Paddy Ryans Nachbar

Tullamore – Rooskey 81 km 

Der morgendliche Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes. Grau und windig. Nichtsdestotrotz wurde wie sonst ein reichhaltiges Frühstück eingenommen und wie immer um kurz nach neun gestartet. Und schon beim Start waren erste Wolkenlücken im Grau zu sehen und wir sollten noch sehr viel Sonne abbekommen. Man sollte einen Tag nie vom Blick aus dem Fenster beim Aufwachen beurteilen, und schon gar nicht in Irland.

Ein erster Kaffeestopp bot sich in einem winzigen Ort namens Horseleap an. Trotz seiner Winzigkeit hatte sich hier Paddy Ryans Pub mit angeschlossenem Laden erhalten können. Auffallender jedoch war das Haus des Nachbarn: schon von außen eine Schönheit, da flächendeckend mit alten Emaille-Schildern behängt. Während wir dieses Haus bewunderten und fotografierten, unterhielten wir uns mit einem netten ortsansässigen Iren. Er erzählte von seinem letzten Radausflug, dass er beim Uphill dermaßen Gas gegeben hätte, dass er völlig erschöpft vom Rad gefallen sei und seitdem nie wieder Rad gefahren sei.

  
Währenddessen  bekam der Nachbar Wind davon, dass zwei Radler in diesem Ort aufgetaucht waren, und er stellte wie zufällig sein Tandem nach draußen. Ein wunderbares Stück, laut seiner Aussage von 1916, in hervorragendem Zustand. Stolz zeigte er uns noch ein weiteres wunderschönes Stück, ein Bäckerrad, was nicht viel jünger war. Außer Rädern würde er noch Motorräder und Traktoren sammeln, wie er meinte, aber die zeigte er uns nicht alle. 

  
Mittlerweile hatten wir uns bei Paddy Ryan im Pub eingefunden. Hier bekamen wir Kaffee und als Snack bot er uns eine Auswahl an Schokoriegeln aus dem Laden an – wir sollten uns die nehmen, die wir am liebsten wollten. 

Danach ging es über ruhige kleine Sträßchen weiter. Das Land hatte wieder leichte Bodenwellen bekommen und die Einfamilienhausdichte sinkt zum Glück stetig. Dennoch konnten wir zweimal den heißen Atem wütend bellender Hunde an unseren Knöcheln fühlen. Köter scheinen hier oft nicht wirklich wohlerzogen zu sein, zumindest gegenüber Radfahrern.

  
Dank der hervorragenden Planung von komoot und der Dame, die immer genau weiß, wo es lang geht und das dann unmissverständlich ansagt, fanden wir problemlos nach Longford. Scone, Apple Crumble und Tee stärkten uns für die letzten 15 km. Diese waren dann leider auf der National Road zu absolvieren, alles andere hätte lästig viel Umweg bedeutet. Aber dank breiter Seitenstreifen meist kein Problem. Dass in Irland wenig Verkehr sei, ist allerdings wohl eine Wahrheit, die eher der Vergangenheit angehört.

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