, wenn man auf solch einer Streckenwanderung ist.

Die Verzweiflung war also komplett. Zelten war auch nicht angesagt, da der Weg von hier aus erst mal 10 km auf der Hauptstraße nach St. Andrews verlaufen würde. Und zurücklaufen – das wollte keiner. Außerdem waren die Füße auch schon schwer am Jammern.

In unserer Verzweiflung riefen wir also bei der uns zuvor zugesteckten Telefonnummer von Max & Anja an. Umgehend holte uns Max mit seinem Automobil ab, wir bekamen sofort das beste Zimmer im Haus frisch bezogen, sie bestellten für uns immense Mengen an wunderbar leckerem indischen Food, die wir trotz stundenlang den schweren Rucksack durch die Gegend getragen zu haben nicht im Ansatz schafften. Und wir durften nicht mal die Zeche beim Inder bezahlen!

Nach wunderbarem Nachtgeplauder mit den beiden und Familienfrühstück mit allen vieren brachte uns Max dann auch noch nach St. Andrews auf den Pfad zurück und ersparte uns die 10 Hauptstraßenkilometer. Was für eine schönen Begegnung und eine unglaubliche Gastfreundschaft! Danke Euch noch mal 🙂

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