Von ehrwürdigem Gemäuer, spektakulären Klippen und sehr schlechtem Wetter

Fife Coastal Path – 2. Etappe – St. Andrews – Kingsbarns – (Crail)

Wie bereits im letzten Blogpost erwähnt, begannen wir diese Etappe mit einer kleinen Schummelei. Von Leuchars bis St. Andrews bietet der Weg keine andere Alternative, als ca. 10 km entlang der Hauptstraße über für Radler ja sehr angenehmen, dem Wanderer jedoch lästigen Asphalt zu laufen. Unser Gastgeber Max musste allerdings sowieso zur Arbeit nach St. Andrews und packte uns einfach in sein Automobil. An einer der Strandpromenade mit viel ansehnlichen altehrwürdigen Steinfassaden nahmen wir den Pfad wieder unter die Füße. Der Himmel zeigt sich allerdings schon zu Beginn des Tages ganz im Gegensatz zum Vortag in offensichtlich sehr ernst gemeintem Grau. Aber wir setzten nach gut zwei Wochen Schottland wenig Vertrauen in die ebenfalls Schlechtwetter prognostizierenden Vorhersagen und begannen unser Tagespensum. Dies sollte bis um die Spitze der Küste, „Fife Ness“ genannt, nach Crail führen. Unterkunft hatten wir zwar wie immer wieder keine vorgebucht, jedoch hatte ich eine Telefonnummer, wo wohl noch etwas frei sein sollte. Außerdem gibt es in Crail auch einen Campingplatz, auf dem wir zur Not sicher unterkämen. St. Andrews ist einerseits die Hochburg der Golfer und andererseits ein traditionsreicher Universitätssstandort. Traditionsreich wurden wir während des ersten Teilstücks von mächtigen und beeindruckenden Fassaden begleitet, die allerdings etwas düster wirkten. Dies lud auch nicht wirklich viel zum Fotografieren ein, man möge mir das entschuldigen 😉

St. Andrews Castle

Dunkel und bedrohlich wirkten sowohl die ganzen wie auch die etwas reparaturbedürftigen Steinfassaden in St. Andrews

Aus St. Andrews heraus wandelt sich die Szene dann sehr plötzlich: unvermittelt findet man sich auf dem wildesten und spektakulärsten Abschnitt der Küste wieder: hohe felsige Klippen, der Pfad klippauf und -ab, auf teilweise in den Fels gehauenen schmalen Steigen.  Immer wieder bizarre neue Felsformationen, mal direkt dran, mal mit Sicht von oben auf der Klippe. Leider fing es immer mehr zu regnen und zu stürmen an, was die Wanderei noch dazu mit großem Rucksack nicht leichter machte. Auf den nassen Felsen musste man zudem sehr aufpassen, dass man nicht rutschte. Trotz des schlechten Wetters ein wirklich schöner Abschnitt.

Felspersoenlichkeiten

Wahre Felspersönlichkeiten am Wegesrand

Die Mittagspause verbrachten wir im Windschutz einer alten dachlosen Steinhütte direkt am Ufer. Glücklicherweise regnete es mal kaum, und im Windschutz ließ es sich mit frisch auf dem Trangia gebrühten Tee aushalten. Und man fühlt sich auch gleich sehr expeditionsmäßig, wenn die Infrastruktur derart ausgenutzt werden muss, um einen gewissen Restkomfort zu erhalten… Nach ca. einer weiteren Stunde fing es allerdings sehr entschieden an, zu dauerregnen. Selbstverständlich mit starkem Wind, der selbstverständlich von vorne kam. Nach kurzer Zeit kamen wir in die Nähe von Kingsbarns, wo wir sonst nicht durchgekommen waren, aber so wollte ich die Etappe nicht durchziehen und entschied, dass wir in Kingsbarns zunächst mal einen heißen Tee irgendwo im Inneren eines Gebäudes zu uns nehmen sollten. Hier erreichte ich dann endlich den Besitzer des Marine Guest House in Crail, der noch Zimmer frei hatte, hurra! Und zu allem Komfortzuwachs dieses Tages fuhr bald der Bus, der uns in einer Viertelstunde zu unserem Etappenende brachte. Und zu allem Überfluss bekamen wir ein gigantisch großes KingSize-Zimmer mit atemberaubender Seesicht (die bei der Ankunft allerdings erst nur zu ahnen war) in diesem schönen alten viktorianischen Hotelbau!

Im Marine Guest House

Die Sicht von unserem Fenster aus – da hatte sich das Wetter schon wieder entscheidend gebessert…

Laut Aussage von Morgan (dem Hotelier) hätten wir auch nicht viel verpasst: die Klippen waren sowieso schon immer flacher geworden, und man wäre im wesentlichen an Golfplätzen vorbei gewandert. Das Wetter bestätigte im Laufe des Abends unsere Entscheidung: es schüttete, was ging und das noch die ganze Nacht. Und zum Glück mussten wir diese Sintflut nicht im Zelt überstehen!

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