Fiese Köter im Dauervorort

Tullow – Tullamore 90 km

Unsere Räder hatten sicher übernachtet im Garten der „Laburnum Lodge“ kurz vor Tullow. Wurden sie doch aufs heftigste bewacht von zwei eher ungemütlich wirkenden Hunden, die scheinbar frei herumliefen, aber über ein elektronisches Halsband nicht über eine virtuelle Linie hinaus liefen. Das wurde uns erklärt, aber ein mäglicher Fahrraddieb hätte dies nicht gewusst und schnell Reißaus genommen.

Wir radelten weiter Richtung Nordosten. Was gestern schon auffiel, heute aber noch viel spürbarer war: überall neue, ziemlich klotzige Einfamilienhäuser. Über Stunden fuhren wir durch einen gefühlten Dauervorort. Dublin ist ja nicht weit weg und offensichtlich habe die Iren keinerlei Beschränkungen, was die Zersiedelung ihrer Landschaft angeht. Landwirtschaft findet nur noch ein bisschen zwischen den Einfamilienhäusern statt: hier eine Herde Kühe, die auf die Kinderhüpfburg glotzt und dort ein eingeklemmtes Äckerchen zwischen englischen Rasen.

Ungemütlich auftretende Hunde begleiteten uns dann auch fast den ganzen Tag. Denn diese waren nebst englischem Rasen oft ebenfalls in der Ausstattung der Häuser enthalten und der eine oder andere wagte tatsächlich so etwas wie einen Nahangriff. Einmal hatte ich fast Bedenken, dass mir ein wütender Corgi zwischen die 18-Zoll-Räder gerät. Bei manchen Hunden war man froh, dass sie nicht eben mal über den Zaun sprangen.

Zu den Kaffeepausen hatten wir zweimal „Cream Tea“, das sind Scones mit Marmelade und Schlagsahne und Tee dazu. Seit Graham entdeckt hat, dass es eine englische Cream Tea Society gibt, die am 26. Juni zum internationalen Cream Tea Day“ aufruft, wird er nicht müde, davon zu schwärmen. Und heute hatten wir das direkt zweimal. Zu beachten ist, dass die Marmelade unter die Schlagsahne auf den Scone kommt. Und man muss jeden Bissen mit einem Häufchen Schlagsahne versehen, nicht etwa von vornherein einen Berg Sahne auf dem Scone verteilen. Das machen nur Anfänger. Weil sonst landet man mit der Nase in der Sahne, versteht sich. Man kann so viel falsch machen.

  
Erst gegen Ende dieser sehr flachen Tagesetappe wurde das Land wieder mehr zum Land. Und ab und zu war tatsächlich eines dieser offensichtlich im wesentlichen überall abgerissenen alten Bauernhäusern zu sehen. Solche, wie man sie vor gut 25 Jahren überall sehen konnte, als ich das erste Mal in Irland war.

  
Unser heutiger Zielort war Tullamore, bekannt durch das gleichnamige geistreiche Getränk mit dem Zusatz „Dew“. Hier sind wir im feudalen Bridge House Hotel abgestiegen, welches unter der Woche Übernachtungen zu einem wenig höheren Preis als übliche B&B anbietet.  Und werde mir gleich noch eine geringe Menge dieses geistreichen Getränks zuführen. Wenn man schon mal hier ist.

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