#berlinkopenhagen resümiert

Berlin – Kopenhagen 690 km

So alles in allem, welchen Eindruck hinterließ der Fernradweg?

Allem vorweg genommen: Wenn es jemand drauf anlegt, schnell von A nach B zu kommen, ist das definitiv die falsche Route. Sie beschreibt einigen Zick und Zack, sowohl kleinräumig als auch was die grobe Routenplanung anbelangt. Sie ist eine typische touristische Route, die aber auch einiges an Highlights in der Gegend mitnimmt.

Als da zum Beispiel wären: zu Beginn führt die Route erstenmal westlich aus Berlin heraus, aber auf sehr verkehrsarmer und schöner Strecke. An der Havel schwenkt sie nach Norden und folgt dieser bis in die mecklenburgische Seenplatte, die auf schönen Sträßchen und Wegen durchquert wird. Zum Abschluss ist noch Waren an der Müritz dabei, was fast schon so attraktiv ist, dass es ein wenig überlaufen wirkt.

In Waren. Sehr hübsch, und gut was los.

Danach ist gemütliche Landpartie, im Prinzip bis Rostock. In Güstrow gibt es noch eine sehenswerte Stadt nebst Schloss, das wirkte aber eher etwas wie Dornröschenschlaf. Danach ist nur noch Landpartie, auch mit extrem dünner Infrastruktur. Selbst Friedhöfe sind selten, dass sind ja sonst zuverlässige Lieferanten von frischem Wasser.

Die Route in Dänemark verläuft über Møn, sehr sehenswert wegen den Kreidefelsen „Mons Klint“ und dann zum überwiegenden Teil direkt an der Ostküste, wo noch einmal beeindruckende Kreideklippen (Stevns Klint) im Programm sind. Der Speckgürtel vor Kopenhagen wird dann noch einmal auf einem nicht sehr logischen Zickzackkurs umfahren, bevor man ganz zum Schluss über die Küste ins Innere von Kopenhagen rollt. Letzteres ist sehr angenehm auf grüner Route bis ganz kurz vor dem Zentrum. Und immer auf vernünftiger Radwegeanlage.

Bemerkenswert an der durchfahrenen Landschaft ist der hohe Waldanteil, vor allem im deutschen Sektor. Zum einen ist das ganz wunderbar, wenn gerade der ganze Norden wegen einer Hitzewelle stöhnt, zum anderen ist es gut zu sehen, wie viele zusammenhängende Waldgebiete wir noch in Deutschland haben. Auch sahen wir nur wenig Fichtenmonokulturen, aber viele gesund wirkende Laubmischwälder.

Großartige Fahrradstrecke im schattigen Wald.

Ansonsten sieht man viele Äcker. Landwirtschaft ist vor allem in Dänemark ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und das merkt man auch als Radtourist. Nicht zuletzt am Schwerverkehr, der in den entlegensten Ecken landwirtschaftliche Produkte an- und abliefert. In Dänemark hat man ebenfalls öfter das olfaktorische Vergnügen, Schweinefarmen zwar nicht zu sehen sondern zu riechen.

Sehr willkommen waren die vielen Bademöglichkeiten. Im ostdeutschen Teil war ein Sprung in einen See mit einem ausgeschilderten offiziellen Badeplatz nie weit, in Dänemark fand man schnell einen badefähigen Strand. Manche ganz traumhaft mit weißem Sand und frischem, klaren Wasser, manchmal aber auch etwas steinig oder mit etwas Geruchsbelästigung durch verrottende Wasserpflanzen. Auch das macht die Route ideal für heiße Sommerwochen.

Die Beschilderung ist recht gut, nichtsdestotrotz hatte ich die Route auf dem Smartphone und meistens die Navigationshinweise an. Das erspart einem bei den Malen unklarer oder fehlender Beschilderung das Verlorengehen.

An der Wegebeschaffenheit gab es im Großen und Ganzen wenig zu kritisieren. In Mecklenburg mussten wir einmal über ca. 10 km Schotter-Sandpiste, die waren aber gut machbar. Schlimmer war ein Abschnitt kurz hinter Strasen, der eher Trail als liegeradtauglicher Fahrradweg war. Und bemerkenswert im Osten: Zwar gibt es das üble Kopfsteinpflaster der Sorte „Erichs Rache“ kaum noch, manchmal ließen es die Gemeinden aber offensichtlich noch auf kurzen Stücken als Speedregulator für die Motorisierten liegen. Leider ohne an einen glatten Seitenstreifen für die Unmotorisierten zu denken. Waren zwar immer nur kurze Stücke, aber durchaus mit Abwerfpotential zuweilen.

Am Strand: ganz oft, oft ganz wunderbar, meistens sehr wenig Menschen dort.

Mit Sand hatten wir zum Glück so gut wie nie zu kämpfen, breite Bereifung ist aber kein Fehler. Auf der anderen Seite waren gerade in Mecklenburg viele km neu und frisch asphaltiert worden, was sehr erfreute. Also am besten breite Bereifung, die aber auf glattem Asphalt gut rollt.

Unterkünfte hatten wir alle vorgebucht, was der seltsamen pandemischen Lage zu verdanken ist. Im Normalfall bekommt man vermutlich immer spontan etwas, höchstens auf der Seenplatte oder an der Müritz kann es zur Hauptferienzeit eng werden.

Alles in allem: gerade im Hochsommer eine sehr empfehlenswerte Unternehmung!

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