Flach, geradeaus und windig

Ponts – Tamarite de Litera 88 km

Der grobe Plan für heute sah eine Passage ziemlich genau nach Westen vor, die flach südlich knapp vor den ersten Erhebungen der Pyrenäen geplant war. Der Plan des Windes war, aus genau dieser Windrichtung kräftig und stetig zu wehen.

Ohne großartige Worte darüber zu verlieren, gaben wir uns unserem Schicksal hin und starteten zur üblichen Zeit um kurz nach neun. Die ersten Kilometer legten wir auf einer breiten, gut ausgebauten Landstraße zurück, weil quasi keine Umfahrung auf putzigen kleinen Sträßchen möglich war. Die spanische Landstraße im Flachland ist meistens recht breit, in extrem guten Zustand, in den sie vermutlich mit ordentlich EU-Unterstützung gebracht wurde. Die Breite hat ebenfalls sehr breite Seitenstreifen zur Folge, auf denen es sich angenehm radeln lässt. Der Verkehr ist alles andere als dicht, durch den kilometerlangen schnurgeraden Verlauf werden die meisten motorisierten Verkehrsteilnehmer zum Rasen animiert, was wiederum dem Radler weniger genehm ist. Darüberhinaus stellen ziemlich große Lastwagen einen erklecklichen Anteil des ländlichen Verkehrs, was den ZF-Mitarbeiter freut, da zahlreiche MAN-Fahrzeuge zu sehen sind. Der Radler wiederum ist froh, wenn der Lastwagenfahrer mit ordentlich Abstand überholt hat. Das muss man den spanischen Fahrzeuglenkern aber wirklich lassen: sie überholen fast ausnahmslos mit angenehm viel Abstand.

Schnurgerade Landstraße. In der Ferne zwei wie Trutzburgen wirkende Dörfer auf ihren Hügeln


Nach der ersten Landstraßenstrecke konnten wir allerdings zum Glück mal wieder eine Strecke auf lauschigen kleinen Sträßchen zurücklegen. Die darüberhinaus wieder ein kurzes Stück durch eine kleine Schlucht führte, ein sehr lohnenswerter Streckenabschnitt.

Kleine Schlucht an kleiner Straße


Die Mittagspause gönnten wir uns in einem Ort namens Gerb. Auf der Placa Mayor nix los, aber laute Musik aus dem Lautsprecher der Kneipe, die uns das Mittags-Bocadillo bereitstellte. Um Punkt halb eins übertönte ein noch lauterer Lautsprecher den nach wie vor völlig unbelebten Platz mit der katalanischen Nationalhymne und irgendwelcher Ansagen, die ich nicht ansatzweise verstand. Ein akustisches Erlebnis der besonderen Art.

Der Rest war dann im wesentlichen eher wieder schnurgerade Landstraße. Ein kurzes Stück konnten wir einem Bewässerungskanal folgen, der sich wenigstens ein wenig Zickzack um die Hügel schlängelte. Das letzte Stück war allerdings wieder von einer besonderen landschaftlichen Schönheit, da als allerletzte Ausläufer der Pyrenäen überall kleine Sandsteinhügelchen und -felsen aus dem ansonsten flachen Land heraus ragten. 

Trotz des Gegenwinds erreichten wir wie fast immer gegen 18:00 unser Ziel. Im einzigen Hostal am Platz hatte ich reserviert. Ein wunderschönes altes, gut restauriertes Haus mit einer ordentlichen Sandsteinwand im Kreuz.

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