Von kräftigem Gebläse, sandigen Stränden und nachlassendem Idyll

Fife Coastal Path – 4. Etappe – Elie – Earlsferry – Lundin Links – Lower Largo – Leven

So war denn also auch die zweite Nacht im schönen Zimmer im umso schöneren Crail rum, und wir setzten uns wieder die Rucksäcke auf den Buckel, um die nächste Etappe unter die Füße zu nehmen. Nach wortreicher Verabschiedung von unserem sehr witzigen Hotelwirt bemühten wir also erst einmal wieder den Doppeldeckerbus, der wie immer abenteuerlich über die holprige enge Straße nach Elie schaukelte, wo wir gestern unseren Marsch beendet hatte.

Von Elie nach Earlsferry verläuft der Coastal Path leider innerorts, obwohl vermutlich ohne großen Aufwand auch eine schönere Alternative direkt am Wasser möglich gewesen wäre. Wir sahen zumindest einige Abzweigungen, die nicht immer so schienen, als wären es komplette Sackgassen. Wer weiß, was hier für Großgrundbesitzer-Interessen an der Routenfindung beteiligt waren…

Das Wetter zeigte sich trocken, eventuell noch vorhandene Restfeuchte vom erst kürzlich vergangenen Regenwetter wurde von einem sehr entschlossenen und kräftigen Wind weggeföhnt. Als wir nach einer Weile das erste Mal aus dem Schutz des Orts zum Strand herauswanderten, warf es zumindest mich einige Male fast um, so stark düste der Wind zwischen den hier befindlichen letzten Klippen durch. Der Weg in der Düne war teilweise kaum zu erkennen, weil das hohe Gras waagerecht darüber geweht wurde. Fast schwindlig wurde einem, beim Versuch, in dem schwankenden hohen Gras den schmalen Weg ausfindig zu machen! Zumindest brauchte man heute absolut keine Gamaschen, wenigstens trocken war das hohe Gras.

Nach der ersten offenen Passage ging der Blick – dem WEg folgend – abrupt nach oben: hier hatte sich doch noch einmal eine recht hohe Klippe eingeschlichen! Übles wegen des Windes befürchtend ergab man sioch seinem Schicksal und stieg dem Himmel entgegen. Zum Glück war die eine Seite zumindest im Windschatten, also weniger stürmisch als unten am Strand.

Nach kurzem Aufstieg war der Blick aber gleich wieder fantastisch: fast alle Dörfer des gestrigen Tages und die heutigen reihten sich auf. Direkt unter uns sah man die Ebbe-Variante des Path, den sogenannten Chain-Walk: enge, steile Stufen in den Fels gehauen, sogar so steil, dass eine Kette montiert war, an der man sich hochziehen kann. Normalerweise hätte ich lieber so ein Felsgekraxel gehabt, aber als ich das von oben sah, war ich froh, dass wir das mit den großen Rucksäcken nicht gemacht hatten.

ChainWalk

Blick von der Klippe. Unten ist der ‚Chain Walk‘ zu erkennen – nix für sperrige Rucksäcke

Ohne Pause liefen wir bis nach Lundin Links, von jetzt an oft auf dem sehr gut zu begehenden harten Streifen des Ebbestrands. Das starke Gebläse lud aber auch nicht wirklich zu einer Rast ein, wir versuchten eher, Land zu gewinnen.

Kitesurfer

Genug Wind zum Kitesurfen hatte es allerdings!

In Lundin Links waren es jedoch fast drei Stunden, die wir mit großen Rucksäcken gelaufen waren. Meine Füße jammerten derart, dass ich dieses Mal wirklich zweifelte, den Weg bis zum nächsten Tearoom oder Pub zu überleben.

Überraschenderweise schafften wir es dennoch, und im ‚Railway Inn‘ in Lundin Links erhielten wir einen wunderbaren Tee und Kekse und Toasties. Und das obwohl der Ort schon lange nicht mehr an einem Railway liegt. Bahndämme (auf denen wir teilweise sogar gelaufen waren), Straßennamen und sogar alte Viadukte zeugten von der Bahn, die hier ehemals die Küste entlang gedampft war.

Strand

Der letzte weite Strandabschnitt, Leven im Hintergrund

Das Etappenziel war nach einem weiteren langen Sandstrandabschnitt schon deutlich sichtbar: Die zusammengewachsenen Orte Leven – Methil – Buckhaven sind ziemlich große ehemalige prosperierende Industriestandorte, von weitem sichtbar. Der Szenenwechsel von der Fischerei zu den Kohleorten war so schon deutlich zu erahnen. Hübsch war es dort auch nicht wirklich, so verließen wir Leven auch sofort wieder mit dem Bus nach Kirkcaldy, wo wir für die nächsten drei Nächte ein B&B gebucht hatten.

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