Mit der Straßenbahn zu den schönen Appenzeller Kühen

Trogen – Bühler – Appenzell 18 km

Herbstzeit ist Wanderzeit und die Liegeräder dürfen morgens liegen bleiben. Wir mussten aufgrund coronabedingter Urlaubsknappheit ein Wochenende miteinbeziehen und deswegen suchten wir uns eine Route aus, die vermutlich wenig überlaufen wäre. Die Schweizer National-Wanderroute 3 – die Alpenpanoramaroute – verläuft vom Bodensee bis an den Genfer See. 29 Tagesetappen waren natürlich zu viel für ein verlängertes Wochenende, aber für ein kurzes Stückchen versprach diese Route zwar tolle Aussichten, aber so wenig spektakuläre Bekanntheit, dass mit viel Ruhe zu rechnen war.

In Trogen stiegen wir ein, das erste Stück vom See weg nahmen wir die Bahn. Das war auch sehr klug, weil sich heute der See und Umgebung vornehm in herbstlichen Nebel hüllten. Die Fährüberfahrt war ziemlich grau in grau. Bis St. Gallen änderte sich hieran nichts. Wir stiegen um, Gleis 12 war vor dem imposanten Bahnhofsgebäude und letztendlich war diese Bahn auch nichts weiter als eine gemütliche Straßenbahn im kräftigen Rot der Appenzeller Bahnen.

Beeindruckend allerdings, welch steile Anstiege diese Bahn überwand, und das ohne Zahnrad. Wir bummelten ohne Unterlass steil bergauf und waren bald mittendrin in der Hochnebelschicht. Die dann ja zu Bodennebel mutiert. Spannend war, ob wir auch oben aus der Nebelschicht hinaus fahren würden. Was letztlich nicht klappte, wir starteten in Trogen im Nebel.

Schnell waren wir auf schmalem Wandersteig und ließen den Ort und die Straße hinter und unter uns. Höher und höher führte uns die Route, ganz still, nur allenthalben ein leises Konzert aus verschieden gestimmten Kuhglocken.

Auf dem ersten Hügel, der „Hohen Buche“, ließ sich zum ersten Mal nennenswert die Sonne blicken. Nebelschwaden umwehten uns aber immer noch zahlreich.

Hügel und Wald im Nebel.

Nach der „Passhöhe“ nutzten wir eine der wenigen Bänke zur bequemen Nahrungsaufnahme. Nur, dass diese Bank so gut wie mitten in einer Gruppe liegender zum Glück sehr friedlich wirkender Kühe stand. Ich ging davon aus, dass wir in friedlicher Koexistenz unseren Tätigkeiten nachkommen können würden – Vesperbrote einnehmen einerseits und liegen andererseits – und begann mit der notwendigen Mahlzeit. Nach einer Weile erhoben sich allerdings zwei der offensichtlich jungen Damen, eine entledigte sich überflüssiger Körperflüssigkeit, eine andere kam uns neugierbedingt dann doch sehr nahe und glotzte uns, unsere Möhrchen und die Vesperbrote an. Swen war nicht wirklich entspannt in dieser Situation, sodass wir nach halber Portion wieder einpackten und weiterzogen.

Das war die Neugierigste. Kühe, die auf Vesperbrote starren.

Weiter ging es jetzt mehr und mehr in wunderschönem Sonnenschein über saftig grüne Hügel mit vielen prächtigen Kühen, netten blumengeschmückten Appenzeller Holzhäusern bis zum Dorf Bühler hinunter. Letzteres war wenig spektakulär und schnell durchschritten. Eine jetzt kuhfreie Sitzbank oberhalb des Dorfes diente uns zur Einnahme der zweiten Hälfte der Jause.

Ein zweiter Hügel wollte überwunden werden. Der Weg war hier zum Teil schon sehr alpin steil und schmal. Immer noch ständig Kuhglockengebimmel, was die Ruhe ansonsten heiter und sanft begleitete.

Langsam zeigte sich auch der Große der hiesigen Gegend: mehr und mehr hob sich aus dem Dunst die Silhouette des Säntis hervor. Die Alpenpanoramaroute scheint ihren Namen nicht von ungefähr zu haben. Aussichtsreich wanderten wir bis zum Schluss auf schönen Wald- und Wiesenpfaden nach Appenzell über unzählige Kuhweiden und noch viel mehr der friedlichen Milcherzeugerinnen. Unzählige Elektrozäune öffneten und schlossen wir wieder an den dafür vorgesehenen Handgriffen.

Schlussendlich erreichten wir Appenzell. So ein schönes Städtchen. Eine vermutlich einmalige Ansammlung fröhlich bunt gestalteter Fassaden altehrwürdiger Appenzeller Holzhäuser. Alles sehr hübsch, gemütlich und wie es sich für die Schweiz gehört, sehr sauber. Wir sahen live, wie vor einem Geschäft das Pflaster gestaubsaugt wurde. Nach einer „Panache“ im Biergarten der „Sonne“ fanden wir schnell unser ebenso gemütliches Hotel, wo wir gut speisten. Schon wieder etwas erlebt, hier in der Schweiz.

Lauter schöne Häuser hier. Und hier sogar noch eine Gartenzwergarmada obendrein.

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