Rhön

Bad Königshofen – Heustreu – Fladungen – Dermbach 80 km

Beim Frühstück wurde im Stimmengewirr der zahlreich anwesenden Senioren klar, dass wir den Altersschnitt der Gäste wohl gesenkt hatten. In der Scheune waren nebst Motorrädern und unseren Wölfen auch eine Reihe Rollatoren geparkt.

Fahrzeuge aller Art dürften in der Scheune parken

Das Hotel Ebner entließ uns in strahlendem Sonnenschein. Der erste Abschnitt rollte sich wunderbar, offensichtlich eine ehemalige Bahnstrecke, die mit glattgewalztem Asphalt sogar Rennradler zufrieden stellen dürfte. Wir hatten wieder Gegenwind, das Grün war aber oft so dicht um den Weg, dass wir meistens gut geschützt Richtung Talausgang unterwegs waren. Die Fränkische Saale begleitete uns auf diesen ersten Kilometern.

Dann kam der Punkt, an dem wir den Richtungswechsel vollzogen. Also in etwa an der linken unteren Ecke von Thüringen, die nicht weit weg war. Ab jetzt sind wir mehr oder weniger in nördlicher Richtung unterwegs. So folgten wir ab jetzt dem Flüsschen Streu, zunächst die fränkische Rhön hinauf.

Im ersten Ort, in Heustreu, erwies sich das Zusammenkommen der Umstände plötzlicher Kaffeedurst und Vorhandensein eines netten Dorfladens mit einladender Bestuhlung (sogar mit Strandkorb vor dem Lädelchen) als günstig. Er warb mit dem Slogan „Wir haben nicht alles, aber alles, was Sie brauchen“, was ebenfalls für uns im Moment absolut stimmte. Kaffee und süße Stückchen ersetzten die bis dorthin weggestrampelten Frühstückskalorien.

Dann wieder auf zum Teil altem Bahndamm das Streutal hinauf. Teilweise jetzt mit munterem Rückenwind, wie schön. Dafür bewölkte sich der Himmel immer mehr, was allerdings einem Teil der Tourteilnehmer sehr zupass kam, da diese sich am Vortag deutlich rotglühende Hautpartien zugefügt hatten.

Das nächste Zwischenziel war Fladungen. Hier lockte ein Freilichtmuseum, das zu besichtigen zwei Stunden gedauert hätte und wir deswegen davon absahen. Im Ort selbst wieder ein schönes Ensemble prachtvoll restaurierter Fachwerkhäuser. Wir kehrten zunächst in das Museumsrestaurant ein, was schon sehr lohnenswert war, sowohl optisch als auch kulinarisch. Die Fachwerkhäuser kamen in der grau-bedeckten Beleuchtung hingegen nicht so gut zur Geltung.

Ein Teil des Freilichtmuseums in Fladungen

Gut gestärkt begaben wir uns weiter. Die Überschreitung des Rhön-Hauptkammes stand jetzt an. Ich hatte die Route sehr sorgfältig unter Vermeidung überflüssiger Höhenmeter geplant, allerdings hierfür auch Fahrwege miteinbezogen. Man weiß ja bei der Planung nie, wie die Realität aussieht. „Fahrweg“ kann ja vom hervorragend asphaltierten Radweg bis zum nahezu unfahrbaren Krümelschotterweg alles bedeuten. Es war eher die zweite Variante, aber gerade noch ohne Gebissverlust fahrbar. Ein Stückchen erwischten wir offensichtlich wieder den alten Grenz-Kolonnenweg mit seinen üblen Betonlochplatten. Nichtsdestotrotz gerade hier oben eine sehr schöne Gegend mit weiten grünen Hügeln und Dörfer, die sich pittoresk in die Senken kuscheln.

Dorf im Tal der fränkischen Saale

Und danach waren wir in Thüringen. In Kaltennordheim war auch noch sehr viel DDR-Erbe spürbar, leider der trostlosen Art. Der Name des Orts ist leider scheinbar Programm. Immerhin fanden wir eine Eisdiele, die auch noch genau so hieß. Diese hatte mit Sicherheit seit der Wende kein Design-Update erhalten, dafür gab es die Kugel Eis für 60 Cent.

Das Wetter wurde noch unfreundlicher, aber Google entdeckte im weitere 12 km entfernten Dermbach ein schick wirkendes Hotel. Noch ein wenig coolster Bahntrassenflow unterbrochen von ein wenig Schotterweggeschackere, aber bald erreichten wir Dermbach. Gerade rechtzeitig, die letzten fünf Minuten wurden wir doch noch nass. Jetzt sind wir im eleganten Hotel „Rhöner Botschaft“ und haben eben ganz edel zu Abend gespeist.

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