Über den Vogelsberg

Kahl – Alzenau – Gelnhausen – Wächtersbach – Birstein – Rixfeld – Alsfeld 118 km

Früh brachen wir auf, der Tag sollte noch einiges an Gewitterpotential mit sich bringen. Der kluge Radtourist versucht deswegen, so früh wie möglich so viel Strecke wie möglich zu machen, da gegen Nachmittag das Gewitterrisiko immer zunimmt. So waren Katje und ich schon um kurz nach Acht startbereit und die Wölfe scharrten mit ihren Pfoten. Was Katja sehr entgegenkam – ist sie wohl auch eher der Typ „der frühe Vogel frisst den Wurm“.

Schon gleich zu Beginn war die Route schön. Wir rollten auf gutem Asphalt durch ein Gebiet mit offensichtlich artenreichen Wiesen. Rechts erhoben sich die Hügel des Spessarts. Bald war Alzenau erreicht, wo es einen Fototermin an der Burg gab.

Die Alzenauer Burg, das Wolfsrudel und ich.

Die erste Anhöhe führte uns vom Tal des Kahl ins Tal der Kinzig. Katja empfahl wärmstens, einen Blick nach Gelnhausen in die Altstadt zu werfen, was wir dann auch taten. Sehr schön hier, Fachwerk und großes altes Kirchengemäuer und ein erstes Getränk an der Piazza war fällig. Einzig die vielen Autos, die hier mitten in diesem pittoresken Ambiente parken dürfen, stören massiv. Aber überall in den Städten und Vorstädten stehen Automobile rum. Deutschland eben.

Schön hier, in Gelnhausen. Aber überall müssen die Blechkisten rumstehen.

Zwischen Gelnhausen und Wächtersbach trennten sich unsere Wege dann. Katja musste ja wieder zurück, super, so lange so nette Begleitung gehabt zu haben. War bestimmt nicht das letzte Mal!

Hinter Wächtersbach machte sich so langsam das geplante Bergprogramm des Tages bemerkbar. Sicher nicht von alpiner Dimension, allerdings musste ich auf 300 m höher als im Kinzigtal hinaus. Nämlich den Vogelsberg hinauf. Nie sehr steil, immer sehr schön auf verkehrsfreiem gut asphaltierten Radweg kurbelte ich Anhöhe für Anhöhe hinauf. Die Sonne zeigte sich jetzt sehr, auf was ich hätte verzichten können. Sehr schwül, sehr heiß, sehr plemplem, uff…

Irgendwann meldete sich dann ein Mittagshüngerchen und der Biergarten-Suchmodus wurde eingeschaltet. Was sich als schwierig erwies, da der Bahntrassenradweg selten durch Dörfer kam und in den kleinen Weilern bekanntermaßen in der Regel die Dorfwirtschaften nicht mehr existieren. Birstein war aus der Ferne zu sehen, das war mir dann aber zu weit weg, außerdem sah man den furchtbaren Hügel, den ich in der Mittagssonne hätte hinaufochsen müssen. Also weiter.

Ein weiter Blick über sanfte Anhöhen von meinem Schattenbänkchen.

Da kam aber natürlich nix mehr, die Gegend ist wirklich sehr ruhig. Aber zum Glück hatte ich mir ein Schnittchen gemacht und noch eines von Katjas Eiern dabei und selbstverständlich auf einer Anhöhe fand sich ein schönes schattiges Bänkchen mit Aussicht.

So gestärkt waren die letzten Anhöhen schnell erklommen und so langsam schien es weder mehr zu rollen. Immer noch war ich offensichtlich auf einer Bahntrasse unterwegs und tatsächlich war im ehemaligen Bahnhofsgebäude ein wunderschönes Café – der Rosenbahnhof Rixfeld, das ich sofort enterte.

So schön. Alles mit Rosen hier und Dvorak als Musikprogramm

Der Himmel hatte sich inzwischen sehr zugezogen und der Wind kräftig aufgefrischt. Scheinbar war das Gewitter aber vorbei gezogen, sodass ich nach einer ausgiebigen Pause wieder aufbrach. Exakt in diesem Moment fing es zu regnen an. Optimistisch wie ich so bin, ging ich davon aus, dass das bestimmt nur ein Schauer von kurzer Dauer sei. Leider erreichte ich 25 km später triefnass meinen Zielort Alsfeld. Und als ich im schönen Hotelzimmer mich und alle Klamotten trocken gelegt hatte, hörte es auf. Das war ja klar.

Alsfeld entschädigte mich mit einer wunderschönen Fachwerkorgie in der Altstadt, in der ich vorzüglich und extrem nett verköstigt wurde.

Alsfeld. Ich wusste gar nicht, dass ich in einem so schönen Ort landen würde!

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