Langetappe.

So schön war der reisebeginn auf der Fähre.

So schön war der Reisebeginn auf der Fähre.

Da war er endlich, der Abreisetag.
Früh schon machte ich mich begleitet von Stefan (der nur wegen mir und der Anschiednahme ebenfalls für ihn unmenschlich früh aufstand) auf den Weg. Um 06:41 nahm ich die Fähre über den See. Genau so hatte ich meine Rückreise das letzte Jahr beendet. Der schönst vorstellbare Sonnenaufgang begleitete mich über den See. „Warum fährst Du eigentlich so weit weg?“ schien er zu fragen. Man braucht auch mal Tapetenwechsel, falls er noch mal fragt.

In Romanshorn mal eben ganz klassisch am Schalter eine Fahrkarte gelöst, Zug geentert, Fahrrad in die dafür vorgesehenen Einhänghalterungen hinauf gewuchtet. Alles entspannt.

Der erste Umstieg erfolgte in Bern. Immer noch entspannt über die unglaublich genialen Bahnsteigrampen aufs korrekte Gleis gegangen, dort die Anzeige gecheckt – Au weh, Zug nach Genf unbestimmt verspätet?
Die Durchsage folgte postwendend und verhieß nichts Gutes: Bahnstrecke nach Genf unterbrochen. Man sollte den Regionalzug nach Biel nehmen und von dort nach Genf weiter. Nur schade, dass meine in vielen Stunden Recherche ausgeklügelte Verbindung einstürzte wie ein Kartenhaus.
Aber da ich bahntechnisch ja durchaus versiert bin, hatte ich sowieso eine Verbindung mit Backup. Das hieß statt 11:59 ab Genf drei Stunden später, bzw. zwei Stunden Aufenthalt in Genf. Genf?

Da war ich doch schon in Biel und mir fiel ein, dass eine Klassenkameradin dort lebt und ein kleines Business hat, Facebook sei Dank haben wir so ein bisschen Kontakt. Und da dieses wenige Radelminuten vom Bieler Hauptbahnhof entfernt lag, beschloss ich, auf gut Glück mal vorbei zu schauen.

Margarete war tatsächlich dort und die Überraschung war perfekt. Sie freute sich sehr und wir hatten ein nettes Stündchen, wo wir mal eben die letzten 34 Jahre Revue passieren ließen – so lange hatten wir uns nämlich nicht mehr gesehen. Ich finde das immer unglaublich interessant, welche Wege das Leben der Leute aus der Jugend nimmt.

Dann weiter im Neigetechnik-IC nach Genf (Achtung: Reservierungspflicht für das Velo). Wunderschön die Bahnstrecke an den Schweizer Seen entlang! Teilweise exakt neben der Strecke, die wir im letzten Jahr geradelt waren. In Genf noch mal ein Stündchen bei Kaffee und Heidelbeermuffin verbracht, dann den Nahverkehrszug nach Valence bestiegen.

In Valence legte ich einen kurzen Shoppingstop ein. Zwei wichtige Dinge hatte ich bis dort nicht im Gepäck: eine SIM-Karte für mobiles Internet (überlebenswichtig) und eine ganz traditionelle papierne Landkarte der wohlbekannten Marke „Michelin“. Freundlicherweise bot mir das Valence mit wenig Aufwand, ganz einfach und fahrradfreundlich war die FuZo schnell erreicht.

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Dann wieder zurück zum Bahnhof, dort noch ein Thunfischsandwich und eine Dose Kronenbourg erstanden und endlich in den letzten Zug nach Avignon eingestiegen. Der Ventoux zeigt sich bald zur Linken, majestätisch angeleuchtet von der mittlerweile untergehenden Sonne. Pünktlich war Avignon dann erreicht – nicht mal drei Stunden später als geplant ;-), Hotel bezogen, Fahrrad wieder im Konferenzraum geparkt und jetzt fehlt nur noch Graham, der um 23:08 ankommen soll.

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4 Gedanken zu „Langetappe.

  1. andreasb.

    Hmm, da kommt ein wenig Neid auf. Ich hoffe Du kommst ohne Speichenbruch und Tretlagerschäden durch 😉 . Schöne Strecke hast Du Dir da ausgesucht, Bestimmt auch ganz schön hügelig, jedenfalls für so einen Flachlandtiroler wie mich. Aber Deine Geschichte mit der Bahn kommt mir bekannt vor, hab noch nie erlebt , daß die Planung die man sich vorher mühselig zusammen gestellt hat , auch wirklich funktioniert. Erst recht nicht wenn man umsteigen muss.

    Antwort
    1. dagmarb Autor

      Jaja, den einen oder anderen Hügel oder sogar Berg haben wir sozusagen absichtlich im Programm 😉 Schon Morgen werden wir uns eine veritable Bergwertung reinziehen über die Cevennen-Kammstraße. Das mit der Zugverbindung ist nicht so schlimm und meistens klappt das schon. Immer noch entspannter als stundenlang mit dem eigenen Auto über langweilige Autobahnen zu rasen.

      Antwort
  2. Stefan

    Ich weiß jetzt warum die Fähre so voll war. Der Kollege der mit an Bord war hat mir erzähl, dass die erste Fähre ausgefallen war.

    Antwort
    1. dagmarb Autor

      Stimmt, hat einer vom fährpersonal auch erzählt. Die Fährt zuvor hatten sie mit einem Personenschiff gemacht, da gehen die Autos und LKWs so schlecht drauf…

      Antwort

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