Dänemarks quirlige Hauptstadt

Kopenhagen – per Rad und zu Fuß

Der Himmel über Kopenhagen begrüßte uns mit dem schon vom Vortag bekannten Einheitsgrau. War also die temporäre Panne im Sommerwetter immer noch nicht behoben. Na, immerhin schien es trocken und die Prognosen ließen hoffen.

Nach coronakonformem Frühstück mit vorgefertigten Sandwiches (die aber sehr nahrhaft und gut waren und, mal ehrlich, sind wir mit den vielen Entscheidungen am Frühstücksbuffet nicht sowieso überfordert?) bestiegen wir unsere Räder und mischten uns in den Kopenhagener Verkehr. Der zum großen Anteil auf dem Fahrrad stattfindet. Man muss also eher ständig den überholenden Fahrradverkehr im Rückspiegel beobachten denn die Autos. Mit letzterem bist du in Kopenhagen ziemlich auf verlorenem Posten.

Wir cruisten mal hierhin, mal dorthin, befuhren die neuen gewaltigen Rad- und Fußgängerbrücken „Lille Langebro“ und Knippelsbro, zogen zwischendurch eine kleine Runde durchs bunte Christiania, wendeten unter dem beeindruckend auskragenden Dach der Oper – momentan auch geschlossen – und rollten schlussendlich am Kastell entlang. Leider entschied sich die graue Himmelbedeckung jetzt doch wieder, Niederschlag zu produzieren. Das Besichtigungsproramm musste auf Indoor umgeplant werden.

Die Kopenhagener Oper. Allerdings nachmittags – mit Sonne.

Wir googelten, was denn so in der Nähe und geöffnet war. Schloss Rosenborg war in der Nähe und hatte nach einem Kaffee geöffnet. Passte also gut. Wir spazierten einfach so an die Kasse, erhielten Tickets und konnten hineingehen. In normalen Jahren muss man hier mit erheblichen Wartezeiten rechnen. Sehr entspannt, auch in den diversen Räumen Christian IV und V waren erfreulich wenig Besucher zugegen. Die Menschen vermeiden Gedränge schon sehr gut von selbst, die Unvernünftigen finedn immer Möglichkeiten, ihre Unvernunft auszuleben.

Seltene Besuche von Schlössern haben den Vorteil, dass wenn man tatsächlich einmal vor Ort ist, man auch entsprechend beeindruckt ist. Auch die Dänen hatten ihren Louis-XIV-Style und der Pomp und Prunk stand den Franzosen gefühlt in nichts nach. Und mit Schloss Rosenborg handelte es sich wohlgemerkt nur um das „Sommerhäuschen“ der Royalen. Diese hätten ihren Jagdhunden damals nicht die Ferienhäuschen zugemutet, die heute die ganze Welt als Sommerresidenz in Dänemark mietet.

Und die Kronjuwelen! Nicht, dass ich auf so etwas stehen würde. Aber so eine echte Königskrone, fast vierhundert Jahre alt in ihrer ganzen kunstschmiedehandwerklichen Pracht zu bestaunen, ist schon etwas besonderes. Ein immenser Aufwand, der in diese Gegenstände gesteckt wurden und große Handwerkskunst, die bis heute sichtbar ist. Und fast drei Kilo schwer. Man stelle sich vor, dauerhaft mit drei Packungen Mehl auf dem Kopf herumzusitzen.

Schwer beeindruckend und bewacht: die Originalkrone Christians IV

Es regnete immer noch. Passenderweise liegen botanischer Garten mit Palmen- und Schmetterlingshaus gleich um die Ecke. Also gleich noch ein Besichtigungspunkt, der gerade sehr gut passte.

Und auch der lohnt sich ungemein! Gefühlt alle Pflanzen, die unsere Erde je hervorbrachte, finden sich in den zahlreichen wunderschön altmodischen Glashäusern mitt ihren verschnörkelten Säulen und Wendeltreppchen. Eine großartige Vielfalt von Blätter- und Blütenformen und -Farben. Immens groß neben winzig klein, jede Pflanze hat sich auf ihre Weise an ihre jeweilige Nische angepasst. Und als krönender Abschluss des Rundgangs wartet das Schmetterlingshaus, wo den Besucher zahlreiche hauchzarte bunte Flattermänner umschwirren. Wunderschön.

Fühlen sich hier wohl und bereiten den Besuchern Freude.

Nach einem ausführlichen Buffet-Mittagessen bestiegen wir den „Runde Taarn“ (Runder Turm), der sich durch eine Wendelauffahrt auszeichnet, die man in Renaissancezeiten auch per Pferdekutsche zurücklegen konnte. Ein moderner Vorfahr der Parkhausauf- bzw. -abfahrt, sozusagen. Wie die Kutschen allerdings in dem engen Gang zur Abfahrt wieder wendeten, blieb uns schleierhaft.

Glücklicherweise hatte sich das Wetter inzwischen eines besseren besonnen un es kam sogar zaghaft die Sonne hinter den Wolken hervor. Was uns nah einem kurzen Spaziergang durch die innerste Fußgängerzone wieder aufs Rad trieb und wir nochmals zum Kastell fuhren. Jetzt auch mit der kleinen Meerjungfrau, die immer noch genau so traurig schaut wie bei meinem letzten Besuch. Obwohl auch hier keinerlei Rummelgeschehen festzustellen war, was ihr doch sicherlich gefallen haben dürfte. Sie ließ es sich zumindest nicht anmerken.

Pralles Leben im Abendlicht an der Knippelbro

Zum Abschluss des Tages fanden wir einen wunderbar belebten Spot am Ostende der Knippelbro. Waren vor dem Bau der Brück hier nur unfreundliche alte Lagergebäude gewesen, war jetzt neben der vielfach frequentierten Fahrradstrecke ein ganzer Platz voller Buden mit Speis und Trank, Musik aus den Boxen und haufenweiser gut gelaunter Menschen zugegen. Wenn auch coronakonform mit ordentlich Platz jeweils dazwischen, Gedränge war auch hier nicht. Die letzten Sonnenstrahlen mit einem Bio-Bier genießend ließen wir ebenfalls gut gelaunt den Tag ausklingen. Kopenhagen ist einen Besuch wert!

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