Wald

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Heute setzten wir die gestrige Fahrt in Richtung Norden fort. Allerdings geht der zweite Teil der Reise mit der Inlandsbahn von morgens früh um sieben bis abends, fast um zehn Uhr. Dieses Land ist einfach lang, und wenn man eben keinen ultramodernen klimatisierten pfeilschnellen Schnellzug mit allem Schnick und Schnack zur Verfügung hat sondern nur einen brav seinen gemächlichen Dienst verrichtenden Schienenbus auf mitunter recht schaukeligem Schienenbett, dauert das eben seine Zeit.

Das Landschaftsprogramm war auch eine nahtlose Fortsetzung des gestrigen: Wald, soweit die Vorstellung reicht. Mal dicht stehende, senkrecht aufragende Kiefer- und Fichten, mal lockere Baumbestände, das grüne Bodenpolster gut sichtbar. Heidelbeeren, Moose und Flechten, meistens sehr einladend flauschig weich aussehend. Dann wieder Lichtungen mit kleinen und größeren moorigen Tümpeln, wo man mit Sicherheit knietief im Modder einsänke, versuchte man dort durchzustiefeln. Kleine Seen. Mittlere Seen. Hin und wieder ein großer See. Selten Zeichen davon, dass wir in einer vom Menschen dominierten Welt leben. Ab und zu die E45 parallel, der Verkehr aber minimal. Oder ein Schottersträßchen. Am Bahnübergang immer mal wieder das charakteristische Ding-Ding-Ding-Gebimmel. Und inmitten dieser Riesenwaldfläche doch hin und wieder eine Ansammlung von einigen dieser netten schwedischen Holzhäusern.

Die Mückendichte nahm zu: etwa drei Exemplare hauchten im Laufe des Tages ihr Leben aus. Weit entfernt von den blutrünstigen Myriaden, die sich der unkundige Schwedennichtkenner meistens vorstellt.
Die Fahrt wurde wieder mit einigen Stopps abwechslungsreich gestaltet, die Distanzen zwischen den Sehenswürdigkeiten nahmen allerdings nach Norden hin stetig zu. Es war ja schon südlich von Östersund gefühlt unglaublich einsam, es wurde aber immer noch einsamer!
Seltsamerweise ist das aber trotzdem sehr beruhigend, minutenlang den draußen vorbeiziehenden Wald zu betrachten, obwohl rein gar nichts passiert. Ein absolut effektiver Reset-Effekt. Und wenn es doch mal langweilig wird: das WLAN funktioniert fast überall vorbildlich, selbst in der größten Waldeinöde!
Gegen Abend standen dann noch ein Fotostopp am Polarkreis mit aussagekräftigem Schild und ein Abendessen-Aufenthalt im ‚Fjällglimten‘ auf dem Programm. Dort gab es das vorbestellte Rentierfleischgericht, sehr lecker. Und das Lättöl konnte in einer behaglichen Lappenkota-ähnlichen Runudhütte mit offenem Kamin und auf Rentierfellen eingenommen werden.
Auf den letzten Kilometern musste der Lokführer allerdings noch zwei spontan der stärkeren Lok zum Opfer gefallenen Rentiere melden. Wir bekamen nur noch die frischen Einzelteile zu sehen, die jetzt nicht näher beschrieben werden sollen…
Morgen geht es dann ins Outback, vermutlich kommt das nächste Update erst nach unserer ca. zehntägigen Wanderung – kein Netz!

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