Zu Besuch bei der Droste

Mörderetappen standen nicht mehr auf dem Plan. Im Gegenteil verhießen die Wetterprognosen unterschiedliche Verläufe unbeständigen Schauerwetters. Deswegen war der Plan, in der näheren Umgebung etwas Sehenswertes zu besuchen, um uns im Ernstfall in kurzer Dístanz zu unserem Feriendomizil zu befinden.

Die Burg Hülshoff ist hier gleich um die Ecke. Das schien also ein erstes lohnenswertes Ziel zu sein, zumal wir Bodensee-Anrainer ja eine besondere Beziehung zu Anette haben, verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre doch bei uns, auf der Meersburg. So besuchten wir ihre Jugendstätte – quasi als Gegenbesuch. Nach kurzer Fahrt über das schöne Land auf (schon) gewohnt guten Fahrradwegen erreichten wir das Wasserschloss.

Burg Hülshoff

Ein schönes Anwesen, die Droste-Hülshoffs hatten schon Generationen an diesem Platz verbracht und konnten sich auch schon vor vielen hundert Jahren offensichtlich „was leisten“. Ein großzügiger Park mit immensen einzelstehenden prächtigen Baumexemplaren lud uns zunächst zum Lustwandeln ein. Durchaus eine Alternative zum Kilometer kloppen.

Wo wir schon mal da waren, besichtigten wir auch die als kleines Museum eingerichteten Räume des Schlösschens. Per selbstverständlich frisch desinfiziertem Audioguide wird man von Raum zu Raum geführt, während man sich das Ding ans Ohr hält, auf dem man zuvor die Nummer an der Wand gewählt hat. Ich lese zwar in der Regel lieber (was hier nicht möglich war – keine Tafeln), aber der Eintritt war schon bezahlt.

Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Einführung in das Schlossleben und in das Leben der großen Dichterin, die es alles andere als leicht hatte. Als Frühgeburt hatte sie immer mit einer instabilen Gesundheit zu kämpfen, kurzsichtig war sie wohl auch. Verheiratet war sie nie, was wohl auch viel mit ihrer Mutter zu tun hatte – Mutter und beide Schwestern gluckten lange in einer regelrechten Weiberwirtschaft zusammen. Anettes Schwester heiratete dann irgendwann einen wohlhabenden Schweizer, in dessen Familienbesitz sich die Meersburg befand, was dann zu ihrem letzten Wohnsitz wurde.

Anette herself. Ungünstiges Make-Up.

Anstrengender war aber auf jeden Fall die Tatsache, dass sie sehr begabt war und dazu noch ihre eigenen Vorstellungen hatte. Es ziemte sich im frühen 19. Jahrhundert für Fräuleins nicht, einen eigenen Kopf zu haben. Nichtsdestotrotz schaffte sie es, zur bedeutendsten Dichterin ihrer Zeit zu wachsen und bis heute ihren Platz in der Reihe großer deutscher Dichter und Schriftsteller einzunehmen.

Nach so viel Nahrung für den Geist war es wieder einmal an der Zeit an das leibliche Wohl zu denken. Ein hübsches Café im Innenhof ließ uns noch ein wenig mehr verweilen. Die Speisekarte war voller Reminiszenzen an romantische Literatur, und auch der zu schnell gelesene „Elefantentraum“ war dann doch ein Elfentraum und als süßes Zwischenhäppchen sofort bestellt.

Danach sollte der Tag doch noch etwas sportlicher werden – es war immer noch trocken und sehr schwül-warm. Wir wollten als nächstes Besichtigungsziel Billerbeck ansteuern, was als sehr schönes Städtchen hier in der Gegend gepriesen wird. Die Route führte uns über die Baumberge, die sich am höchsten Punkt immerhin 100 Meter über dem restliche Land erheben. Am höchsten Punkt angekommen, trat ein, was uns alle Wetter-Apps prophezeit hatten: es fing an zu regnen.

Erst ein bisschen, dann hörte es noch mal auf, dann wieder ein bisschen, dann ein bisschen mehr. So ungefähr eierten wir auch eine Weile hin und her, ob wir weiterfahren sollten oder uns zurück in Richtung unserer Homebase begeben sollten. Schlussendlich fuhren wir zurück nach Havixbeck downtown. Dort gab es noch mal ein Eis, und dann legte es richtig los – Starkregen vom feinsten. Havixbeck hat einen hübschen gotischen Torbogen, der sehr praktisch ist, wenn man als Radfahrer vor plötzlich auftretenden Niederschlägen flüchten muss. Wir waren nicht allein.

Im Torbogen, draußen sehr ungemütlich.

Eine ganze Weile harrten wir noch aus, bis wir mit Regenzeug durch die immer noch kräftige Schüttung ein Restaurant ansteuerten. Auch nach dem Essen hatten wir es mit zum Glück wenigen sintflutartigen Regenkilometern zu tun. Trotz allem waren wir nicht ertrunken und am Ende Ross und Reiter im Trockenen.

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