Uferpromenade

Travemünde 4.6. – 7.6.2019

Wir waren im Hotel Deutscher Kaiser untergekommen. Direkt an der Uferpromenade. Die ist in Travemünde hervorragend, und mit Uferpromenaden kennen wir Friedrichshafener uns aus. Kleine Geschäfte oft noch in lokaler Eigentümerschaft, angenehme Gastronomie für jeden Geschmack. Nichts überteuert, uns kamen die Preise sehr vertraut vor. Mehr Fisch war auf den Speisekarten zu finden als in unseren heimatlichen Gefilden, und zwar nicht nur Süßwasserfisch. Wen wundert’s.

Direkt vor dem Hoteleingang lag das Restaurant Traveblick im Wasser. Es handelte sich um eine ungewöhnliche Über-Eck-Kombination von zwei ausrangierten Schiffsrümpfen. Normalerweise schlägt bei solchen Angeboten bei mir der Touristenalarm an, aber ein Blick auf die Karte verhieß weder Nepp noch Mikrowellenstandard.

Und so war das nette Restaurant mit Aussicht auf die Trave mit ihren mächtigen ein- und auslaufenden Pötten eine wirklich gute Wahl. Pfiffige Fischgerichte frisch zubereitet zu fairen Preisen. Wir wählten es am zweiten Abend gleich nochmal.

Der nächste Tag begann mit einer Überraschung. Morgens um sieben lief wieder einmal einer der großen Pötte ein. Das Gewummere der Schiffsdiesel wurde aber ungewöhnlicherweise nicht wieder leiser wie bei allen ander n Schiffen, die sich ordnungsgemäß an ihre Landungskais verzogen. Nein, der blieb. Und wummerte weiter. Und blies unselig wirkende schwarze Schwaden in die Luft. Direkt in der Mitte der Promenade.

Kreuzfahrtpott direkt an der Uferpromenade. Nicht schön.

Das Frühstückspersonal im Hotel klärte uns auf. Ein Kreuzfahrtschiff hatte angelegt, verwöhnte gelangweilte Kreuzfahrttouristen auf das Städtchen ausgeschüttet und würde dort den ganzen Tag liegen. Und damit die verbliebenen an Bord weiterhin die Spaß- und Komfortmaschinerie nutzen konnten, mussten die Maschinen eben weiterlaufen. Ganz Travemünde hatte etwas davon. An etwa 16 Tagen im Jahr müssen die Anwesenden das aushalten.

Wir verzogen uns an den Strand nach Priwall. Das ist der letzte westliche Außenposten auf Schleswig-Holsteinischer Seite und somit im „Westen“. Der Unterschied ist von weitem zu erkennen. Auch hier wurde grenznahes Gebiet konsequent entvölkert, deswegen ist auch ganz plötzlich keinerlei Bebauung mehr zu sehen, sondern nur bewaldete Küste. Andererseits konnte sich eine wirklich reichhaltige Natur entwickeln.

Auf Travemünder Seite hingegen dominiert das Hotel Maritim. Wie eine Provokation muss diese 36-stöckige Hotelburg beim Bau in den 70ern auf die Ostzone gewirkt haben. Auch heute schmerzt dieses Dings beim Anblick in den Augen.

Am Strand war es wie es eben am Strand so ist. Wir mieteten einen Strandkorb, trotzdem war es sehr windig oder sehr sonnig. Das Wasser war nur für bis zu den Knien warm genug.

Strand in Travemünde.

Wir snackten in Jutta’s Eck. Seit 41 Jahren der letzte Imbiss vor der Landesgrenze, von mehreren Generationen betrieben, und seit 41 Jahren mit Apostroph. Ein warmherziges Gedicht zum 25. Jubiläum offensichtlich von den Stammgästen verfasst war liebevoll eingerahmt und hing neben der Pommesausgabe.

Der zweite Tag verhieß Gewitterlage. Wir nutzten den Vormittag, um die Küste in nördlicher Richtung zu erkunden. Hier befindet sich ein Stück Steilküste und ein schönes Stück Natur dahinter. Ein aussichtsreicher Fuß- und Radweg führt oft ganz knapp an der Kante entlang. Fast so gut wie der Königsstuhl oder Möns Klint, nur nicht ganz so hoch und nicht ganz so weiß.

Schöne Steilküste nördlich von Travemünde.

Wir setzen unsere Erkundungsfahrt bis zum mondänen Timmendorfer Strand fort. Lauter Edelbuden, man spricht auch vom Ostsee-Sylt. Ich muss auch das in der Nordsee nicht haben.

Die Rückfahrt wurde dann sehr nass. Es schüttete mal wieder, und zwar so richtig mit Rumpel und Blitz. Das meiste erlebten wir mit spontan verfügbaren Unterstandmöglichkeiten, einmal in der Parfümerie, die zweite Schüttung beim Fischbrötchenimbiss, dessen warme Friteusen für den Moment angenehme Wärme aus der Ausgabe heraus spendeten.

Auch dieser Regen ging vorbei und wir erreichten mit etwas Landpartie wieder Travemünde.

Ich empfand Travemünde als recht angenehmen Ort. Gerade so touristisch genug, dass eine wohltuende Infrastruktur entstehen konnte, nicht so überkanditelt wie manch anderer Küstenort und nicht übervoll. Eine schöne kleine Altstadt gruppiert sich um das Kirchlein, das mit dünnem blechernem Glockenklang die Stunde verkündet. Die Promenade ebenfalls angenehm. Kann man schon mal hinfahren, nach Travemünde.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s