Grenzlieger

Hof – Mödlareuth – Bad Steben – Kronach 80 km

Die erste Etappe, und sofort maximal ereignisreich. Aber der Reihe nach.

Das Hotel Burghof entließ uns angenehm nach einem guten Frühstück mit einwandfrei weichgekochten Ei und dazugeliefertem Eierschalensollbruchstellenverursacher. Diese Maschine mit der guillotineartigen Fallkugel eben.

Hof zeigte sich wenig fahrradfreundlich. Fahrradwege Fehlanzeige, dafür wurde ich einmal so knapp von einem schicken gelben Automobil überholt, dass mich der Ellenbogen des Beifahrers am Ohr getroffen hätte, wäre dieser entsprechend lässig auf der Kante des Beifahrerfensters aufgelegt gewesen.

Bald war doch der ruhige Radweg am Ufer der jungen Saale erreicht. Flußradwege gelten ja gemeinhin als bequem weil flach. Ich warne vor Flußradwegen an jungen Flüssen. Hier war das Tal so eng, dass er immer wieder den Hang hinaufführte. Dies sollte den Charakter des Tages einleiten.

Das erste Mal verließen wir allerdings absichtlich das Flusstal, um nach Mödlareuth zu fahren. Das Dorf kam zu zweifelhafter Berühmtheit, da die Grenze mitsamt ihren aufwendigem Bollwerk mitten durch das Dorf ging. nicht nur eine Dorfgemeinschft, sondern sogar Familien waren über 30 Jahre getrennt. Sogar rüberwinken war verboten. Ein kleiner Teil des Grenzbollwerks wurde zum Gedenken an diesen Wahnsinn erhalten und im Museum wurde ein Filmchen gezeigt, der diesen Riß gut nachempfinden ließ. Kurz vor Mödlareuth verlief die Radroute sogar einige km auf dem alten Kolonnenweg mit originalen schrecklichen Hopsebetonplatten. Das muss man nicht öfter haben.

Mödlareuth und die Autorin im Grenzwachturm

Zwei Kilometer weiter bekamen wir Spargel zu Mittag und ein Dach über dem Kopf, der uns vor dem ersten kräftigen Schauer des Tages schützte. Danach genossen wir eine rauschende Abfahrt hinunter zur Saale. Ab dort hätte ich die Route an der Saale selbst geplant, allerdings offensichtlich nicht asphaltiert.

Übelste Betonplatten allerdings auch hier. Genauer gesagt die Version mit Löchern drin, also ähnlich Rasengittersteinen. Ein mehr oder weniger gut fahrbarer Mittelstreifen mit zum Teil hohen Gras oder (schlimmer) Matsche. Zu allem Überfluss begann es wieder zu regnen. Nach steiler Betonplatten-Schiebepassage (auch das noch) suchten wir Schutz unter einem Wanderer-Unterstand. Wenigstens ein Dach über dem Kopf. Es schüttete.

Als der Regen wieder den Normalgang eingelegt hatte, setzten wir die Route fort. Allerdings obenrum. Das hieß nochmal ein gutes Stück steil steil steil rauf. Auf der Hochfläche geht die Topographie dann in ein gutmütiges Gewell über.

In Bad Steben kam die Sonne wieder raus und eine Eisdiele durfte natürlich nicht ignoriert werden. Das Regenzeug hatte zum Glück ausgedient und konnte weggepackt werden. Wir beschlossen, Kronach als Tagesziel anzuvisieren, weitere 30 km.

Grüne lichtdurchflutete Allee, ganz ruhig. So geht Radtour.

Es ging noch zweimal rauf, einmal lang und gutmütig und einmal nochmals völlig überflüssig fies steil. Aber dann! Einer der unglaublich schönen Momente in einem Tourenradlerleben. Ein schmales ruhiges Sträßchen durch lichtdurchfluteten Wald mit anfangs fulminanter Abfahrt, die kilometerlang einer Alpenpassabfahrt in nichts nachstand. Und auch als das Tal flacher wurde- Toller Asphalt, immer leicht bergab. Eine echte Belohnung für die Anstrengungen, die wir absolviert hatten. Und so waren die letzten 20 km auch ein leichtes Spiel.

Kronach entpuppte sich als Kleinod mit fast vollständig erhaltener mittelalterlichem Stadtkern, über allem trohnt wie eine Trutzburg die Festung Rosenberg. Wir kamen unter im im Gegensatz dazu schrecklich modernen Economy Hotel. Die Rezeption war komplett durch einen Touchscreen ersetzt. Ein Automatenmaul saugte meine Kreditkarte ein, ein zweites Maul spuckte eine Keycard für unser Zimmer aus. Nachdem wir es im Nebengebäude fanden, dürften wir aber sehr zufrieden sein. Frisch in weiß und orange mit 100% IKEA-Interieur. Und ein sehr schöner Ausblick auf den Stadtkern.

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