Unterwegs im Münsterland

Von Havixbeck – Natrup nach Münster

Wie ist es also, hier im Münsterland?

Fährt man hier vom Hof los, nach Norden oder nach Süden, landet man sofort auf einem Radweg. Meistens in sehr guten Zustand, gut asphaltiert. Bei wenigen Baumwurzeln warnen Schilder den Radfahrer, dass es Radwegschäden gäbe. Überhaupt ist das Fahrrad das absolut geeignete Verkehrsmittel im Münsterland.

Weites Land. Fahrräder werden hier lange genutzt.

Die Landschaft breitet sich meistens weit vor dem Radfahrer aus. Eine großzügige Mischung aus Bauernland, Wald, Höfen mit Klinker- oder Sandsteinfassaden. Die Siedlungen oft weit verstreut, die Höfe dafür zumeist aus mehreren großen Gebäuden, die oft wie Trutzburgen wirken.

Das Land ist flach, aber nicht komplett. In fast unmerklichen zarten Wellen erheben sich die Straßen leicht oder der Radfahrer freut sich über ein kleines, dafür langanhaltendes Gefälle. Nicht die Steilheit schiebt ihn zu euphorisierender Geschwindigkeit an, sondern die lange Zeit der geringen Beschleunigung.

Die Straßen oft von Alleebäumen gesäumt. Manchmal sehr alter Bestand, der dann bisweilen bis zum grünen Tunnel zusammengewachsen ist und bei Regen den Fahrradfahrer wohlwollend eine Weile vor dem Nasswerden bewahrt. Oder Alleen mit schlanken, jungen Bäumen, die in Reih und Glied die Straße säumen.

Viele Äcker und Felder, auf denen so manches angebaut wird. Landwirtschaft ist hier nicht romantisch, sondern Broterwerb. Nicht jedoch die riesigen Äcker, wie man sie im Ostdeutschen kennt, Hier sieht man immer die Grenzen des Ackers und überblickt das Feld. Hin und wieder ein Streifen Wildblumen, die farbige Tupfer in diese Variation von Grün setzen, Klatschmohn, Kornblumen oder Kamille.

Oft sind die Felder durch kleine Wäldchen voneinander abgetrennt. Zumeist Laubbäume; viele alte Baumpersönlichkeiten, an deren Stämme sich seit Generationen das Efeu nach oben schlängelt. Kühe auf der Weide, wunderschöne Exemplare mit schwarzen oder braunen Flecken auf sonst makellos weißem Fell. Allenthalben stolze Pferde, die gelassen das fette Gras der Weiden vor sich hinkauen.

Burgen und Wasserschlösser geben Zeugnis von einer wohlhabenden Vergangenheit. Überhaupt hat man oft das Gefühl, dass es hier genau so auch schon vor vierhundert Jahren ausgesehen hat. Wenig störende Industriebauten oder gar ausgedehnte Gebiete. Das Kapital ist das Land, die Wertschöpfung erfolgt auf dem Traktor und im Gasthaus. Und den Gast erfreut‘s.

In den Orten ebenfalls viel Klinker und Sandstein, auch dort oft Zeugnisse einer reichen Vergangenheit. Große Kirchenbauten erzählen von einer schon früher herrschenden Frömmigkeit. Man ist katholisch hier. In den Städtchen und Orten viele beeindruckende Giebelfassaden, die oft kunstvoll gestaltet sind. Durchaus durchmischt mit neueren Gebäuden, die aber auch meistens geklinkert sind.

Lüdinghausen: Klinker.Giebelfassaden und Fahrräder

Überall Ansammlungen von Fahrrädern, die hier „Leeze“ heißen und schon sehr ähnlich zu den Hollandrädern sind, die – wie der Name schon sagt – in Holland gefahren werden. Der Münsteraner radelt aufrecht und trotz der Technik, die sich um die letzten 30 Jahre Fahrradtechnologie nicht gekümmert zu haben scheint, ist der Münsteraner mit seinem Aufrechtmodell flott unterwegs.

Eine sehr einladende Gegend. Unprätentiös, ohne die ganz großen Touristenmagnete, dennoch gut und warmherzig auf Gäste eingestellt. Man kann sich wohlfühlen, hier im Münsterland.

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