Im letzten Gebirge

Jaurriete – Elizondo 88 km

Ups, das Wetter hatte sich grundlegend geändert. Am Vorabend gab es einen kräftigen Gewittersturm und danach war das Sommerwetter zunächst passé. Das merkten wir heute morgen, als wir bei etwa 10° losfuhren. 

Einsam ging es in unserem Übernachtungsort so gar nicht zu. Haufenweise Youngsters mit bunten Lycraklamotten und coolen Mountainbikes strömten ins Dorf ein. Hier fand heute ein MTB-Rennen statt und offensichtlich startete morgens zuerst die Jugend. 

Dann aber weiter über ruhige Straßen. Immer ein wenig auf und ab heute, mal mit deutlicherem Hügel, mal mit weniger Bergauf.Ein gutes Stück des Weges führen wir auf der N135, die von Roncesvalles nach Zubiri führt. Genau hier entlang führt auch die populärste Route des Jakobswegs, was wir nicht nur an den zahlreichen übergroßen Markierungen feststellen konnten. Auch mehr oder weniger pilgernde Wandersleute waren haufenweise unterwegs. Es fühlte sich zum Teil schon ein bisschen wie Uferpromenade Samstag Nachmittag an.

Das „Aushängeschild“ einer Pilgererherberge


Auf dem Erro, einem der kleinen Pässchen des heutigen Tages, fand sich ein Kiosk, der nebst kräftespendendem Kaffee auch Bananen verkaufte. Die Pilgerer könnten hier Ihren Stempel abholen. Vielfältigste Nationen waren vertreten, ich plauderte hier ein wenig Schwedisch, dort ein wenig deutsch und gemeinsam plaudernd mit Graham fanden sich auch englischsprachige Pilgerer. 

Ein Schauer machte sich mit kräftigem Wind bemerkbar. Wir versuchten, ihm auf dem Downhill zu entkommen, was aber nur teilweise gelang. Zwar kräftig, aber zum Glück nur kurz erwischte es uns.

Nach Zubiri führte die Route wieder nordwärts. Ein letzter deutlicher Hügel stand im Weg, ein Pass, der gerade mal so nicht die 1000 m schafft. Zuerst führte eine sehr ruhige Straße zwar regnerisch aber wunderschön friedlich an einem Stausee entlang. Irgendwann zweigte ein noch ruhigeres Sträßchen ab und wie als hätte jemand einen Schalter umgelegt, kam plötzlich die Sonne raus und der blaueste Himmel, den man sich vorstellen kann, zum Vorschein. Sehr lauschig ging es durch das gemütliche Tal, in dem im Buchenwald der Bergbach munter plätscherte. Immerhin bescherte uns das regnerische Wetter eine angenehme akustische Untermalung.

Die letzten zwei Kilometer bis zur Passhöhe waren dann wohl die steilsten, die diese Tour gesehen hatten. So eben bekam ich das in meinem kleinsten Gang noch pedaliert, ohne dass mir der Puls explodierte. Aber was für ein lohnenswerter Aufstieg! Kurz vor der Passhöhe öffnete sich der Wald und tiefgrüne Berghügel türmten sich rechts und links vom Sträßchen vor dem immer noch tiefblauen Himmel auf. Das fühlte sich absolut nach hohem Gebirge an. Und ein kilometerweiter Blick auf die umliegenden Hügel begleitet von einem beständigen Dingeling der auf den Bergwiesen weidenden Tiere. Nicht nur Kühe, die Pferde hier tragen übrigens auch Glocken.

Am Puerto de Artesiaga, 984 m


Zum Schluss des Tages ein Monsterdownhill, der uns auf einer Strecke von 15 Kilometern fast 800 m tiefer brachte. Dauersteil, das hätte ich nicht wirklich hinaufkurbeln wollen. Der Zielort Elizondo ein sehr aufgeräumtes baskisches etwas größeres Dorf mit hübschen weiß verputzten Steinhäusern. 

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