Alleen und Pflastersteine

Grafhorst – Beetzendorf – Salzwedel – Lüchow – Lübeln 83 km

Jetzt war komplett der Hochsommer ausgebrochen. Die Prognosen sprachen von Höchsttemperaturen von bis zu 33°. Wer will da nach Südfrankreich?

Schon bei den ersten Kilometern atmete der Tag die kommende Hitze. Glücklicherweise verliefen die ersten Kilometer schön schattig und naturnah durch den Drömling, einem Naturpark in der Altmark. Und zwar zunächst auf hervorragend neu gestaltetem Plattenweg, der sich sehr gut fuhr. So geht das, liebe Ostlandkreise, die ihr zum Teil uns Radlern immer noch heftigste Wege präsentiert.

Im Drömling. Ausnahmsweise mal ein richtig guter Fahrweg, nur für uns.

Auch als wir auf eine Landstraße einschwenkten, war diese immer noch schön von Alleebäumen beschattet. Und bemerkenswert verkehrsfrei. Höchstens alle paar Minuten mal ein motorisiertes Fahrzeug, schier unvorstellbaren unserem Land. Und es trällerte aus verschiedensten Vogelkehlen und die Frösche hielten stimmlich voll dagegen. Ein wahres Konzert.

In Beetzendorf rollten wir direkt am Freibad vorbei. Ein willkommener Anlass, uns abzukühlen und die Badesaison einzuleiten. Das Wasser im Becken war allerdings ziemlich lauwarm und die Dame am Kiosk mit den diversen Pommes- Frikadellen- und Eisbestellungen hoffnungslos überfordert. So warteten wir ewig auf unseren Mittagssnack, der dann auch nicht wirklich gut ausfiel.

Einigermaßen erfrischt setzten wir uns wieder auf die Straße. Die Alleen wurden allerdings seltener, und vor allem die bisher vorzüglichen verkehrsfreien Wege für Radler waren immer öfter Hoppelpflaster oder schrecklicher Schotter. Und dazu lief es auf den guten Sträßchen mit Rückenwind super, da empfindet man solch schlechte Oberflächen als doppelte Ausbremsung.

So suchten wir Asphalt. Was uns einige Kilometer in die Realität deutscher Bundesstraßen führte, die wir gerne dann auch wieder verließen.

Wir erreichten zur besten Kaffeezeit Salzwedel. Auch das wieder ein sehr hübsches Städtchen. Und da man sich ja sonst nichts gönnt, gab es hier zuerst ein Eis und dann noch im traditionsreichen Café Krug Torte und Kaffee.

Café Kruse in Salzwedel. Erste Adresse nicht nur für Baumkuchen.

Noch ein Stückchen, dann hätten wir Lüchow erreicht. Waren wir heute fast den ganzen Tag in Sachsen-Anhalt unterwegs gewesen, hatten wir hier wieder einen Grenzübertritt. Aber Lüchow empfing uns sehr unfreundlich. Laut, verkehrsverseucht, die Druchgangsstreaße staubig und unattraktiv und immer noch schrecklich warm. So suchten wir eine Übernachtung, die ein bisschen außerhalb lag.

Und wir entdeckten eine so schöne Alternative, die wir uns nicht im Traum hätten vorstellen können. 5 km westlich von Lüchow liegt das Dorf Lübeln, ein sehr gut erhaltenes Rundlingsdorf. Und eben auch deswegen erhalten, weil hier alles in Gastronomie und Museum umgewandelt wurde, daher natürlich kein ursprüngliches Dorfleben mehr (was es so sowieso nicht mehr gibt, offensichtlich), sondern ein richtiges Freilichtmuseum. Schöne alte Klinker-Fachwerkbauten, die hier völlig von der Natur umgeben sind. Unser Hotelzimmer hat direkten Zugang zum Außenbereich, wo jetzt noch ein ähnliches Naturkonzert wie heute früh gegeben wird. Kein Netz und kein WLAN, aber wunderschön!

Im Rundlingsdorf Lübeln

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