Ans Meer

Sczecin – Goleniów – Stepnica – Wolin – Miedzydroje 76 km

Erst mal wieder raus aus der Stadt. Wir waren am Vortag ja einigermaßen hinein gekommen auf zumeist zumutbaren Fahrradwegen, wollten aber Großstadtverkehr und -Lärm weitestgehend vermeiden. So reifte der Plan, mit dem Zug erst einmal heraus zu fahren und die Radeletappe ländlich beginnen zu lassen.

BRouter zeigte mir diverse Radrouten bis ans Meer an, die ich nur verbinden musste. Über die Qualität der Wege kann man aus der Karte nichts herauslesen, aber ein bisschen Abenteuer darf ja ruhig auch sein.

Wir nahmen die Bahn bis Goleniów (oder früher Gollnow), fanden aber schnell und problemlos heraus aus dem noch recht lebhaften Ort. Es gab sogar Beschilderung für die Fahrradrouten, die ich kombinierte. Allerdings nicht lückenlos, ohne Navigation hätte man ganz schön rätseln müssen.

Dann kam der berühmte Moment, an dem die Radroute in die Natur einschwenkt. Hoppeliger Waldweg. Oh je. War aber nur kurz unangenehm und rollte meistens annehmbar. Und ein Stück sehr ruhige frisch asphaltierte Landstraße war dabei, eine schöne Allee, die hätte länger sein dürfen.

So lagen die ersten 20 km doch relativ schnell hinter uns und wir erreichten Stepnica, was am „Großen Haff“ liegt. Direkt am sehr ruhigen Hafen lag ein Restaurant. Dünne Infrastruktur muss man immer nutzen, also nichts wie hinein in den schönen Biergarten. Und ein wunderschönes Glas-Fachwerkgebäude sicher noch aus der guten alten Zeit, der ostpreußischen Vergangenheit.

Glasfachwerk, ein Kleinod!

Wir fuhren weiter. Die Route führte uns zunächst durch viele Dörfer am Ufer. Meist gut bis akzeptabel asphaltiert, zwischen den Dörfern auf ähnlich schönen Alleen wie zuvor. Und – in Polen scheint man es geschafft zu haben, den üblen Pflasterbelag in den Dörfern zu ersetzen, was man vom Osten Deutschlands nicht behaupten kann.

Es kam wieder dieser Moment mit der Natur wie zuvor schon. Dieses Mal führte unser geplanter Weg nicht im Wald, sondern direkt am Wasser entlang. Und siehe da: ein kilometerlanger Schotterweg, aber rein für die Fahrradroute relativ neu angelegt und ziemlich angenehm zu fahren. Wunderschön angelegt, im Schilf verlaufend, die Schmetterlinge stiebten nur so vor uns auf und zweimal lief ein Fuchs vor uns über den Weg. Das war absolut vom Feinsten und wunderschön.

Infrastruktur ist durchaus vorhanden. Lückenlos ist sie allerdings noch nicht

So erreichten wir Wolin. Kein wirklich sehenswerter Ort, aber ein nettes kleines Restaurant wartete mit südfranzösischen Flair und Ziegenkäse auf uns. Wir stärkten uns, was sich noch auszahlen würde.

Rollte gut in schönster ruhiger Naturumgebung: die Radroute 3

Dann ging es wieder auf die Radroute in die Einöde. Komoot kannte diverse Abschnitte gar nicht und zeigte sie mir als „Off-Grid“ an. Nun gut, BRouter und Waymarked Trails kannten die Route, also los.

Oh je. Gleich der erste Abzweig noch in Wolin setzte uns auf eine sandige Piste. Die überging in ziemlich groben Schotter. Und schnell war der Grund dafür in schwerem Baugerät sichtbar: diese Route war noch im Bau und fuhren durch die Baustelle! Abschnittsweise war schon mal der grandiose Endausbau sichtbar und spürbar, hier mit gut verbundenen Fahrspurplatten. Wenn das mal fertig ist, sollte man den nochmal fahren. Im aktuellen Zustand kamen wir zum Teil nur etwas mühsam voran. Aber alles nicht so schlimm wie vor Angermünde, es ging einigermaßen voran auch auf der neuen Schotterbasis.

13 km vor dem Ziel dann ein ungutes Geräusch und ein Beinahe-Sturz von Jonathan. Ein klassischer Schaltwerkswickler, warum auch immer, geschaltet hatte er in dem Moment nicht. Vermutlich war ein Stein in den Kettenkäfig gesprungen und hatte sich verkeilt. Schaltauge und Schaltwerk waren jedenfalls grotesk verbogen.

Pannenservice im Wald. Im Bild nicht sichtbar: eine Armada Stechmücken.

Wir waren gerade mal wieder im Wald unterwegs. Was zwar schön schattig war aber wir waren in Sekundenschnelle heiß beliebt bei Myriaden von stechwütigen Monstern. Die letzten Tropfen Anti-Brumm wurden auf den ungeschützten Hautstellen verteilt und so einigermaßen geschützt das Rad auf ein Fixie umgebaut. Zum Glück hatte das Hinterrad selbst keinen Schaden genommen und wir konnten die letzten Kilometer fahrend zurück legen.

Kurz nach 19:00 kamen wir am Meer an. Es dauerte alles noch etwas, bis wir die gebuchte Ferienwohnung gefunden hatten, hineinkamen (welcher Schlüssel muss jetzt wo rein???), geduscht waren, in dem sehr belebten Ort ein Restaurant gefunden hatten, in dem es dann auch noch ewig dauerte, bis wir etwas bekamen. Aber wir konnten schon mal barfuß durch den feinen Ostseesand laufen und die erste Zehe in die Ostsee strecken. Eine schöne, abwechslungsreiche, abenteuerliche Radtour hatte wieder ihr Ende gefunden.

Am Meer!
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