Die Rolling Hills von Mecklenburg

Waren – Jabel – Linstow – Krakow am See – Güstrow 82 km

Waren entließ uns durch ein mondänes Villenviertel am See. Hier war ja viel Trubel gewesen, der Tourismus auf der Seenplatte ist mittlerweile offensichtlich sehr etabliert. Wir tauchten aber schnell wieder in große Waldgebiete ab, wo man sehr schnell allem Trubel entfloh.

Danach kam auch gefühlt nichts mehr. Die Seenplatte hatte ihr nördliches Ende gefunden, das Land dahinter ist sehr dünn besiedelt. Hier und dort mal ein Dorf, viel Wald und „nüscht los“. In Jabel stoppten wir kurz, hier war zumindest eine hübsche Dorfkirche zu bewundern.

Die Dorfkirche in Jabel.

Hatten wir bis Jabel immer noch einen ganz guten Radweg gehabt – offensichtlich sind hier einige EU-Mittel sinnvoll verbaut worden, Hinter Jabel wandelte sich das Bild abrupt. Dachte ich in Loppin noch „oh super, da sind ja auch Rennradler unterwegs, dann ist der Weg bestimmt gut zu fahren“, wurde ich sofort eines Besseren belehrt: In Roppin ging es nach lins in die Wildnis. Auf den ersten Metern ein ganz fieses Sandkasten – Kopfsteinpflaster-Gemisch. Das wurde allerdings nach wenigen Metern ein ganz gut befahrbarer selten schlaglochdurchzogener Sandschotterweg. Nun gut, da stellt man sich drauf ein, dass das mehr oder weniger den ganzen Tag so gehen wird.

Im Wald allerdings nach nicht ca. 10 km – als ich kurz auf Swen wartete, wechselte der Belag wieder, und zwar auf brandneues Asphaltband. Vermutlich auch wieder EU-Mittel. Auf jeden Fall angenehm. Tatsächlich hatten wir das fast den ganzen Tag so!

Am Linstower See brauchte es dann den ersten Badestopp. Der Tag war noch heißer als die zuvor, also nichts wie abgekühlt. Der hübsche Badeplatz war lebhaft bevölkert, es gab sogar einen Kiosk mit Getränk und Grillprodukten. Wir erweiterten den Badestopp also sofort um die Betankung und durften Getränk und Snack auf einem schattigen Bänkchen neben einem schweigsamen Rentner einnehmen. Der litt offensichtlich schwer unter der Hitze, hatte sich aber mit Strohhut gut geschützt, das Smartphone auf dem Rollator vor ihm gab nette Musik von sich, während er ungestört in seinem Buch weiterlas. Nicht mal seine Enkelin konnte ihn mit einem Eis zum Familienplatz locken.

Am Linstower See. Im Hintergrund der freundliche Herr, der uns unsere Mahlzeit auf seinem Bänkchen einnehmen ließ.

Dann wieder aufgesessen bzw. aufgelegt. Immer noch waren große Waldgebiete zu durchqueren, und man merkte die Gletscheraktivitäten wieder deutlicher. Ein munteres Auf und Ab, ein perfektes Beispiel für das, was der Engländer „rolling hills“ nennt. Ab und zu öffnete sich die Landschaft und eröffnete den Blick auf riesige abgeerntete Felder, manchmal auch Mais, der deutlich unter Wassermangel zu leiden schien.

Bis Krakow am See änderte sich wenig, der Asphaltweg zumeist himmlisch ruhig, oft durch schattigen Wald. Manchmal waren heute auch wieder Zwei-Spuren-Betonplattenwege dabei, aber auch die sehr gut fahrbar heute.

Dort gab es zunächst ein Eis und danach eine wunderhübsche historische Badeanstalt mit strenger Badeaufsicht, die immer mal den Verkehr am SprungBrett regelte. Zweimal hopsten wir ins erfrischende Wasser des gleichnamigen Sees, hatten wir hier doch Eintritt bezahlt. Das Gebäude sehr schön saniert – ein lang gestrickter Bau aus Klinker-Fachwerk mit schönem Reetdach.

Historische Badeanstalt in Krakow am gleichnamigen See.

Dann folgten noch einmal etwa 20 km mit noch etwas deutlicheren rolling hills, aber bald hatten wir Güstrow erreicht. Am Anfang des Ortes gab es ein kühlendes Getränk im Mittelalterspektakel – hier fand gerade ein coronakonformer Ersatz für viele ausgefallene Märkte statt, sehr klein und überschaubar, aber ein schönes Stelldichein.

Kurz danach verlief die Fernverkehrsroute mitten durch das Güstrower Strandbad, wo wir noch einmal kurz die Radelklamotten mit der Badebekelidung tauschten und die inklusive uns selbst wieder nass machten.

Das Hotel war danach schnell gefunden. Güstrow ist – positiv gesprochen – en sehr ruhiges Pflaster, obwohl die historische Innenstadt mit ihren vielen wunderbar sanierten Giebelhäusern viele Besucher anlocken sollte. Auch das leider wieder ein Beispiel für eine Stadt im Osten, die die Kurve nicht so richtig bekommen hat.

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