Über die Kante

Helmern – Löwendorf – Lügden – Hameln – Springe – Pattensen 126 km

Nachdem ich auch bei Biggi wieder aufs fürstlichste verpflegt worden war, rollte ich gegen neun aus dem Rittergut Helmern hinaus. Leider durch den Hintereingang, ich hätte ja ganz gerne noch mal ein Frontalportrait der kleinen Burg geschossen, aber – anyway.

Erstaunlich hügelig ist die Gegend hier. Wir im Süden vermuten solch mittelgebirgsähnliche Zustände im für uns hohen Norden nicht mehr, aber das war fast wie im Allgäu hier. Wunderschöne lauschige Gegend, mir fiel spontan der Begriff Märchenfilmkulisse ein. Hügelchen, Laubwald, knorrige Eichen, Bächlein. Tiere hier und dort – Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen, bestimmt auch ein paar verborgene Frösche, die auf den Kuss warten, um dann im Schloss auf dem Hügel endlich ihrer glitschigen Gestalt entflohen zu sein und ein wahres Prinzendasein führen zu dürfen.

In Brakel. Gleich kommt der Prinz mit seinem Gefolge um die Ecke.

Ein bisschen Anstieg war mir dann auch angedroht worden. In Löwendorf solle man dann „oben“ sein und von dort aus nur noch hinunterrollen ins norddeutsche Tiefland. Also einmal noch über die Kante.

Leider regnet es ja hin und wieder auch in Märchenfilmen. Und tatsächlich fing es erst an zu tröpfeln, dann wurde so nach und nach die Straße nass. In Vörden verpackte ich alles regendicht und zog zumindest mal die Regenjacke an. Weil – es ging ja noch ein wenig bergauf, mit Regenhose wäre das sehr warm geworden. Was es auch mit der Jacke schon war, die letzten ca. 5 km hügelauf.

Geschafft – Kante erreicht.

Aber alles nicht so wild, das hatten wir bald. Nur blöd, dass der Regen wieder stärker wurde. Also auch noch die Regenhose an. Und runter ging es jetzt, holladiewaldfee! Klatschte mir der Regen ins Gesicht! Aber ich hatte keine Lust, zu warten und unterzustehen, deswegen fuhr ich stoisch weiter.

Bevor es dann richtig ungemütlich wurde, war zum einen Lügde mit nennenswerter Gastronomie am Weg, zum anderen sowieso Mittagspausenzeit. Ich fand einen trockenen Platz für den Wolf und ein trockenes Restaurant am Marktplatz für mich. Es gab Linsensuppe, genau das richtige in einer solchen Situation.

Und tatsächlich hatte es danach aufgehört und ich konnte ohne Regenrüstung weiter fahren. Prima rollte das, meistens auch noch gut von Rückenwind geschoben. Leider immer mal wieder an einer lauten Straße, Schluss mit Märchenfilm hier.

Ein Stück Weserradweg brachte mich dann wieder ruhig nach Hameln. Tolle Stadt. Auch hier gönnte ich mir ein Päuschen bei Strawberry-Cheesecake und Kaffee.

Windmühle an der Weser.

So langsam verschwanden die Hügel in die Ferne, das Land wurde immer flacher. Ich rollte und rollte. Einmal wurde ich allerdings jäh ausgebremst: am Radweg an der B217 in einer Senke war auf eine Länge von gut 200 Metern der gefühlt halbe Acker ausgespült und befand sich jetzt als schmierige bis zu 10 cm tiefe Matscheschicht vor mir. Mühsam balancierte ich durch eine Autoreifenspur, einmal hätte ich mich allerdings fast in die Matsche gelegt und konnte Rad und Fahrerin gerade noch halten. Wir sahen aus danach! Dicke Matscheflatschen unter anderem auf der Vorderbremse, die aber zum Glück klaglos ihren Dienst tat.

Nicht lustig. Kaum fahrbar, so tief war dieses Schlammbad zum Teil.

Kurz vor Bennigsen warf ich die Suchmaschine von Booking.com an. Die Linde in Pattensen wurde es. Nettes Städtchen, in dem ich auf der Piazza bei Anno gut verköstigt wurde.

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