Ausflug mit Emma

Wir sind ja schon seit nunmehr fast zwei Jahren ohne eigenes Automobil. Die Gemeinde Meckenbeuren wurde Ende 2011 zu einem weiteren Standort unseres lokalen CarSharing-Verein, dem bodenseemobil. Seitdem deckt das unseren geringen automobilen Bedarf. Das Autochen steht fünf Gehminuten von unserer Haustüre entfernt und ist für die wenigen Male, die wir es brauchen, meist sofort buch- und verfügbar.emma_2

Kürzlich erhielt dieses Einzelexemplar Zuwachs: neben einem weiteren Fahrzeug des Vereins gesellte sich am selben Standort ein Elektromobil dazu: Emma. Emma soll Bodo unterstützen – unseren Verkehrsverbund und als flexibles Verkehrsmittel ‚für die letzten Meter‘ zum Ziel ein schnelles Ankommen z. B. vom Bahnhof  dienen.

Für Emma muss man nicht Mitglied im bodenseemobil sein, sondern der Zugang zu den DB-Carsharing-Autos, dem sog. flinkster-System ist ausreichend. Bodenseemobil-Mitglieder sind allerdings automatisch auch flinkster-Nutzer und dürfen die Emma buchen und nutzen. Allerdings sind die Tarife völlig anders als im Verein und das ganze wird durch die verschiedenen Trägerschaften nicht übersichtlicher! Anyway.

In geselliger Runde schlossen am Vorabend also vier Leute zusammen, mein Quasigatte und ich als erfahrene Carsharer, dazu zwei Neulinge, die das ganze System noch nicht aus erster Hand kannten. So buchten wir Emma für ein Stündchen am heutigen Sonntag, um ‚Praktikum‘ zu machen.

Am Start stand Emma mit eingestöpseltem Kabel bereit. Sollte man ja nie vergessen vor dem Start, diese Kabel haben eine geringe endliche Länge 😉 Auto mit der Carsharing-Karte an der Windschutzscheibe geöffnet, Kabel im Kofferraum verstaut und Platz genommen. Aha, ein Automatik-Wählhebel. Zündschlüssel im Schloss gedreht und – nichts tat sich, zunächst. Ach ja, in einem Elektromobil das Geräusch eines startenden Motors zu erwarten ist alte Benziner-Gewohnheit. Nach einem weiteren Versuch, bei dem der Zündschlüssel bis zum Ertönen eines Start-Bing-Bings in Zündposition gehalten wurde, rollte Emma klaglos und flüsterleise an.

emma_1Das Fahren selbst gestaltet sich sehr angenehm. Emma rollt geräuschlos dahin. Sie reagiert aber sehr eifrig auf Anforderung vom Gaspedal und bringt es auf beeindruckende Beschleunigungswerte. Dank des extrem leisen Geräuschs ist man angeraten, immer die Geschwindigkeit auf dem Display zu kontrollieren, man merkt von der Beschleunigung und der Geschwindigkeit sehr wenig. Die Automatik erlaubt ein völlig unproblematisches Fahren. Über eine Anzeige kann man ständig kontrollieren, ob man bezüglich des Akkuverbrauchs im ‚grünen Bereich‘ oder sogar in der Rekuperation fährt, in der der Akku aufgeladen wird. Kitzelt man aber die durchaus Spaß bereitende Beschleunigungsfähigkeit des Mädels heraus, schnellt der Zeiger weit nach rechts in den Akku-Leersaug-Bereich. Man wird so durchaus ein wenig erzogen.

Die Tankanzeige – also in diesem Fall der Ladestand – stand schon zu Beginn der Fahrt auf nur knapp halb. Dies wunderte uns, hatte das Auto doch eigentlich die ganze Nacht an der Steckdose gehangen. Nach einigen Beschleunigungsproben entschwand schnell ein Balken nach dem anderen aus dem Display – Oh-oh! Wir wollten ja nur eine kurze Runde drehen, aber das sah nicht nach üppigem Polster aus!

Nach der ersten Hälfte der Fahrt entschieden wir uns deswegen für die Heimwegvariante ohne größere Steigungen. Wir kamen dann auch mit schonender Fahrweise ganz gut hin, aber nach knapp 40 km war der halbe Tankvorrat auf ein warnblinkendes Resthäufchen zusammengeschmolzen. Die versprochenen 150 km Reichweite sind offensichtlich nur bei sehr wohlerzogener ökologischer Fahrtweise und nicht mit vier Personen beladen zu erreichen.

Wieder an der E-Zapfsäule an Emmas Stammplatz angekommen, bauten wir vorschriftsmäßig das Kabel an den beiden entsprechenden Enden an. Aber oh weh, nicht im entferntesten leuchtete die LED am Trafo, der ein ordnungsgemäßes Laden angezeigt hätte. OK, nachdem wir entdeckten, dass man an einem Touchscreen den Ladevorgang anfordern musste, versuchten wir dieses.

Hier wird eine Kundennummer angefordet, dann eine PIN, dann kann man ein Karte vorhalten, dann wird ein Datenbank abgefragt, dann Abbruch, dann wieder Karte vorhalten, dann wieder PIN – ach, das war die falsche PIN, dann wieder Karte, dann wieder Formular, auf der man zwischen ’16A‘ und ‚Schuko‘ auswählen konnte und schlussendlich tat sich – genau nichts. Idealerweise ragte noch in Aufkleber ins Display hinein, sonst hätten wir nicht eine Viertelstunde gebraucht, die Fehlermeldung zu sehen. Die zweite Seite der Zapfsäule war schon per Aufkleber als ‚defekt‘ angezeigt. Großes Kino! Das war mit ziemlicher Sicherheit auch der Grund für den niedrigen Ladestand bei Übernahme, vermutlich hatte unser Vorgänger weniger Geduld und ist davon ausgegangen, dass der Ladevorgang gestartet war.

Völlig Panne ist auch der Tatbestand, dass bis auf ein paar sehr lakonische Anweisungen auf dem Display überhaupt keine Anleitung zum Ladevorgang an der Ladesäule angebracht ist. Kundennummer? PIN? Hä? Selbst wenn man die Ladeanleitung auf der Webseite einsieht – das mit der PIN ist dort nicht einmal erwähnt! Und ist jetzt die flinkster-Kundennummer gemeint? Oder was? Und auf dem Schlüssel steht noch eine PIN…

Zum guten Schluss riefen wir die Hotline an und überließen Emma ziemlich akkuleer ihrem Schicksal. Zum Glück war keine weitere Buchung an diesem Tag, der Nutzer hätte seine Freude gehabt!

Mein Fazit: Tolles Fahrzeug, bestehende Infrastruktur hätte besser genutzt werden können, der Ladevorgang und die Information hierzu ein ganz klares Fail!

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