Jurassic Parc

Fahrt (motorisiert) Friedrichshafen – St. Ursanne (Vortag), St. Ursanne, Radtour St. Ursanne – Tariche – Soubey – Clairbief – Indeviller – Glère – St. Ursanne 49 km

Eine letzte Reise stand an. Wir hatten entschieden, diese wieder Wohnmobil-basiert auszuführen und ich hatte die Idee, mal wieder ins Jura zu fahren, also das schweiz-französische Grenzgebiet. Nicht so spektakulär wie die Alpen, aber dennoch eine sehr famose Landschaft und Gegend, wie ich auf Radtouren 1991, 1998 und 2013 schon dreimal erfahren durfte.

Samstag Mittag holten wir zunächst unser temporäres rollendes Heim von unserem Vermieter bei uns in der Nähe ab. Wir waren uns sofort alle sehr sympathisch, Vermieter, wir und das Wohnmobilchen. Schön alles besprochen, fuhren wir zunächst erst mal wieder nach Hause um unsere Habseligkeiten und Fahrräder hinein und aufzuladen.

Bei unseren ungewöhnlichen Fahrrädern mussten wir mehrere Kombinationen ausprobieren, bis die beiden auf dem Träger saßen. Deswegen war es nach 16:00, bis wir wirklich loskamen. 250 km waren zurückzulegen und der geringe Anteil an Schnellstraße verhieß noch eine recht lange Etappe.

In Waldshut ließ uns der Hunger ein Restaurant suchen. Wir fanden einen schönen Biergarten fast direkt am Rhein mit griechischer Küche. Auf das sehr gute Essen warteten wir allerdings unglaublich lange, da im Innern eine große Gesellschaft von 40 Personen vor uns dran war. Was natürlich in einem ungeduldigen Moment der Durchreise passierte und wir uns bemühe mussten, die Urlaubsgesuche Gelassenheit nicht zu verlieren.

Im letzten Abendlicht fuhren wir rheinabwärts bis kurz vor Basel. Wieder einmal eine schöne Landpartie. Um Basel schwindet die Romatik dann sehr, ein kompliziertes System von Schnellstraßen erfordert höchste Konzentration, dass man immer die richtige Spur trifft. Zum Glück war wenig los.

Im Dunkeln schließlich legten wir die letzten Kilometer Richtung Jura und Doubs-Tal zurück. Das muss bei Tageslicht auch eine sehr schöne Strecke sein – wir wollten jetzt allerdings ankommen.

Gegen halb zehn hatten wir es tatsächlich geschafft und auch gleich den Campingplatz gefunden. Ein paar freundliche Inder hatten ein Lagerfeuer gemacht, an dem wir noch ein wohlverdientes Feierabendbier genießen konnten. Sehr schön gelegen ist der Platz: fast direkt am Fluss, umgeben von bewaldeten steilen Hängen, aus denen immer wieder helle Felsen hervorblicken. Ein großes Bahnviadukt überspannt das Tal. Man hört Kuhglocken, zirpende Grillen und ab und zu das Gequak einer empörten Ente.

Bei Tageslicht – spektakulär gelegen, unser Campingplatz.

Nach ruhiger Nacht empfing uns morgens ein wenig Nebel, der das Tal in ein mystisches Licht tauchte, aber bald verschwand und einem von einzelnen Wölkchen gesprenkeltem blauen Himmel Platz machte.

Wir starteten ins Flusstal. Und schon vom ersten Augenblick an hatte man dieses Wunderschön-Gefühl. Saftig grüne Hänge, Wäldchen hier und dort, wunderhübsche meist weiß-braun gesprenkelte Kühe und rechts von uns floss friedlich grün der Doubs dahin.

So ein lauschiges Flusstal.

Das Sträßchen entfernte sich aber auch immer wieder vom Fluss. An den steilen Hängen hier bedeutete das dann immer gleich Kurbelei. Aber die Schmerzen wurden sofort mit postkartenreifen Aussichten belohnt. Und diese Ruhe allenthalben. Unfassbar schön.

So grün!

Wir erreichten ein winziges Dörfchen, Soubey. Das „Hotel du Cerf“ (also der Hirschen) war sogar offen, aber leider alles besetzt. Sowieso noch recht früh am Tag, also weiter. In Clairbief wenige km weiter sollte es die nächste Möglichkeit geben.

Aber auch dort alles voll. Da wir sowieso die größte Bergwertung des Tages hier direkt vor uns hatten, wollten wir diese erst absolvieren. Auf der Anhöhe schien es ein etwas größeres Dorf zu geben und wir hofften, dort etwas zu bekommen.

Nach fast 300 Höhenmetern zum Teil harten Gekurbels (warm war es auch noch) erreichten wir Indeviller. Leider gab es nur die Auswahl zwischen zu und zu – das Hotel de la Poste hatte offensichtlich schon lange keinen Menschen mehr bewirtet und das kleine Café, was dem Dorflädchen angegliedert war, hatte wegen Sonntag geschlossen. Oh je, und wir hatten sehr wenig Proviant mitgenommen.

Fermé, das Hotel de la Poste….

Aber dann ging es erst mal hammerhart bergab, wieder zum Doubs hinunter. Das geht deswegen, weil der Doubs bei St. Ursanne eine 180°-Kurve macht und deshalb für einige Kilometer parallel verläuft. Wir sind also vom Doubs wieder an den Doubs gefahren ohne viel Kilometer dazwischen zu haben. Ein offensichtlich sehr eigenwilliger Fluss.

In Glère gab es einen Campingplatz, der leider nichts zum Verzehren anbot. Allerdings hatte er einen kleinen Pool. Wir fragten spontan, ob wir den auch als Nicht-Camper nutzen durften, was uns die freundliche junge Platzchefin erlaubte. So hatten wir zumindest eine schöne äußere Abkühlung.

Abkühlung dans la piscine. Wonderful!

Die restlichen Kilometer nach St. Ursanne waren dann überschaubar. Allerdings bekamen wir hier auch nur noch Vesperplatte und das auch nur im zweiten Restaurant, weil die Schweizer Gastronomie flächendeckend am Sonntag nur Mittags warme Gerichte serviert. Wir waren aber ganz gut gesättigt, geht offensichtlich auch mal ohne warme Hauptmahlzeit.

St. Ursanne lohnte noch eine Schlenderrunde durch die Gassen: ein sehr schön erhaltenes mittelalterliches Städtchen hier. Natürlich auch hier überall Automobile, die die Fotos spoilern.

St. Ursanne downtown.

Die letzten Sonnenstrahlen am Ufer des Doubs ausnutzend ließen wir diesen schönen Tag ausklingen. Welcher in die Top 10 der Tourentage der letzten Jahre eingehen wird!

Strandbad am Doubs
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