Nach Polen

Felchow- Schöneberg – Schwedt – Gartz – Sczecin 83 km

Die Jugend setzte einen Tag aus, um gewisse Defizite wieder auszugleichen und fuhr mit dem Zug nach Stettin. Deswegen rollten wir heute zu zweit gen Norden. Zunächst ein Stückchen nach Süden, weil unser Übernachtungsort ja nicht ganz auf dem Oder-Neiße-Radweg lag. Das erste Dorf hieß Schöneberg und der Name war Programm. Die Uckermark ist nämlich wieder diese hügelige Ostsee-Endmoränenlandschaft, wo die Gletscher ganz schön Unordnung angerichtet haben. Und Hügel, die der Radler raufkurbeln muss. Und das Wetter recht unangenehm schon morgens schwül und sehr warm sollte es auch noch werden.

Dann aber! Rasant ging es ins Odertal hinunter. Das erste Wasser, was man erreicht, ist die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. Langer Name für gemütlichen Kanal, auf dessen Deich wir auf 1A Asphalt geschoben von einem deutlichen Schiebewind so dahin rollten. Toller Radweg in wunderschöner Auenlandschaft.

An der Wasserstraße. Lauschige Situation bei Stützkow.

In Schwedt stand ein Eiswagen direkt am Radweg, den konnten wir natürlich nicht auslassen. In Friedrichsthal dann die Überraschung: Umleitung. Vorbei war’s mit dem flauschigen Dahingeroll. Hier ums Eck, dort ums Eck, Waldweg, Platten und dann zumindest ein gut rollender Asphaltweg weiter westlich. Gefühlt totale Einöde, wieder einmal deutsches Outback hier.

Die Umleitung schwenkte dann irgendwann wieder Richtung Osten, wir überquerten eine Straße und hatten einen in dieser Mittagsschwüle sausteilen Monsterhügel vor uns. Ein bisschen Schatten spendeten die Alleebäume, aber das war mal wieder einer der Momente, bei denen man sich fragen musste, ob man denn nicht plemplem ist.

Da waren wir oben. Sieht man natürlich wieder nicht auf dem Bild, wie steil das war.

Wir erreichten dann viel später als erwartet Gartz. Mit Hunger, für den wir die Pommernstube fanden. Sehr gute lokale Küche mit Kräutern direkt aus dem mit viel Liebe angelegten Gärtchen. Überhaupt: eine große Voliere war am Haus, Perlhühner und Sittiche darin, Meerschweinchen mit putzigen Jungen in einer Unterabteilung und Miniziegen nebenan.

Lustige Tier-Außenanlagen bei der Pommerstube in Gartz.

Es ging weiter am Fluss und durch wildeste Natur. Mitten im Grünen war die Grenze nach Polen. Die Wege waren mit Bauzaunelementen zu – warum das denn? Wir änderten das und betraten Polen.

Die Wege hier waren auf keinen Fall schlechter als auf der deutschen Seite. Beschildert war zwar nix so richtig, aber wir hatten unsere Route dabei. Und bald kamen wir in den Einzugsbereich von Stettin, das erste, was am Wegesrand bzw. am Straßenrand zu sehen war, war ein riesiges Amazon-Logistikzentrum. Was vermutlich ganz Ostdeutschland beliefert zu billigeren polnische Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen.

Schönes Feldsteinkirchlein in Polen.

Die Fahrt ins Zentrum von Stettin hinein war dann zwar recht abenteuerlich, aber man hat schon schlimmere Städte in ihren Außenbezirken durchquert. Immerhin gab es eine durchgängige Fahrradroute, wenn auch der Zustand stark schwankend war.

Aaargh!

Ein 12%-Hügel in der Vorstadt stellte sich uns noch einmal in den Weg (Frechheit), aber dann war das Hotel schnell erreicht. Zum Abendbrot versorgte uns ein angenehmes kleines Restaurant und ich unternahm danach noch einen kleinen Spaziergang an die schönen Orte, die hier durchaus vorhanden sind. Meist eine bunte Mischung aus gut sanierter preußischer Bausubstanz, etwas verlotterten alten Gebäuden und sozialistischer Platte. Leider sehr verkehrsverseucht mit haufenweise polnischen PS-Protzern. Die Mobilitätswende scheint hier noch kein Thema zu sein. Nichtsdestotrotz sehr interessant, eine polnische Stadt diese Größe etwas kennenzulernen!

In Stettin am Heumarkt. Schon auch schön!
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