Auf Wiedersehen, Aragón

Hecho – Jaurriete 75 km

Der Tag begann, wie der Vortag geendet hatte. Rüber über den Rücken und auf der anderen Seite ab ins nächste Tal. Dazwischen verträumte Bergdörfer. Ein derartiges Pässlein war noch komplett innerhalb Aragón. Am nächsten Pässlein warteten enorme Schilder auf uns, die uns unmissverständlich mitteilten, dass wir uns ab jetzt in der Provinz Navarra im Baskenland befänden.


Die Straße wurde auch gleich besser. Und der erste Eindruck, als wir in das Roncal-Tal kamen: Schweiz pur. Bergwiesen, Kühe mit dieser speziellen gemütlich braunen Außenfarbe und alles wunderschön aufgeräumt und sauber. Auch die architektonische Ausgestaltung der Häuser erinnert sehr an zum Beispiel Graubünden. Bloß, dass wir weiterhin mit Euros zahlen konnten, was aber auch gut ist. Und die Sprache ist weiterhin meistens Spanisch. Alle Schilder und Aufschriften sind aber auch auf Baskisch. Diese Sprache mit viel „tx“ und „tz“ am Ende der Worte erinnert so an gar nix, am entferntesten scheint sie noch dem Klingonischen zu ähneln.

Wir verließen das Roncal-Tal, um im nächsten verfügbaren Tal wieder gen Norden weiter zu fahren. Wieder ein sehr gemütliches kleines Nebensträßchen, hier allerdings mit sehr rütteligem Asphalt. Am Ende des Tals lag ein Dorf – Vidángoz, was wir mit Mittagspausenhunger erreichten. Ob es hier mehr als einen Zigarillo gäbe? Ja, eine Bar mit Bocadillo-Service war am Platz und der nette Mensch, den ich gefragt hatte, hatte die Barista schon auf unseren Hunger vorbereitet. Wir bestellten Schinken-Bocadillo. Wenig später kam die nette Frau Barista mit den längsten Schinkenbrötchen, die ich mir überhaupt vorstellen könnte, zurück. Gefühlt hatte jeder von uns einen halben Meter vor sich. Das Brot war frisch und gut, der Schinken kross angebraten und der hungrige Radlermagen außerordentlich effizient gefüllt, als wir uns beide zum Ende durchgebissen hatte.

Danach wieder das bekannte Schema: Bergrücken und Übergang ins nächste Tal, das Salazar-Tal. Heute auch wieder recht warm und schwül, aber ein freundlicher Wind begleitete uns und schob uns so manches Stückchen.

Der freundliche Wind schob uns weiter in dieses Tal hinein. Eine Tankstelle bot uns die gesuchte Landkarte für die letzten Etappen und ein Eis, was wir stilecht auf dem Randstein neben der Zapfsäule im Schatten sitzend vernichteten.

Danach wäre eigentlich ein geeigneter Etappenzielort auf dem Weg gelegen, aber es war eigentlich noch zu früh und trotz drei absolvierten Monsterhügeln waren die Schinkenbrote noch nicht ganz durch.

Man sollte meinen, dass sich der Tag jetzt unspektakulär zur Ruhe legen sollte. Aber weit gefehlt, es passierten durchaus noch außergewöhnliche Dinge! Zunächst stellten wir fest, dass wir inmitten eines Ausflugs eines lokalen Porsche-Clubs gelandet waren. Die letzten zwei Kilometer wir unserem letzten Abzweig würden wir zahlreich unangenehm laut von zahlreichen dieser Automobile überholt. Schön war dann allerdings, dass am letzten Abzweig Polizei stand und den Korso aufhielt und wir mit süffisantem Grinsen an einigen Vertretern dieser Zunft wieder vorbeifuhren. 

Den Grund des Polizeiaufgebots erfuhren wir, als wir unsere letzten 5 Bergauf-Kilometer eben rum hatten. Immer noch mehr Polizeimotorräder tauchten auf der Gegenspur auf. Ein motorradfahrender Polizist hielt uns schlussendlich auch zurück und murmelte etwas von „Vuelta Navarra“. Und siehe da, wir waren mitten in ein zumindest lokal bedeutendes Radrennen  geraten und standen just am Ende einer deutlichen Bergwertung. Haufenweise Helden in buntem Lycra hasteten vorbei nebst Tross aus Begleitfahrzeugen. Die recht große Anzahl an Radlern wies auf eine nicht unbedeutetende Veranstaltung hin.


Darüberhinaus findet in unserem Übernachtungsort morgen ein Mountainbikerennen statt. Im Restaurant, in dem wir eben verköstigt wurden, saß ein ganzes Paket sowohl von Mountainbikern als auch von den bunten Rennradhelden des Nachmittags. Darunter offensichtlich sogar der Gewinner der ersten Etappe. Was für eine Radlerparty!

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