Hetze bei Hitze

Güstrow – Bützow – Schwaan – Rostock – Überseehafen – Gedser – Nykøbing 95 km

Ein sehr schönes reichhaltiges Frühstücksbuffet leitete unseren Tag ein. Das Hotel war ja dereinst ein Krankenhaus gewesen, in den 30ern des vorigen Jahrhunderts erbaut und die Strenge des Baus war auch heute noch mit der Hotelnutzung durchaus zu spüren. Lange Gänge, auf denen sicher schon viele Krankenbetten gerollt sind. Schnell hatten wir aber auch dieses Hotel wieder verlassen, der Tag sollte noch mal heißer als die zuvor werden.

Schloss Güstrow leuchtete uns heute morgen ins Hotelzimmer.

Güstrow war auch diesen Sonntag früh nicht spektakulärer als es am Vorabend gewesen war. Am Stadtgraben führte die Fernverkehrsroute wieder hinaus aus der Stadt, schnell waren wir wieder auf dem Land. Die erste Teilstrecke führte uns am Güstrow-Bützow-Kanal entlang, der überraschenderweise nach Bützow führte. Der Kanal war aber außer Betrieb, keine Boote oder Schleusen mehr.

In Bützow wurden wir ebenfalls außen am alten Stadtring entlang gelenkt. Viele alte Gebäude, die allerdings sehr oft noch in sehr schlechtem Zustand waren. Ein Lichtblick ergab sich dann aber: ein hübsches rot gestrichenes Fachwerkhäuschen mit einer schattig gelegenen Terrasse im wild zugewachsenen Stadtgraben, auf den ein Pärchen eben frühstückte und wir uns mit ihnen kurz über die schöne Szene freuten.

Schöne Szene mit freundlichen Leuten in Bützow.

Wir fuhren ohne Umschweife weiter. Gestern hatten wir noch diskutiert, wie die Etappe ablaufen sollte, wir wollten ja die Fähre nach Dänemark nehmen, die alle zwei Stunden fährt. 13:30 erschien uns für 64 km von Güstrow eigentlich zu viel. In Bützow aber waren wir schon merklich im Flow, und am Wegesrand gab es nichts, was zum Verweilen eingeladen hätte.

Was sich im folgenden Verlauf auch kaum änderte. Dazu wurde es immer wärmer und die Waldpassagen spürbar seltener. Zum Glück wehte uns ein kräftiger Wind spürbar vorwärts, zwei kleinere Anhöhen hatte der Landstrich noch zu bieten. Weiter und weiter gerieten wir in nördliche Richtung, und außer einem Trinkstopp hier und dort gab es sowieso immer noch nichts, was eine Pause gelohnt hätte.

Im Handumdrehen waren wir dann tatsächlich in Rostock, auch deswegen, weil die Strecke überwiegend hervorragend gerollt war. In Rostock nervten uns noch einige Ampeln, die natürlich immer rot waren und gefühlte Ewigkeiten brauchten, bis sie mal auf grün umsprangen. Aus Rostock muss man dann aber wieder hinaus und auf der Ostseite der Warne noch 10 km bis zum Fährhafen fahren.

Ohne Probleme fanden wir das Fährterminal, wo wir tatsächlich schon für die Fähre 2 Stunden früher pünktlich zur Stelle waren. 64 km bis vor 13 Uhr – das hatten wir vermutlich noch nicht auf Radtour! Tickets gekauft, eingecheckt und wenig später als erste in den Bauch der Fähre gerollt. Zwei Stunden hatten wir jetzt Pause, schön klimatisiert mit Aussicht auf die Weite der Ostsee und mit Krabbenbrötchen.

Bei der Ankunft in Dänemark – auf der Insel Falster – wurden wir sofort von der Polizei kontrolliert, wenn wir aus einem Risikogebiet gekommen wären, hätten wir vermutlich sofort wieder umkehren können. Vorgebuchte Übernachtungen wollte der freundliche Polizist aber nicht sehen, das hatten die Dänen kurz zuvor aufgehoben.

Der Wind strammer, die Temperatur erträglicher, die Stoppelfelder intensiver goldgelb. Offensichtlich war die Trockenheit nicht ganz so prekär wie wir sie zuletzt erleben mussten. Ca. 20 km waren es noch bis in unseren Zielort Nykøbing, die wir allerdings noch um einen Badeabstecher an die Ostseite der Insel erweiterten. Falster hat ja an der Ostseite quasi nur einen Strand – die ganze Länge der Insel, so ca. 60 km. Ein wunderbarer Sandstrand und das Wasser der Ostsee richtig warm. Großartig.

Gedesby Strand. Fast menschenleer.

Die letzten ca. 20 km bis zum Ziel zogen sich noch etwas, aber schlussendlich waren wir im warmen Abendlicht, was schön über der Meerenge zwischen Lolland und Falster glitzerte, angekommen. Unsere Unterkunft hier ist ein schönes Bed and Breakfast direkt am Strandboulevarden, gelegen. In Gesellschaft eines kühlen Getränks konnten wir vor dem Haus die Sonne bei ihrem Untergang begleiten.

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Ein Gedanke zu „Hetze bei Hitze

  1. nebenzimmernotizen

    Liebe Dagmar,lieber Swen, mit Interesse verfolge ich /wir euren Trip. Mir wird fast schon nur beim Lesen. heiß. Und eure flachen Nichtschwimmerseen waren ja auch meistens keine Abkühlung. Bei uns hat es mehrmals letzte Woche geregnet. Auch heute Nacht. Ganz sanft. Da waren andere Landstriche schon schlechter dran.Also alles sehr blumenfreundlich. Waren gerade kurz in RV bei Haralds Eltern, nach sechs Wochen schon mal nötig, haben die kleine Blumenbeete, dir wir vor zwei Monaten in dem Rasen angelegt haben, bewundert. Schicke dir Bilder davon.Sein Vater hat wieder mehrer Ops vor sich.Der Alltag besteht im Wesentlichen darin, Termine mit Ärzten einzuhalten usw. Uns geht es gut!!!! Außer: Von Biene gestochen: wusste gar nicht mehr, dass das so weh tun kann…. In die Rosen gefallen: Deutllicher Blutzug am unteren Schienbein. …… Aber wie gesagt, sonst geht es gut. Bin gespannt, ob ihr in Dänemark auch so viel Gegenwind habt, wie ich ihn in Erinnerung habe. Das hat auf einem Rad ohne Gangschaltung brutal geschlaucht. Tja, und Kopenhagen. Das habe ich sehr schön im Gedächtnis. Harald ist im Malfieber. Die erste Woche Arbeit hat er ganz gut erledigt. Wir waren zweimal im Konzert am See. War schön, aber halt nicht annähernd Kulturufer. Dann bis die Tage. Regine

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    Antwort

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