Am Avon

27.05.2017

Nein, Avon ist nicht nur der Name einer Kosmetikfirma mit zweifelhaften Vertriebsmethoden, es handelt sich auch um einen real existierenden Fluss. Nach einer schönen Übernachtung im traditionsreichen Hotel Swan direkt an besagtem Fluss gelegen hatte das Wetter durchaus englische Charakterzüge angenommen: der Himmel bedeckt, die Temperaturen nicht mehr an Südfrankreich erinnernd. Als wir losfahren wollten, fing es sogar an zu regnen. Wir bepackten unsere Räder im Schutz der Sonnenschirme. Als wir fertig waren, war es der Schauer auch – kein Regenzeug notwendig.

Zunächst verlief die Route wieder am Kanal, also eine schöne Fortsetzung der gestrigen Etappe. Recht viele Menschen genossen das für die Einhemischen verlängerte Wochenende auf den bekannten bunten Booten oder zu Fuß oder per Rad neben dem Kanal. Aber alles friedlich und entspannt – kein Touristenrummel.

Wir überholten einen älteren, sportlich gekleideten Herrn auf einem Mountainbike, der von vier wuselnden Hunden verschiedenster Größe begleitet wurde. Als wir mal kurz rasteten, überholte die Mannschaft uns wieder. Wenig später fuhren wir wieder an ihnen vorbei und beim nächsten Fotostopp kamen sie schon bald wieder angehoppelt. Dann ergriff ich die Gelegenheit und fotografierte das illustre Team. Als der Bandenchef auf seinem Rad auf unserer Höhe war, fragte ich ihn, ob er ein Foto von sich und seine Freunden haben wollte, und wir kamen kurz ins Gespräch. Bikemike erzählte uns, dass er sehr glücklich sei, noch Fahrrad fahren zu können, weil er einen sehr schweren Unfall mit doppeltem Genickbruch überstanden hatte. Wir wünschten ihm weiterhin viel Glück und ab jetzt unfallfreies Radeln. Kurz darauf erreichten wir Bath.


Unglaubliche Besuchermassen versetzten uns unsanft in die touristische Realität. Wir hätten ja gerne die römischen Badruinen besichtigt, aber in die gefühlt kilometerlange Schlange wollten wir uns nicht wirklich einreihen. Dazu war der Himmel immer noch grau und unfreundlich. Nach einem Kaffee und einem kurzen Besuch in einem Buchladen, wo ich wieder keine Sustrans-Radkarten für Cornwall bekommen hatte, ergriffen wir schnell die Flucht.

Die letzte Teiletappe der Route nach Bristol verlief auf einer alten Bahnlinie. Diese sind ja immer verkehrsarm, meistens schön aber von der Oberfläche manchmal rauh und anstrengend. Nicht so der hier: super Asphalt vom Anfang bis Ende. Am Einstieg dieses Bahntrassenradweg trafen wir zwei Vertreter von Sustrans, der britischen Radlobby. Ich lobte sie für deren gute Arbeit auf NCN4 – unserer Route, der wir von London nach Bristol folgten. 

Der Radweg war toll, die Kaffeepause an einem alten, umgebauten Bahnhofsgebäude sehr nett und das Wetter entschloss sich auch wieder für die Variante Sommer. So erreichten wir gut beschildert und problemlos am frühen Nachmittag Bristol. 


Was auch wieder sehr quirlig weil wochenendbedingt sehr gut besucht war. Wir beschlossen, zunächst mal unser B&B aufzusuchen, um dann wieder ins urbane Leben einzutauchen. 

Dieses lag 6km vom Zentrum entfernt allerdings auf einem Hügel – gute 150 Höhenmeter. Wir fanden es ziemlich schnell und bezogen unser schönes Zimmer. Jetzt schnell duschen und dann ab ins Zentrum. Aber – die moderne Dusche, bei der man nur auf einen Knopf drücke musste, funktionierte nicht! Zum Glück waren hier echte Menschen als Ansprechpartner vorhanden, die allerdings auch keine wirkliche Lösung wussten und telefonisch weitere Menschen bestellten, die immer mal wieder verschiedene Knöpfe drückten oder auch nur telefonierten. Nach etwa einstündigem Hin und Her ging ich mal ins Bad. Und die Dusche funktionierte einfach. Plötzlich. Und wir konnten uns bald unter das Bristoler Volk in dieser durchaus schönen und abwechslungsreichen Stadt mischen.

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