Von verflossenen Fischerdörfchen, real existierendem Fischereimüll und glücklichen Küstentieren

Fife Coastal Path – 3. Etappe – Crail – Anstruther -Pittenweem – St. Monans – Elie

Es hatte sich zum Glück offensichtlich ausgeregnet. Wäre auch ziemlich unerklärlich gewesen, woher diese Nacht hätte noch mehr Wasser kommen sollen.

Der sehr witzige aber offensichtlich auch geschäftstüchtige Morgan – der Besitzer des Marine Guest House – hatte uns schon zu unserer Ankunft empfohlen, bei Ihm doch gleich zwei Nächte zu verbringen, die nächste Etappe ohne großes Gepäck zu begehen, und am Schluss der Etappe einfach mit dem Bus zurück zu kommen. Angesichts des sehr netten Orts, in dem wir vorzüglich speisten und des spektakulären KingSizeSeaView-Zimmers fiel uns die Annahme seines Vorschlags sehr leicht.

Und wie angenehm sich die Wanderei ohne Rucksack herausstellte. Man fliegt förmlich, wenn man als Gesamtsystem plötzlich wieder 20% leichter ist. Und das war gut so: der kräftige Regen hatte aus einigen Wiesenpassagen regelrechte Schlammbahnen gemacht. Normalerweise wohl gemütlich vor sich hinnuschelnde Bächlein waren zu regelrechten Mahlströmen geworden.

Matsche

Glückliche Kühe (die mussten ja gerade auch nicht rumlaufen) und ein Megamatschweg – really swompy!

So beflügelt starteten wir also bei wieder trockenem Wetter in die dritte Etappe. Die Küste hat hier plötzlich eine ganz andere Charakteristik: viel weniger wild, einige sehr traditionsreiche Orte direkt am Meer, deren Einwohner sich in vorindustrieller Zeit von der Fischerei ernährten. Die Felsen sind eher flach am Strand geschichtet, wobei gelegentlich ganz nette Höhlen in wulstigem Sandstein zu bewundern sind. Auch die Landwirtschaft reicht oft bis an die Küstenlinie heran  – der heutige Weg verlief hin und wieder zwischen offensichtlich glücklichen Kühen, Schafen, Ziegen und sogar Strandschweinen in exklusiven Seelage – Behausungen.

Strandschweine

Auch das Schwein scheint mit der Lage der Unterkunft sehr zufrieden zu sein

Je weiter man allerdings noch ‚draußen‘ war – also je weniger der Firth of Forth, an dem wir jetzt ja waren, ein Fluss als offenes Meer war – desto heftiger bunt gesprenkelt präsentiert sich der Strand. Plastikmüll in allen Größen und Farben, ein großer Teil offensichtlich von der Sorte Fischerei, wie sie heutzutage Menschen ernährt. Allein auf den 5 Kilometern zwischen Crail und Anstruther lagen 40 weiße flache Fischerei-Kunststoffkisten rum – die farbigen gar nicht mitgerechnet. Man kann sich nur vage ein Bild machen, wie viel derartiges Gerödel im Meer herumschwimmen muss bei der Menge, die wir hier nur am Strand gesehen haben!

Strandmüll

Die Segnungen der Industriegesellschaft – hier leider fast überall zu bewundern

Und so kamen wir durch die Dörfer Anstruther, Pittenweem, St. Monans („A windmill!!!!“). Nach und nach lockerte der Himmel auf und die Sonne machte ein Dorf schöner als das andere. Schnucklige weiße Fassaden vor alten dicken Hafenmauern. Gottseidank hilft hier heutzutage der Tourismus, diese Orte in ihrer schlichten Schönheit zu erhalten.

St. Monans

St. Monans. Die fischerdörfliche Idylle wird leider durch die Anwesenheit von Automobilen leicht geschmälert.

Etappenziel war Elie, was schon wieder etwas größer ist und etwas weniger nett aussieht, wo wir aber im ‚Elie Deli‘  auf der Piazza einen Kaffee bekamen und danach mit dem Bus wieder in unsere Luxusunterkunft zurückfuhren.

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