Flusstäler

Der Tag begann und endete in Regenhose. Zu Beginn im wesentlichen wegen der Temperatur – je nach Wetter-App-Version lag diese heute morgen zwischen 3 und 5°C. Hallo, Südfrankreich?
Die geplante Route für den heutigen Tag verlief vollständig durch Flusstäler. Bis Millau folgten wir dem Dourbie und den gleichnamigen Gorges. Obwohl sich der Himmel meistens sehr unfreundlich grau zeigte, waren wir doch begeistert ob des pittoresken Tals. Kühn schmiegen sich auch hier die Dörfer an die steilen Hänge beiderseits des Tals. Weiter oben an den Hängen waren die gewaltigen Felsschichten der ‚Causses‘ zu sehen. Und schon wieder so gut wie keine Automobile unterwegs!
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Um die Mittagszeit erreichten wir Millau. Just als ein heftiger Schauer darnieder ging, saßen wir in einer Brasserie beim Mittagessen und lobten uns für die gute Zeitplanung.
Unter dem gewaltigen ‚Viaduc de Millau‘ durch ging es weiter westwärts durch das Tal des Tarn. Auch das wunderschön, etwas lieblicher als das von schroffen Felsen geprägte Dourbie-Tal. Und die Sonne zeigte sich sogar von Zeit zu Zeit. Unterbrochen allerdings von zum Teil heftigen Schauern, die uns zu ganz schön begossenen Pudeln machten. Natürlich waren sie immer dann besonders kräftig, wenn man dachte, dass das bestimmt gleich aufhört und die Regenhose natürlich nicht anhatte. Und natürlich war genau dann wieder Schauer, wenn man gerade eben so abgetrocknet war. Und schön kalt und fies windig – zumindest je nach Mäander-Richtung des Flusses – war es auch noch.
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Nach einer weiteren Kaffeepause und einer beeindruckenden Vesperportion mit Schinken, Wurst und Käse zeigte das Tal deutliche Schlucht-Tendenzen. Noch schöner, aber mit überdeutlichen Hügeln verbunden, Hinaufkeuchen und Runterstürzen im Wechsel. Dafür immer wieder wunderschöne Ausblicke.
Unser Zielort war Brouqiès, es sah aus wie ein etwas größerer Ort, wo sich bestimmt ein Hotel oder Ähnliches befinden müsste. Leider verloren! Tourismus gibt es wohl in ausreichendem Maß nur weiter oben im Tal. Die Nachfrage bei einer offensichtlich ortsansässigen Dame ergab 10 km bergauf im nächsten größeren Ort. Sehr bergauf, 300 Höhenmeter hätte dieser Ort bedeutet. Dann fiel ihr noch ein, dass in etwa drei km Entfernung in La Caze jemand eine Gîte vermietete, was sie aber mit wenig Optimismus empfahl. Nun gut, lag sowieso an der Straße zu dem nächstgrößeren Ort.
Auch La Caze war erst nach einem gefühlt unendlichen Hügel erreicht. Und tatsächlich – ein Hinweisschild. Ich war wenig optimistisch, weil Gîte zumeist Fereinhäuschen bedeutet, was man normalerweise nur für eine Woche bekommt.
Und es sah auch zunächst nicht gut aus, ein großes Tor mit Klopfer, aber niemand reagierte auf unser vielleicht zu zaghaftes Geklopf. Es waren aber Nachbarn zugange, die sich auf unsere Nachfrage durch das Tor trauten. Es war tatsächlich jemand zu Hause, ein englisches Ehepaar, wie sich herausstellte. Die Lady wiegelte ab – wir müssten die Betten selbst beziehen und der Boiler müsste auch erst angestellt werden. In Anbetracht der Tatsache, dass es doch schon recht spät war und wir mit dem Fahrrad unterwegs und nur noch steile Kilometer zum nächsten Hotel rundherum lagen, willigten diese wunderbaren Menschen ein, dass wir in ihrem schönen Häuschen übernachten durften. Und versorgten uns mit einem Nudelgericht, Brot und einer Flasche Rotwein. Und mit WLAN. Gerettet.
So sitzen wir gesättigt und wieder aufgewärmt beim künstlichen Kaminfeuer und sind unglaublich froh!
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6 Gedanken zu „Flusstäler

  1. andreasb.

    danke für den Bericht, 3-5 Grad ? nicht gerade warm für Südfrankreich. Hier gab es heute auch eine Menge Regen, aber in der kommenden Woche wieder trocken. ich hoffe bei Euch auch, viel Spaß noch

    Antwort
  2. Urs Himmelrich

    Sehr schöne Berichte. Da ich meist während des Sommers / Herbstes meine Ferienreisen unternehme, ist es besonders reizvoll, mal von Erfahrungen aus einer eher unüblichen Reisezeit (wenigstens für das Fahrrad) zu lesen.
    Wünsche weiterhin viel Spass und Freude

    Antwort
  3. berbeldieschnerbel

    Liebe Dagmar, ich bin in Gedanken bei Dir (merkst Du’s?) und bewundere Dich sehr für Deine Energie. Von mir bekommst Du sämtliche gelbe und rot getupfte Trikots. Hau rein & bis bald, Barbara PS. Die gelbe Tischdecke hat meine Schwiegermutter auch. Toll, gell?

    Antwort

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