Über die Bieler Höhe

Ischgl – Galtür – Bieler Höhe – Bludenz 69 km 800 hm

Alles schien an diesem Morgen wiederauferstanden: die Knieprobleme des halben Teams waren weg und der Himmel war wieder blankgeputzt blau mit hübschen strahleweißen Wölkchen garniert und die Sonne schien, als wäre sie nie weggesehen. So starteten wir gut gelaunt in diesen Tag,.

So ein schönes Wetter wieder.

Und noch besser: ab Ischgl verläuft ein Radweg durchs Tal, der auf feinstem Asphalt völlig autofrei sehr lauschig zum Teil direkt am Fluss verläuft. Diese ersten Kilometer, dazu noch ziemlich flach, waren ein absoluter Genuss! Der einzige steile Stich, der uns kurz nahezu das Leben nahm, ertappte sich als zu spät gesehenes Schild, und wir durften diese Stufe wieder hinunterfallen und dem angenehmen Weg auf der anderen Seite der Straße weiter folgen.

Kurz hinter Galtür verließ uns dann der Radweg, der zum Zeinissee hinaufführt. Wir mussten wieder auf die Straße. Die aber auch nicht zu belebt war, offensichtlich waren am Vortag schon weniger motorisiert angereist. Die hohe Mautgebühren von fast 30 Euro scheint aber nur Wenige abzuschrecken. Wie war das nochmal mit dem allfälligen Gejammer über steigende Preise?

Nichtsdestotrotz rollte man durch eine erhabene Landschaft: weite Berghänge, der Baumbewuchs wird spärlicher, dafür schaut mehr und mehr Weidegetier dem Treiben auf der Passtraße zu. Alle Motorisierten sind offensichtlich im Freizeitmodus – überall wird angehalten und immer wieder neue Aussichten bewundert und vielfach fotografiert. Fast unmerklich – oder hinterlistig – zieht die Steigung der Straße an. Zur Passhöhe hin sind tatsächlich noch einmal ein paar richtig alpine Serpentinen zu überwinden. Und als ich dann feststellte, dass ich noch gar nicht in den kleinsten Gang geschaltet hatte, war mir mein eigenes Gekeuch auch recht plausibel.

So eine schöne Passstraße.

Die Passhöhe war dann doch recht schnell erreicht. Von dieser Richtung landet man an der Staumauer des Silvretta-Stausees, wo wir gut gelaunt auf der Wiese sitzend einen wohlverdienten Riegel kauten. Dann weiter zur eigentlichen Passhöhe, dort ein Foto am Geländer neben dem Hotel. Den ungläubigen Blick des Motorradfahrers, der mein Liegerad beäugte, beantwortete ich ungefragt: „Ja, ich bin mit diesem Rad hier rauf gefahren!“ Dafür machte er noch ein paar Gruppenfotos von uns, bevor wir uns wieder in Richtung Tal verabschiedeten.

Aber… Das Passhöhen-Schild kommt tatsächlich erst auf der anderen Seite nach den ersten Bergab-Meterchen. Ich brüllte noch dem Rennrad hinterher, dass hier ein Foto Pflicht sei, aber da war nichts mehr zu machen. Das Rennrad war so scharf auf den Bergabsturz in den Perlenketten-Serpentinen, dass ich nicht einmal mehr das nicht angeschaltete Rücklicht sah. Egal, vom Liegerad wurde ein Foto am Schild gemacht, und als ich dann losfuhr, hatte ich ein etwas behäbiges Wohnmobil vor der Nase.

Das Rennrad war leider schon abgefahren.

Was ich bis unten nicht mehr loswurde, aber immerhin verschaffte es mir die Möglichkeit, besagte perlenkettenartige Reihe von Serpentinen zu fotografieren, die so spektakulär selten zu finden ist. Fünf Kurvenfahrten weiter hatte ich wieder die silbergraue Wohnmobilrückwand vor mir – naja, was soll’s.

So eine schöne Passstraße.

Thea war schon lange vor mir im Tal – so einen großen Zeitunterschied hatten wir beim Bergauffahren nie herausgefahren. Kurz bevor sie sich wirklich Sorgen um mich machte, setzte ich auf der Tallandebahn in Partenen auf und wir freuten uns über die schöne Passfahrt, die wir gerade sowohl bergauf als auch bergab gehabt hatten.

Im schönen gemütlichen Partenen kehrten wir zur mittäglichen Stärkung ein und beschlossen als Tagesziel Bludenz anzusteuern. Die verbliebenen ungefähr 25 Kilometer verliefen wieder auf hervorragender Radwegführung, und in dieser Richtung ständig mit leichtem Gefälle. Daher waren wir ruckzuck in Bludenz angekommen. Und gönnten und in der schönen Innenstadt ein kühlendes Getränk.

Das Hotel stellte uns vor die letzte Herausforderung des Tages. Das Schlosshotel thront auf einem Hügel direkt über der Altstadt. Wir hatten also noch einmal wenige Minuten Gekurbel, die sich aber wegen der spektakulären Lage wirklich gelohnt hatten. Von unserem Balkon konnten wir die Aussicht auf Rätikon und Brandnertal genießen und am Abend hatte ich mich erst sattgesehen, als es absolut stockdunkel war.

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