Durch die Altmark

Wittingen – Salzwedel – Arendsee – Wittenberge – Rühstädt 114 km

Das etwas laute Hotel an der Bundesstraße verließ ich recht früh. Schon vor halb neun war ich wieder auf der Piste. Hatte ich doch heute eine Verabredung: Um 16:00 sollte die Familie sich in Wittenberge an der Elbe einfinden. Bis dorthin hatte ich „nur“ noch 95 km zurückzulegen. Sollte also kein Problem sein.

Wittenberge liegt ja direkt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Man betritt hier den Landkreis Altmark-Salzwedel, und Altmark heißt das Gebiet hier. Sehr ruhig! Mal wieder konnte man spüren, dass die grenznahen Gebiete in der ehemaligen DDR systematisch ausgedünnt wurden, was bis heute spürbar ist. Die Dörfer waren plötzlich ganz winzig mit wenigen Häusern, viele davon dazu noch ziemlich verfallen.

Auf dem Dorf.

Die Straßen auch menschenleer. Allerdings oft in gutem Zustand. Was man von den Radwegen wie üblich oft nicht behaupten konnte. Baumwurzeln, Schlaglöcher, Risse und haufenweise Geäst und Dreck. Nun gut, die ersten Stunden begegneten mir keine 10 Autos. Deswegen blieb ich oft auf der manchmal sehr schmalen Straße. Nur einmal wurde ich wütend mit lautem Gehup knapp überholt. Als ich im nächsten Dorf das Auto Nest Fahrer plaudernd auf dem Dorfplatz stehen sah, fuhr ich hin und wollte Verständnis schaffen. Der hörte mir nicht mal zu. Wütend riss er zweimal seine Tür auf und schleuderte mir irgendwas entgegen – ich kam nicht dazu, selbst etwas zur Erklärung beizutragen. Offensichtlich sitzt er selbst nie auf dem Fahrrad und wird durchgerumpelt.

Nun gut, nix zu holen. Also bin ich weiter. Trotzdem auf der Straße. So ruhig ist diese Gegend! Kein Fabrikgesumme, Baustellenlärm, selten ein Traktor. Dafür Vogelgezwitscher, was in den Kiefernwäldern wie im Konzertsaal hallte. Einmal hopste ein Reh vor mir in den Acker, ein anderes Mal huschte ein Fuchs über den Weg.

Bald erreichte ich Salzwedel. Hier waren wir ja schon vor zwei Jahren auf unserer Grenzradtour durchgekommen. Und wieder landete ich wie magisch angezogen im Café Krüger. Ist aber auch ein zu schöner Kaffeegarten. Und dieses Mal nahm ich ein Portiönchen Baumkuchen, wofür Salzwedel ja berühmt ist.

Salzwedel. Und der Kirchturm ist doch krumm!

Derart gestärkt ging es weiter gen Osten. Immer schön auf dem Altmark-Rundkurs, also ein ausgeschilderter Radweg, aber jetzt waren wieder ab und zu Pisten dabei. Zum Glück gibt es jetzt offensichtlich schon oft den Rollstreifen nebendran, der zumindest fein geschottert ist. Üble Rumpelstrecken gab es zwar auch, aber meistens nicht lange.

Ich erreichte den Arendsee. Das erste Zipfelchen Seeufer, was ich erblickte war auch gleich ein Fleckchen schöner Sandstrand. Da es zwar bedeckt, aber gut warm war, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und sprang ins Wasser.

Schöner Strand am Arendsee.

Am anderen Ende des Sees war ein schöner Biergarten, den ich auch noch mitnahm. Gestern war ja ein wenig infrastrukturschwach gewesen, sodass ich heute die Gelegenheiten nicht ausließ.

Bis Wittenberge war es jetzt nicht mehr weit und ich lag gut in der Zeit. Ich dachte schon darüber nach, was ich so die zwanzig Minuten machen würde, die ich jetzt übrig hätte, da war es auch schon um sie geschehen. Normalerweise verläuft der Radweg von Süden auf der Eisenbahnbrücke auf deren Ostseite. Da stand ich zunächst vor einer Absperrung, die ganze Brücke ist gerade Baustelle. OK, zurück und um die Ecke geschaut – ich musste wenigstens nicht kilometerweit den Umweg über die Bundesstraße nehmen. Auf der Westseite war eine Behelfsbrücke angebracht, aber erstens war das Fahren verboten und zweitens wäre es auch nicht gut gegangen über die Gitterroste und Stahlplatten. Die Brücke hat allerdings eine Gesamtlänge von mindestens einem Kilometer, sodass ich eine Weile beschäftigt war. Und am Ende war der Ausgang auch nicht gut beschildert, sodass ich erst mal in der Sandgrube landete. Naja, danach erreichte ich den Bahnhof in Wittenberge ein paar Minuten nach vier und mein Herzallerliebster war schon da.

Kilometerweites Geschiebe über die Elbe.

Den Rest der Familie trafen wir beim Italiener und anschließend rollten wir gemeinsam nach Rühstädt, wo ich zur Feier des Tages im Schlosshotel für uns alle reserviert hatte. Jetzt ist’s vorbei mit dem Gerase, die nächsten Tage ist Wellnessetappe angesagt!

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