Kontraste

Germersheim – Flomersheim -Worms – Gau-Odernheim – Gau-Bickelheim – Bingen 131 km

Der erste Blick aus dem Fenster zeigte einen gleichmäßig grauen Himmel, aber es war trocken. Immerhin. Auch hier war wieder eine himmlische Ruhe in der Nacht gewesen, mein Zimmer ging zum Hinterhof hinaus, in dem auch der Wolf übernachten durfte. Nach einem tollen Frühstück mit Müsli und Nicht-Kuh-Milch war ich bald wieder on the road again.

Ein Großteil der heutigen Etappe versprach komplett flach zu verlaufen. Aber flach bedeutet halt auch immer Wind. Und der war tatsächlich in meinem Fall deutlich und gegen mich. Wäre ja auch zu einfach sonst.

Die ersten Kilometer führten mich durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Hier werden die berühmten Pfälzer Kartoffeln angebaut, und noch vieles mehr. Erntehelfer waren bei der Kohlernte zu sehen.

Flaches Bauernland.

In Flomersheim gönnte ich mir die erste Kaffeepause nach gut 40 Kilometern. Vorher gab es auch nichts in den typischen Pfälzer Orten – Häuser rechts und links der Dorfstraßen, die ihre Giebel wie auf einer Schnur aufgereiht in beige, grau oder altrosa zeigen. Außer dem obligatorischen Dorf-Döner, den es tatsächlich fast immer gibt, ist sonst nicht mehr viel Leben in diesen Orten. Nicht mal Bäckereien, die dem Radwanderer einen Kaffee bieten könnten, gab es über eine lange Strecke.

Danach folgten die bisher unangenehmsten Kilometer auf dieser Tour. Schlechte baumwurzelbehaftete Rüttelpisten als Fahrradwege, unschöne Industriebauten allenthalben und schrecklich viel Verkehr auf den Straßen. Dazu Gegenwind und kurz vor Worms fing es auch noch an zu regnen. Vom Feinsten. Zum Glück gibt es diese Abschnitte meist selten auf Fahrradtouren.

In Worms fand ich eine nette Lokalität – eigentlich ein Spezialitätenladen, der aber auch Mittagsbuffet anbot. In Coronazeiten wurde mir der Teller von der freundlichen Dame dort gefüllt, was dem Genuss nicht schadete. Dann noch kurz den Dom umkurvt und weiter ging es in Richtung Rheinhessisches Weinland.

Hier war die Flachetappe zwar zunächst erst mal beendet – ordentlich spürbar ging es einige Anhöhen in den Weinbergen hinauf. Das Wetter wurde spürbar besser, zum Glück. Die Gegend aber ist wirklich schön, sanft gewellte Weinhänge, dazwischen pittoreske Dörfer, die ihre Kirchtürme weithin sichtbar in die Gegend strecken. Wohl so ein bisschen wie Toskana, obwohl ich dort noch nie war. Ich fuhr viel Landstraße, zum Teil wunderbar ruhig, zum Teil in Autobahnnähe sehr verkehrsverseucht.

Auf einer der Anhöhen. Rolling hills.

Gegen Nachmittag war aber wieder einmal Kaffeedurst mehr und mehr präsent. Wieder die gleich Problematik wie am Vormittag – nichts vorhanden in den Dörfern. In Gau-Bickelheim dann tauchte ein Dorfladen mit dem lustigen Namen Schweinothek links auf, der normalerweise Gastronomie betreibt. Der war in Coronazeiten jedoch auf ToGo-Kaffee reduziert, und ich durfte den auch nicht auf dem Hof trinken, sondern musste vor das Grundstück, und dort an der lauten Straße den Pappbecher leeren. Die Besitzerin war aber sehr nett, sie bedauerte die in diesem Fall etwas absurden Regelungen selbst.

Dann fehlten noch 20 km bis Bingen. Die verliefen auf schöner Radroute, bis zwischendrin offensichtlich mal ein Schild fehlte. Ich orientierte mich Richtung Nahetal und gewann noch einmal einen Hügel, über den ich drüber durfte. Nach fast 120 km hätte der nicht wirklich sein müssen.

Die Letten Kilometer verliefen aber am schönen Nahe-Radweg ruhig und schön und bald war wieder der Rhein erreicht. Direkt an der Ecke, wo die Nahe in den Rhein fließt, stand auch mein Hotel, ein großer nh-Kasten, also keine Sucherei nötig. Trotz großer, etwas unpersönlicher Hotelkette sehr angenehm, der Wolf darf nebst vielen anderen Rädern in der momentan stillgelegten Bar übernachten.

Da war er wieder, der Rhein. Sehr schöne Ecke!
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