Nach Amsterdam

Die Reise begann wie üblich mit der Anreise. Diese fand wieder mit der Bahn statt, die Fahrradplätze im ICE waren schon lange gebucht. Was auch alles sehr gut klappte, die ganze Fahrt war sogar unproblematisch und sogar unspektakulär. Der größte Aufreger war der Kaffee im Ulmer Bahnhof: in der „Back-Factory“ (was für ein übles Denglisch), in der es nicht einmal mehr Stehtische gab und folglich das Konzept „ToGo“ völlig umgesetzt war, zogen wir uns einen Pappbecherkaffee. Die schreckliche Plörre hatte außer der Farbe mit Kaffee wenig gemein.

Kurz vor Amsterdam dann ein kurzer Moment der Pulserhöhung. Der Zugebegleiter sprach uns zuerst auf Holländisch an, er war offensichtlich nicht einverstanden mit der Anwesenheit unserer Fietsen. Zur Rush-Hour sind die wohl im niederländischen IC nicht gestattet. Unsere internationalen Fahrradkarten bewahrten sie jedoch wirksam vor dem Rausschmiss auf offener Strecke und wir erreichtem Amsterdam planmäßig.

Der erste Eindruck war wie üblich: heftiger Verkehr auf dem Vorplatz. Aber nicht, wie in den meisten europäischen Großstädten üblich mit Automobilen, Bussen und Straßenbahnen – nein: Fahrräder ohne Ende. Durchmischt von Mofarollern. Wir mussten zunächst ein wenig inne halten, um das zu verdauen: ein einziges Gequirl und Gewusel von Zweirädern, die teilweise aufs engste aneinander vorbeirauschten. Großstadtverkehr von der hektischsten Sorte, aber weitgehend laut- und gestanklos. Wahnsinn.

Wo man hinschaut, Fahrräder. Sowohl der ruhende als auch der stehende Verkehr.

Noch besser war der Eindruck allerdings, als wir uns selbst todesmutig mit unseren Liegen in dieses höchst anarchische System hinein stürzten. Wenn man anhält, hat man verloren. Kalkutta downtown auf Hollandrädern. Und die gräßlichen Mopeds zwischendrin. Gute Erziehung kann man hier zuhause vergessen, es gilt, mitzuschwimmen.

Der Holländer ist ja nach wie vor auf dem Modell Hollandrad unterwegs. Nabenschaltung, breiter Lenker und komplett aufrechte Sitzposition. Ganz Europa ergießt sich inzwischen in elektrifiziertem Mountainbike-Schickimicki, dem Holländer ist das egal, er bietet wie eh und je dem Wind aufrecht und rein biobetrieben die Stirn. Und übrigens alle ohne Helm.

Am Singel fanden wir eine Lücke am Geländer, um unsere Räder anzuschließen und ein nettes Restaurant gleich daneben. In der Sonne konnten wir an der viel befahrenen Straße ein schönes Abendmahl genießen. Völlig lautlos und sehr angenehm, weil ja nur Fahrräder.

Wölfe an der Gracht

Durch Vondel- und Rembrandtpark ging die Fahrt dann ganz angenehm bis zum Hotel im Nordwesten der Stadt. Der Geruch nach Dope an jeder Ecke begleitete uns. Gut gelaunt erreichten wir schlussendlich unser Hotel.

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