Durchgehalten

Tübingen – Herrenberg – Gärtringen – Weil der Stadt – Pforzheim – Walzbachtal – Germersheim 132 km

Die Prognosen verhießen Niederschlag. Noch im Bett morgens hörte ich es schon leise tröpfeln. Der Blick nach draußen: nasses Pflaster, Rinnsale aus den Dachrinnen. Hatten die Prognosen also recht gehabt.

Feuchte Aussicht auf die Hotelterasse und Tübingens Altstadtdächer

Frohen Mutes jedoch staffierte ich mich und das Gepäck wasserdicht aus. Duschhauben in Hotels sind so was praktisches. Damit überzogen konnte ich sogar das Handy im Cockpit hören und bedienen. Die zweite Duschhaube des Zimmers wurde über den Helm gezogen. So raschelte ich zwar ganz gut im Wind, blieb aber recht trocken.

Dermaßen ausstaffiert verließ ich Tübingen. Schon in Tübingen war Herrenberg ausgeschildert, also kein Problem, diese schöne Stadt zu verlassen. Die mit hervorragender Fahrradinfrastruktur ausgestattet ist – sogar ein Fahrradtunnel lag auf meiner Route. Dort regnete es nicht mal.

Fahrradtunnel. Cool. Davor ein Zähler – ich war die Nr. 371 am heutigen Tag

Herrenberg hat ja den „Berg“ im Namen. Auch das wiederum nicht ohne Grund. Wieder keinerlei alpine Anmutungen ging es doch stetig bergauf. Immer recht flach und kaum sichtbar, sodass man sich eher fragte, warum die angezeigte Geschwindigkeit so gering war. Nur vor Aldingen war mal kurzes steiles Auf und Ab, bevor der Weg wieder gemächlich an Höhe gewann.

Zum Glück regnete es diese erste Zeit nur wenig. So richtig nass wurde man nicht. Ungemütlich war es trotzdem, und Herrenberg so hübsch, dass Ross und Reiter hier die erste Pause genossen. Bei einem großartigen Bäcker, der noch wahres Handwerk verkauft. Bin ich ja beim Richtigen gelandet – die Brötchen heute früh waren wieder gewohnte schreckliche Massenware.

Da war ich doch tatsächlich bei einem richtig guten Bäcker gelandet.

Es regnete aber weiter. Die Vorhersagen, wann es aufhören solle, verschoben sich Stunde um Stunde. Nun gut, das klamme Regenzeug wieder an und weiter. Bei Gärtringen war die „Passhöhe“ des Tages erreicht. Nun ging es bergab fließend Richtung Würmtal. Dafür schüttete es jetzt mal so richtig und der Radweg war eine matschige Holperpiste. Dankeschön. Der arme Wolf war völlig Schlammbäder nach dieser Passsage.

Das Würmtal erreichte ich dann in Weil der Stadt. Auch das wieder ein schönes Städtchen. Es regnete allerdings immer noch, die Begeisterung hier sich in stark umrissenen Grenzen.


Weil der Stadt. Ausblick vom Edeka. Immer noch nass.

Der dortige Edeka wurde erneut zum Lüften der Regenkleidung und zur Nahrungsaufnahme genutzt. Die klammen Finger konnte ich mir an einer Tasse grünen Tees wärmen. Wie war das noch mal mit Sommer?

Es hatte jetzt immerhin fast aufgehört. Nur noch feinste Spritzerchen fielen vom Himmel, aber immer noch mit einer Konsequenz, dass das Regenzeug doch noch mal zum Einsatz kam. Jetzt noch klammer. Dafür beschloss ich jetzt, auf der Landstraße gen Pforzheim zu fahren. Und diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Es gibt tatsächlich in Deutschland noch Landstraßen, auf denen so wenig los ist, dass man sie radelnderweise genießen kann. Im Dauerflow rollte ich durch das schöne Tal über 20 km nach Pforzheim. Da muss man nochmal herkommen.

Pforzheim empfing mich mit dichtem Verkehr, schlechten Radwegen und dem unverwechselbaren ergrauten 50er-Jahre-Charme der im Krieg völlig zerstörten Stadt. Dafür hatte es tatsächlich aufgehört zu regnen. Irgendwo in der Innenstadt gab es eine dieser modernen Einkaufspassagen, die überall gleich aussehen – dort standen Stühle eines Cafés draußen – bestellte ich mir ein alkoholfreies Pausenbier. Die Etappenplanung musste jetzt mal vollendet werden. Stirnrunzelnd stellte ich fest, dass es biss Germersheim noch ca. 50 km sein mussten. Egal, ich buchte dort im Hotel „Kleine Festung“, irgendwie würde ich schon dorthin kommen.

Also nicht lange fackeln, Bier hineingestürzt und los ging es wieder. In Pforzheim erstmal auf steilen Rampen aus dem Tal hinaus. So steil, dass man manchmal das Gefühl hatte, hintenüber zu kippen. Muss das sein? Dann aber viel leicht bergab Richtung Rhein. Nur noch vor Walzbachtal (das „Tal“ im Namen war hier eher Etikettenschwindel) stellte sich mir ein Kraichgauhügel in den Weg und in Weingarten ein kurzer, aber auch wieder megasteiler Landschaftspickel. Radwegplaner, was macht ihr hier?

Der Rhein bei Germersheim. Finally!

Dann aber war es erreicht, das Rheintal. Hier nur noch easy cycling, es ging voran. Und tatsächlich erreichte ich gegen 18:30 die Rheinbrücke, von der das Hotel nur noch einen kurzen Abzweig entfernt war. Kein Abendspaziergang heute, aber in Germersheim schien sowieso nicht so der Bär zu tanzen. Ein sehr angenehmes Hotel fand ich allerdings auch hier wieder vor. Ein letztlich gelungener Tag.

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