Zweimal oben, zweimal unten

Friedrichshafen – Taldorf – Ostrach – Mengen – Billafingen – Feldhausen – Laucherttal – Mössingen – Tübingen 131 km

Seltsam, so wie immer von zu Hause vom Hof zu rollen aber mit einem so völlig viel weiter weg liegenden Ziel als sonst. Man fährt seine normalen Wege durch die Stadt, sieht die wenigen Kilometer auf dem Fahrradcomputer und dennoch ist das ein kleiner Anfang der gesamten Route einer langen Tour. 609 km (behauptet BRouter) führen mich nach Bochum, wo ich Swen am Bahnhof einsammle und wir danach ins Münsterland fahren. Dort werden wir eine Woch stationär in einem Ferienhäuschen wohnen und von dort viele Runden durch das Fahrrad – Eldorado unternehmen.

Noch Bodensee-Hinterland-Kälber. Sie waren ganz neugierig, als ich über meine Navi-App fluchte.

Kurz noch in Friedrichshafen bei besten Freunden vorbei geschaut. Sie gaben mir beste Wünsche mit auf den Weg – so startet es sich gleich noch beschwingter. Und so ging ich die ersten Anhöhen an. Nördlich des Sees muss man erst mal hinauf. Keine extremen Bergwertungen, aber stetig steigt das Land an und wellt sich immerhin auf 250 m über der Seehöhe hinauf. Nach Taldorf zeigt das Hinterland zum ersten Mal seine Steigungszähne. Gelassen kurbelte ich im kleinen Gang alle Rämpchen hinauf, die immer mal wieder den Radler hinauf ziehen.

Schon zu Beginn ein Ärgernis: die Technik zickte. Meine Navigations-App stellte sich immer wieder selbsttätig schlafend. Also an jeder Kreuzung Display an, Navigation wieder aufwecken und nach einem Moment weiss ich dann wieder, ob ich noch richtig bin. Ärgerlich, das hat seit Jahren immer gut funktioniert.

Meine Route erwies sich allerdings oft als landstraßenlastig. Nicht entsetzlich viel Verkehr, aber durchaus zum Teil gut befahren, vor allem mit einem deutlichen Anteil Schwerverkehr. So suchte ich nach Fahrradwegweisern – die auf Landstraßen natürlich auch eher selten sind, die Routen sind ja meistens abseits – und ein Stückchen vor Ostrach war ein Abzweig mit einem freundlichen Familienpapa, der mir bestätigte, dass der Abzweig richtig war.

Bis Mengen fuhr ich dann auf der gut ausgebauten und ausgeschilderten Radroute. Vor zwei Jahren waren wir schon mal hier gefahren, als wir einen Ausflug ins Donautal unternahmen. Und an derselben Waldkreuzung wie vor zwei Jahren legte ich einen Boxenstopp ein.

In Mengen dann war das Donautal erreicht. Das erste Mal obendrüber, das erste mal wieder unten. Kurz vor Mengen zur allerbesten Mittagspausenzeit bot mit der Ferienhof Neher ein perfektes Bänkchen mit Getränkeautomat und neugieriger Katze. Sie bekam natürlich ein paar Häppchen Schinken ab. Die Sonne schien und das erste Mal am Tag war es schön warm geworden.

Freundlicher Mitesser. Es roch so gut nach Schinkenbrot.

Dann drohte das zweite obendrüber. Aus dem Donautal hinaus war die Schwäbische Alb dran. Auch das nicht wirklich alpin, aber durchaus merklich und herausfordernder als der erste Wall. Dazu noch die freundliche Sonne, die aber in Verbindung mit den Steigungsprozenten den Schweiß fließen und den Kopf rot werden ließ. Billafingen war meine heutige Alp d‘Huez. Bis Inneringen ging es noch etwas weiter hinauf, aber dann war man auch sichtbar „wieder oben“.

So eine einsame Weite hier oben. Selbst die Landstraßen waren ganz dünn befahren. In weiten Anhöhen hügelt sich das Land dahin. Hin und wieder tritt ein wenig Fels zum Vorschein in dem grünen Mix aus Wald, Wiesen, Äckern und ruhigen Dörfern. Vögel sieht man fast mehr als Menschen – viele Störche, die über die Wiese stolzieren und nach Beute für den Nachwuchs jagten. Falken, Bussarde (einer hatte direkt neben dem Weg eine Maus erbeutet), Milane. Und Reiher. Aber die haben wir am Bodensee ja auch reichlich. Klatschmohn und Kornblumen, manchmal ganze Felder voll. Man muss offensichtlich nicht mehr in die Provence dafür.

Der Kilometerzähler ging Richtung 100. Die Route führte mich jetzt durch das Laucherttal. Landschaft und Wege, wie man sie zum Radfahren ideal findet. Wunderschön.

Dann stand Talheim auf dem Plan. Der Name schien Programm zu sein und ich wechselte zum hinunter fahren auf die durchaus recht lebhafte Landstraße. Der meiste Verkehr zum Glück in die Gegenrichtung, außerdem war in dem kurvigen Stück sowieso nur 60 km/h erlaubt, die ich durchaus auch selbst erreichte. Ein furioser Downhill!

An der Neckarbrücke mit der millionenfach fotografierten bekannten pittoresken Häuserzeile. Ist ja auch schön.

Bis Tübingen ging es dann immer noch leicht bergab. Das letzte Stück verlief also trotz leichten Gegenwinds im Flow. Um kurz nach 17:00 war dann die Neckarbrücke erreicht. Wahnsinn, wohin man mit dem Fahrrad einfach so fahren kann, wenn man einen Tag lang dran bleibt!

Zum Hotel musste ich den Schlossberg noch einmal hinauf, was ich aber zu Fuß erledigte – das meiste war sowieso Fußgängerzone. Ein schönes Hotel, was malerisch über der Altstadt thront. Und eine herrliche Ruhe, und das in einer großen Stadt wie Tübingen.

So ein schönes Hotel.
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