Das Tal der Themse

25.5.2017

Üblicherweise beginnt eine Beschreibung der Erlebnisse ja mit den ersten des Tages. Die jedoch in diesem speziellen Fall mitten in der Nacht stattfanden und mit dem extrem geringen Charme unserer Londoner Unterkunft in engem Zusammenhang steht. Und letztendlich überhaupt nicht lustig waren, gut, dass alles am Ende problemlos ausging.

Mitten in der Nacht werde ich wach, nachdem ich trotz des maximalen Straßenlärms irgendwie zu Schlaf gekommen war. Ein duchdringendes Signal war zu hören. Hä? Ein Handy? Nee, muss irgend ein Alarm sein. Bestimmt eine alberne Übung. Aber so mitten in der Nacht? Momente später wird auch Swen wach. Auch er denkt zuerst an mein nervendes Handy, dessen Geräuschkulisse ich wohl nicht im Graf hätte. Aber dann riechen wir es beide: Rauch! Feueralarm! Hellwach werfen wir uns in ein paar Klamotten und grabschen ein wenig Zeug zusammen. Beim Öffnen unserer Tür wird es sichtbar: aus dem Zimmer gegenüber qualmt es heftig. Raus! Wir können noch eben unsere Räder aus dem Hausflur holen, bevor mit durchdringendem Alarmsignal die Feuerwehr um die Ecke kommt und ein paar Mann ins Gebäude rennen. Zum Glück bleibt der Brandherd in diesem Zimmer und nichts entzündete sich sonst noch. Eine Nachtischlampe billigsten China-Standards hatte ihren eigenen Schirm überhitzt, der sich dann entzündet hatte – offensichtlich waren unsere Nachbarn bei brennender Lampe eingeschlafen.

Zum Glück war also nichts schlimmeres passiert, außer dass die Bude erbärmlich stank und überall die schwarze Rußschwaden von der Feuerwehr verteilt worden waren. Da natürlich auch zu diesem Zeitpunkt keinerlei verantwortliches Personal greifbar oder gar anwesend war, blieb uns nichts anderes übrig, als in die so noch um einiges umkomfortablere Unterkunft zurück zu gehen und den Rest der Nacht irgendwie schlafend rumzubringen. Bei weit geöffnetem Fenster und somit gefühlt noch mehr Kreuzungslärm gelang es uns doch noch, ein paar Stunden zu schlafen, bis wir dann am frühen Morgen unseren Kram zusammenpackten und so schnell wie möglich das Weite suchten.

Das Weite war in diesem Fall eigentlich gar nicht so weit. Der Plan war, auf der Nationalen Radroute Nr. 4 bis nach Reading zu radeln, weitestgehend immer an der Themse entlang. Luftlinie waren es bis Reading 60 km, also gar kein Problem, oder? Kilometerangaben zur Radroute hatte ich allerdings keine, da ich nirgendwo eine Sustrans-Radkarte kaufen konnte am Vortag.

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Sehr schön und weitestgehend verkehrsfrei ging es dann wirklich fast immer an der Themse entlang. Zwei große Parks wurden durchquert, im ersten wurden wir von einer Herde recht entspannt wirkenden Rotwilds (Hirsche, Rehe?) ausgebremst, die gerade über die Straße latschte. Die anwesenden Touristen in ihrem Autos waren alle wild am Fotografieren.

Alles in allem eine wunderschöne Radroute. Bloß – Reading kam und kam nicht näher. Die Route ließ nämlich keine der Schlaufe der doch ziemlich weit hin und her mäandernden Themse aus. Gegen Abend hatten wir schon an die 90 km und es hätten immer noch 30 Meilen gefehlt.

Zum Glück hatte ich einen Plan B: an vielen Orten befindet sich ein Bahnhof und so überbrückten wir das letzte Stück von Maidenhead bis Reading einfach mit dem Zug. Naja, als ganz einfach stellte sich das Unterfangen dann doch nicht heraus. Es waren wohl vor unserem aktuell verkehrenden Zug einige Züge ausgefallen und der ganze Bahnhof inklusive aller betroffenen Gleise und Unterführungen war gestopft voll mit Menschen. Ein Wunder, dass wir mit unseren sperrigen Rädern in dem unvorstellbaren Strom entgegenkommender Menschen überhaupt in unseren Zug hinein kamen. Irgendwie funktionierte es und wenig später erreichten wir Reading.

Dort hatten wir ein Hotel gebucht, das natürlich auf einem deutlichen Hügel lag. England eben. Aber es lohnte sich, nach den Erfahrungen der letzten Nächte eine sehr angenehme Unterkunft.

Unterkunft: Hillingdon Prince Hotel, Reading

 

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