Extrem

04.08.2013

Das Wetter war sehr schlecht geworden. In der Nacht hatte es einigermaßen geregnet. Am nächsten Morgen war der Himmel tief wolkenverhangen und es tröpfelte immer mal wieder. Die Färbung des Virihaure war zu einem tiefen Dunkelgrau übergegangen.
Also dem Rucksack die Regenhülle übergezogen, wir selbst kamen zunächst ohne Regenklamotten aus. Zwei Stunden lang ging das auch ganz gut. Stetig führte der Weg in die Höhe, der Bewuchs wurde immer niedriger und karger. Rentier-Rushhour war heute sozusagen. War gar nichts Besonderes mehr, allerdings sahen wir heute tatsächlich ein weißes. Und das soll ja Glück bringen.
Dann fing es allerdings an, dicker zu regnen, Stufe ‚Jacken an‘. Was auch noch eine ganze Weile gut ging. Die Wolken schraddelten mittlerweile mit ihrer Unterkante quasi am Boden, wir waren inzwischen auch wieder auf für diese Gegend hochalpine 900 m gestiegen. Begleitet von einem scharfen, sehr deutlichen Wind.
Das bedeutete natürlich am besten gar keine Pause machen. In der hochalpinen Umgebung, die wir mittlerweile durchliefen, gab es außer hier und dort mal einen größeren Felsbrocken auch so gar keinen wirklichen Schutz. Ein hochdramatisches Schauspiel der Wolken in dieser von Seen gefleckten ansonsten sehr steinigen Hochalm-Landschaft.
Irgendwann mussten wir dann mal etwas zu uns nehmen, mein Wasser im Trinkbeutel war mittlerweile auch alle. Wir setzten uns in den mehr schlechten als rechten Windschutz eines größeren Felsen. Von hinten wurde es sichtbar dunkler und dunkler. Man ließ uns gerade so viel Zeit, das Wasser zu kochen, um die Mittagssuppe anzurühren, dann legte es quasi schon los, richtig zu schütten. Was uns zum hektischen Aufbruch veranlasste und wir eine halbe Stunde lang richtig durchgespült wurden.
Was allerdings der Hammer war: nachdem es aufgehört hatte, riss binnen kürzester Zeit der Himmel komplett auf und die Sonne schien wieder aus einem blauen Himmel. Und veranlasste uns wiederum zum schlagartigen Loswerden irgendwelcher Regenkleidung, weil man sich ja bewegt.
Bei schönstem Sonnenschein erreichten wir gegen halb drei die
Duottar-Hütten, was für normale Leute das Etappenziel nach 19 km darstellt. Aber schon wieder so früh am Nachmittag! Die Etappe zur nächsten Hütte war auch nur 11 km lang, das sitzt man ja auf der linken Arschbacke ab… äh.. läuft es mit dem linken großen Zeh.
Also ohne Unterbruch weiter, die 30 km anvisierend. Noch eine ganze Weile ging es durch diese fantastische Kahlfjälllandschaft auf immer leicht zu gehendem Weg. Eine kleine Pause legten wir noch ein, die wurde uns wieder versemmelt, weil die Wolken an diesem Pass, an dem wir mittlerweile saßen, wieder bis auf Bodennähe hereindrückten und es windig und ungemütlich wurde. Im ganzen heute also etwa eine Dreiviertelstunde Pause.
Bald kamen die Darreluopalhütten in die Sicht, gleichzeitig hatte man eine ganz fantastische Aussicht auf den Tarraätno, der sich in vielen Windungen im gleichnamigen Tal nach unten windet. Diesem Fluss werden wir den Rest der Wanderung immer weiter nach unten folgen, wieder zurück in die Zivilisation.
Um kurz nach fünf hatten wir die dreißig Kilometer denn auch weggehauen und sind jetzt in wunderschöner Lage am Fluss. Die Abendsonne malt durch die lichte Wolkendecke wunderschöne Flecken auf das umgebende Grün.

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