Wie es so war

Route

Unsere Route folgte grob dem Grenzverlauf der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Wir wählten bewusst eine eigene Route, die schon mal ca, 500 km weniger Strecke gegenüber des offiziell ausgeschilderten Iron Curtain Trail bzw. Grünes Band, dessen Route viel exakter der Grenze folgt, aufwies. Neben der Abkürzung war unsere Route auch um einiges höhenmeteroptimiert. Die ehemalige Grenzziehung war nicht wirklich an den Bedürfnissen zukünftiger Fahrradtouristen ohne E-Unterstützung ausgerichtet. Wir wollten auf dr anderen Seite auf jeden Fall an die Ostsee, was ja gelang.

Original-Grenzradweg, einer der üblen Original-Kolonnenweg-Abschnitte. Steil und sehr holprig.

Die Richtung bedeute dann allerdings auch trotz Optimierung zu Beginn viel Steigung und auch immer wieder recht steile Rämpchen. Wenn man auf Tour selbst etwas Eingewöhnung möchte, empfiehlt sich wohl doch eher die umgekehrte Richtung. Man fährt dann zwar insgesamt „bergauf „, was aber bei den einigen Hügeln, die zu überwinden sind, kaum ins Gewicht fällt.

Wir waren aber überwiegend auf ausgeschilderten Radrouten und ausgewiesenen Radwegen. Selten mal eine Land- oder Kreisstraße, Bundesstraße nur im Ausnahmefall und nur ein einziges kurzes Mal ohne, da hatten wir uns aber spontan dafür entschieden, weil die nichtasphaltierten Wege in dieser Gegend furchtbar schlecht waren. Es gibt aber inzwischen fast überall in Deutschland sehr gute ausgeschilderte Fahrradrouten. Ohne vorherige Routenplanung würde ich e8ne so lange Tour dennoch nicht angehen.

Landschaft

Deutschland ist ein wunderschönes Land. Vielfältige Mittelgebirgsgegenden mit bewaldeten Hügeln und grünen Auen, abwechslungsreiches Agrarland mit pittoresk verschlafenen Dörfchen. Artenvielfalt allerdings oft bloß noch auf den Randstreifen, im Osten aber viele ursprünglich wirkende Waldgebiete, bei denen man feststellen kann, dass in unserem Land wohl eher Laubwald heimisch ist. Der Klatschmohn blüht überall im Land, oft sehr hübsch gepaart mit Kornblumenblau. Wer muss da noch in die Provence?

Wir fanden viele schöne Wege.

Die schönsten Routenabschnitte erlebten wir im Saaletal zu Beginn der Tour, besonders die Abfahrt von Bad Steben nach Kronach war wunderschön. Die Rhön hat uns sehr gut gefallen und ist sicherlich noch einen zweiten Besuch wert. Im Norden war die Fahrt durch die Altmark und insbesondere durch den Drömling traumhaft grün und ruhig. Der Elbe-Lübeck-Kanal ist ebenfalls sehr schön, wurde aber auf die Länge etwas eintönig. Es war aber nirgendwo öde, hässlich oder entfernt unerträglich, wir genossen jeden Tag der Tour.

Orte

Kronach war die erste Entdeckung der Tour. Komplett erhaltenes Mittelalter auf einem Hügel gelegen und eine mächtige Burg, die über dem Städtchen wacht. Coburg hat eine sehenswerte Innenstadt mit beeindruckenden altehrwürdigen Gebäuden. Und man kam mit dem Rad gut hinein und gut wieder hinaus, ohne vom Laster überfahren zu werden. In Fladungen in der Rhön waren wir zu kurz: das Freilichtmuseum ist sicher einen Besuch wert und der Ort selbst auch ansehnlich.

Allendorf. Ultimativ pittoresk.

Das nächste absolute Highlight war Allendorf. So viel Fachwerk. Wüstheuterode gewann die Wertung um den bemerkenswertesten Ortsnamen. Neben der Bergwertung, die zur Erreichung dieses Orts zu absolvieren war.

Ganz ähnlich Wernigerode: viel erhaltenes Fachwerk und für eine Kleinstadt im ehemaligen Osten auch wohltuend lebhaft.

Unterkünfte

Oberster Favorit war Lübeln mit seinem hervorragend erhaltenen Rundlingsdorf. Hier stimmte natürlich auch das Wetter, sodass wir diese Atmosphäre im Freien genießen konnte. Zweifelsfrei das beste Hotel war das in Wernigerode, man bekam wirklich etwas für die drei Euro mehr. Und sogar das Personal war sehr persönlich und freundlich, sonst ist die Abfertigung in solchen Kettenhotels eher Schema F. Total nett waren auch die Betreiber im Hotel Krüger in Grafhorst. Diese hatten auch einen erfrischend neuen und damit modernen Hotelbau zu ihrem Bestand hinzugefügt und wir bekamen das schönste Zimmer. Einfach so.

Biergarten des Hotels Ebner in Bad Königshofen. Und hatte exklusiv für die Hausgäste Speis und Trank im Angebot.

Unterschiede

Wenn man entlang der ehemaligen Grenze unterwegs ist, schaut man natürlich genau hin, ob nach 30 Jahren noch Unterschiede zwischen Ost und West erkennbar sind. Ja, es gibt sie noch oder die Dinge haben sich auch in dreißig Jahren nicht wie gewünscht entwickelt.

An den Wegen merkte man oft, dass man in Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern unterwegs war. Nichtsdestotrotz muss man staunend feststellen, wieviel der Pflasterstraßen inzwischen durch guten Asphalt ersetzt wurden. Das Geholpere hielt sich in Grenzen.

Den Orten sieht man ihre jeweilige Vergangenheit auch noch gut an. So hat jeder Ort im Osten, so klein er auch war, seinen Wohnblock. Viel grauer Mörtelputz ist aber auch nicht mehr zu sehen. Die meisten Gebäude leuchteten in frischen Farben.

Andererseits wurden die grenznahen Gebiete ja konsequent entvölkert, und das ist sehr gut auch heute noch spürbar. Gerade in der Nähe der großen Städte Braunschweig und Wolfsburg ist der Westen voll, verkehrsverseucht und hektisch, wohingegen sich über der Grenze viel Natur erhalten konnte und in den letzten 30 Jahren noch üppiger werden konnte.

Trauriges

Schlimm ist der Zustand vieler Dörfer, sowohl hüben als auch drüben. Wenn keine Bundesstraße durchgeht, sterben die Orte. Nicht mal mehr Gasthäuser können sich erhalten, in erschreckend vielen kleinen Orten war nur noch Schlafstadt mit Vorgärten. Und Carports, versteht sich.

Auch die kleineren Städtchen bluten offensichtlich mehr und mehr aus. Läden stehen leer, in den hübschen Fußgängerzonen kaum Menschen. Das passiert sowohl hüben als auch drüben, wobei das Phänomen im Osten gefühlt noch etwas deutlicher zutage tritt.

Erfreuliches

Deutschland ist ein großartiges Radreiseland. Sehenswerte Natur, schöne Orte und überall freundliche Menschen, die den Radler mit Bett, Speise und Radler versorgen.

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2 Gedanken zu „Wie es so war

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