Zu Gast bei Meister Secundus Minutius Hora

Tag in La-Chaux-de-Fonds, meistens zu Fuß

Oh je. Der Himmel ergoss sich noch in den frühen Morgenstunden auf dieses schöne Stück Land herab. Aber wir hatten das den Prognosen Glaubens schon geahnt und die Pläne waren daher eher urbaner Natur. La-Chaux-de-Fonds ist einer der Hauptorte der Schweizer Uhrenindustrie und die Schweiz ja bekanntermaßen für ihre Uhrmacherkünste schon seit Jahrhunderten in der ganzen Welt berühmt.

Nach trägem Start machten wir uns also zu Fuß auf nach downtown. Was hier im doppelten Sinne gilt, da das Zentrum ganze 60 Höhenmeter tiefer liegt als der übrigens sehr angenehme Campingplatz.

Nach kurzem Fußweg erreichten wir unser angestrebtes Ziel: das Uhrenmuseum. Und tauchten ein in die Welt und Geschichte der Zeitmessung. Jahrhundertealte Uhrwerke, noch mit groben Zahnrädern, die übergingen in immer kompliziertere Mechanismen von winzig kleinen hochpräzise angefertigten Teile. Prachtvolle, reich verzierte Exemplare, die von höchster Uhrmacherkunst zeugen. Ganze Automaten mit zahlreichen sich synchron bewegenden Figürchen und dazu spielende Musik. Überall ein Ticken, Surren, Bimmeln von Schlagwerken und mechanisch spielende Musik.

So ungefähr muss es bei Meister Secundus Minutius Hora aussehen.

Und allen gemeinsam das mechanische Prinzip von Unruh und Hemmung, zugrunde liegend die brachial simple Physik des Pendels. Beziehungsweise das der regelmäßigen Oszillationen von was auch immer, in der heutigen Zeit die Eigenschwingungen von Atomen, die wir in der Lage sowohl anzuregen als auch zu messen sind.

Wir verbrachten einige Zeit in diesem wirklich lohnenswerten Museum. Danach blieb noch genug Zeit, La-Chaux-de-Fonds mal ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen. Schließlich bin ich schon das dritte Mal hier, es waren aber bisher nur Stippvisiten, zu denen ich immer ein wenig einen düsteren Eindruck hatte.

Die Stadt zeichnet sich ja durch ein sehr ungewöhnliches Stadtbild aus: die Straßen sind komplett rechtwinklig angelegt, parallel zum Hang verlaufen lange Boulevards, rechtwinklig dazu stürzen die Verbindungsstraßen den Hang hinunter. Und fast sämtliche Häuser datieren auf mehr oder weniger dieselbe Epoche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da Ende des 18. Jahrhunderts ein verheerender Brand einen kompletten Neuaufbau der Stadt zur Folge hatte. Das ganze Stadtbild wurde immer sehr konsequent erhalten und jegliche Verbauung verhindert. 2019 wurde es in das Unesco-Welterbe aufgenommen.

Unendliche Straße parallel zum Hang….
…und rechtwinklig dazu stürzt es den Hang hinunter.

Man entdeckt sehr schöne alte Fassaden. Je mehr man den Hang hinauf kommt, desto mehr altehrwürdige Villen sind zu besichtigen. Durchaus schöne Ecken und Plätze sind zu finden, wenn auch die meisten Straßen vom Autoverkehr dominiert sind, stehend und fließend. Scheinbar ist die Stadt in Richtung mehr Fußgängerbereiche unterwegs, hier ist noch viel Potential.

La Grande Fontaine. Kenner erkennen, dass hier Kassiopeia ein vielfaches Denkmal gesetzt wurde.

Natürlich fehlt hier eine romantische mittelalterlich Altstadt, aber auf den (bei mir) dritten Blick ist sie auf jeden Fall sehr sehenswert und man entdeckt immer wieder interessante Ausblicke. Wir entdeckten dann schlussendlich noch einen grandiosen Italiener und befanden auch diesen Tag als sehr gelungen.

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