Geroll.

Meckenbeuren – Konstanz – Schaffhausen – Waldshut

107 km

Endlich ging es los! Und zwar für normalbürgerlichfeiertägliche Verhältnisse entsetzlich früh. Die Etappe entlang des nördlichen Bodenseeufers wollte ich uns ersparen, deswegen war der Plan, den Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz zu nehmen. Um das frühe Aufstehen abzumildern, hatten wir Frühstücksutensilien dabei, natürlich keinen Kaffee, weil der wird ja auf dem Katamaran frisch gebrüht serviert. Dachten wir. Aber nicht Feiertags um 8:00, da ist der Tresen unbesetzt und die Kaffeemaschine schläft noch. Das Bootspersonal darf diese Maschine wohl auch nicht bedienen. Doof. Also zunächst trockenes Frühstück, den Kaffee gab es im ersten Café, welches sofort beim Betreten der Konstanzer Innenstadt auf der rechten Seite auf Besucher wartet und in dem Moment, in dem wir einen Kaffee wirklich brauchten, auch öffnete. Gerettet, quasi.

Derart gestärkt enterten wir kurz darauf die Schweiz und rollten uns am Südufer des Untersees ein. Der Himmel war zunächst noch ziemlich schamhaft bedeckt, ganz allmählich legte er jedoch immer mehr blaue Elemente frei bis es gegen Nachmittag doch ein richtig schöner und sonniger Tag wurde.

So rollten wir auf flacher, gut beschilderter und angenehm zu fahrender Strecke gen Westen. Ach was heißt rollen – wir schwebten quasi. Die Schweizer Radwege – wir befanden uns ja auf einer der nationalen Schweizer Velorouten – sind wie das meiste, was diese Nation hervorbringt, nahezu perfekt. Man braucht nur am Horizont einen unklaren Abzweig zu ahnen, schon schiebt sich eines der zahlreichen roten Schilder ins Blickfeld und man weiß eigentlich immer sofort, wo es langgeht. In größeren Orten sind wahre Schilderorgien die alle möglichen näheren und entfernteren Orte auflisten. Ein Velotourertraum.

holzbruecke

Überdachte Holzbrücke bei Gailingen.

So rollten wir flach bis Gailingen, wo im Strandbad original deutsche Dönergerichte den hungrigen Radler stärken. OK, ein Rippchen stellte sich uns zuvor in den Weg, das hinaufgeradelt werden wollte. Ansonsten: flaches Geroll. Und Rückenwind. Erwähnte ich schon das Wort ‚Schweben‘?

Wir erreichten den Rheinfall, wo recht viel Wasser eine ordentliche Whirlpool-Show ablieferte. Einen Kaffee direkt an der Dauergroßspülung musste schon sein, es waren gerade noch zu ertragen viele Touristen dort.

Rheinfall

Ordentlich was los im und am Rheinfall.

Nach dem Rheinfall stellte sich die Geografie doch ein wenig dem Dauermüßiggeradel in den Weg. So ein Wasserfall schneidet einen Fluss doch recht tief in die Landschaft ein – ein größerer Hügel war zu überwinden. Alles jedoch im grünen Bereich (sic!), man tut, was man tun muss. Dummerweise waren wir wieder einmal auf deutscher Seite, wo die Beschilderung meistens gut ist. Meistens.

Irgendwann zeigte ein Schild in den Wald hinein. Dort wurde ein ruppiger, steiler Waldweg immer ruppiger und steiler. Und schlussendlich auch noch matschiger und matschiger – irgendwann schoben alle drei Teilnehmer der Tour. Von Radwegschildern keine Spur mehr, man fühlte sich leicht vereumelt. Niemand glaubte an den Wahrheitsgehalt besagten, zuletzt gesehenen Schildes. Ein Mountainbiker gab uns schließlich einen entscheidenden Hinweis, dass wir zumindest wieder einen immer mehr fahrbaren Weg fanden. Schlussendlich erreichten wir mit voll vermatschten Schuhen wieder ein Sträßchen. Den durchaus wonnevollen Downhill hatten wir uns doppelt verdient.

fachwerk

Wunderhübsch, hier so am Hochrhein. Allein die Automobile stören ein wenig. Was zu erwarten war.

Der Rest war Wonne pur. Immer leicht bergab, leichter Rückenwind, toller Radweg. Schönes Wetter, wunderhübsche Dörfer, explodierend blühende Natur. Fünf Sterne für diesen letzten Abschnitt. Und die von mir favorisierte Unterkunft in Waldshut hatte ein Zimmer mit Kingsize-Bad für uns und ein Plätzchen für die Räder. Wenn auch mitten in einem neuen Blechkubeneinkaufszentrengebiet gelegen. Aber touristische Gegend hatte wir ja auch heute genug.

Übernachtung: goalsports motel

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3 Gedanken zu „Geroll.

  1. offlinus

    Herzlichen Glückwunsch! Du scheinst bei der großen Urlaubsverlosung mal wieder den Hauptgewinn „Internationale Radtour“ gezogen zu haben.
    Aber warum finde ich keinen Übersichtsplan für die geplante Radtour? Bin ich zu blöd, oder gibt es keinen? Oder hast Du keinen veröffentlicht, für den Fall, dass die Planung nicht hinhaut? Und komm mir jetzt nicht mit ‚wir fahren jeden Tag so weit, wie wir Lust haben‘.
    Überhaupt: wer radelt überhaupt?
    Alors, bon courage!

    Antwort
    1. dagmarb Autor

      Immer diese datenverliebten Bürokratentypen! Folgendes: Ziel ist Avignon, Rückfahrt am 13.5. Route über Schweizer Jura, Genf, Grenoble, Vercors, Drôme und wenn die Zeit reicht, den Mont Ventoux. Es radeln: die Daggi, der Graham und bis Samstag der Stefan. So, genug gebrieft?

      Antwort
  2. Pingback: Tour de France 2013 | Unterwegs. Kürzer. Länger.

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