Archiv der Kategorie: Costa a costa 2016

Auf Wiedersehen, Aragón

Hecho – Jaurriete 75 km

Der Tag begann, wie der Vortag geendet hatte. Rüber über den Rücken und auf der anderen Seite ab ins nächste Tal. Dazwischen verträumte Bergdörfer. Ein derartiges Pässlein war noch komplett innerhalb Aragón. Am nächsten Pässlein warteten enorme Schilder auf uns, die uns unmissverständlich mitteilten, dass wir uns ab jetzt in der Provinz Navarra im Baskenland befänden.


Die Straße wurde auch gleich besser. Und der erste Eindruck, als wir in das Roncal-Tal kamen: Schweiz pur. Bergwiesen, Kühe mit dieser speziellen gemütlich braunen Außenfarbe und alles wunderschön aufgeräumt und sauber. Auch die architektonische Ausgestaltung der Häuser erinnert sehr an zum Beispiel Graubünden. Bloß, dass wir weiterhin mit Euros zahlen konnten, was aber auch gut ist. Und die Sprache ist weiterhin meistens Spanisch. Alle Schilder und Aufschriften sind aber auch auf Baskisch. Diese Sprache mit viel „tx“ und „tz“ am Ende der Worte erinnert so an gar nix, am entferntesten scheint sie noch dem Klingonischen zu ähneln.

Wir verließen das Roncal-Tal, um im nächsten verfügbaren Tal wieder gen Norden weiter zu fahren. Wieder ein sehr gemütliches kleines Nebensträßchen, hier allerdings mit sehr rütteligem Asphalt. Am Ende des Tals lag ein Dorf – Vidángoz, was wir mit Mittagspausenhunger erreichten. Ob es hier mehr als einen Zigarillo gäbe? Ja, eine Bar mit Bocadillo-Service war am Platz und der nette Mensch, den ich gefragt hatte, hatte die Barista schon auf unseren Hunger vorbereitet. Wir bestellten Schinken-Bocadillo. Wenig später kam die nette Frau Barista mit den längsten Schinkenbrötchen, die ich mir überhaupt vorstellen könnte, zurück. Gefühlt hatte jeder von uns einen halben Meter vor sich. Das Brot war frisch und gut, der Schinken kross angebraten und der hungrige Radlermagen außerordentlich effizient gefüllt, als wir uns beide zum Ende durchgebissen hatte.

Danach wieder das bekannte Schema: Bergrücken und Übergang ins nächste Tal, das Salazar-Tal. Heute auch wieder recht warm und schwül, aber ein freundlicher Wind begleitete uns und schob uns so manches Stückchen.

Der freundliche Wind schob uns weiter in dieses Tal hinein. Eine Tankstelle bot uns die gesuchte Landkarte für die letzten Etappen und ein Eis, was wir stilecht auf dem Randstein neben der Zapfsäule im Schatten sitzend vernichteten.

Danach wäre eigentlich ein geeigneter Etappenzielort auf dem Weg gelegen, aber es war eigentlich noch zu früh und trotz drei absolvierten Monsterhügeln waren die Schinkenbrote noch nicht ganz durch.

Man sollte meinen, dass sich der Tag jetzt unspektakulär zur Ruhe legen sollte. Aber weit gefehlt, es passierten durchaus noch außergewöhnliche Dinge! Zunächst stellten wir fest, dass wir inmitten eines Ausflugs eines lokalen Porsche-Clubs gelandet waren. Die letzten zwei Kilometer wir unserem letzten Abzweig würden wir zahlreich unangenehm laut von zahlreichen dieser Automobile überholt. Schön war dann allerdings, dass am letzten Abzweig Polizei stand und den Korso aufhielt und wir mit süffisantem Grinsen an einigen Vertretern dieser Zunft wieder vorbeifuhren. 

Den Grund des Polizeiaufgebots erfuhren wir, als wir unsere letzten 5 Bergauf-Kilometer eben rum hatten. Immer noch mehr Polizeimotorräder tauchten auf der Gegenspur auf. Ein motorradfahrender Polizist hielt uns schlussendlich auch zurück und murmelte etwas von „Vuelta Navarra“. Und siehe da, wir waren mitten in ein zumindest lokal bedeutendes Radrennen  geraten und standen just am Ende einer deutlichen Bergwertung. Haufenweise Helden in buntem Lycra hasteten vorbei nebst Tross aus Begleitfahrzeugen. Die recht große Anzahl an Radlern wies auf eine nicht unbedeutetende Veranstaltung hin.


Darüberhinaus findet in unserem Übernachtungsort morgen ein Mountainbikerennen statt. Im Restaurant, in dem wir eben verköstigt wurden, saß ein ganzes Paket sowohl von Mountainbikern als auch von den bunten Rennradhelden des Nachmittags. Darunter offensichtlich sogar der Gewinner der ersten Etappe. Was für eine Radlerparty!

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Zurück nach Spanien

Collioure – Figueres 67 km

Der Tag begann mit deutlichen Hügeln – genauer gesagt, den östlichen Ausläufern der Pyrenäen, die hier final als eindrucksvolle Klippen ins Mittelmeer hinabstürzen. Eine wunderschöne Küstenstraße führte uns hinauf in die Klippen und immer wieder hinunter in die Küstenorte. Mal auf der Bundesstraße mit meistens einigermaßen annehmbarem Verkehr, mal wunderschön ruhig auf ausgedienter Straße mit kräftigen Steigungen und zum Teil gefühlt metertiefen Schlaglöchern, die jedoch gut umschifft werden konnten.

Nicht sehr steil, aber sehr schön.

Nicht sehr steil, aber sehr schön.

An einer der ersten Steigungen war ich übermütig und nahm es mit zwei uns überholenden Rennradlern auf. Als Resultat warteten John (Engländer) und Guy (Franzose) nach der Abfahrt auf uns im nächsten Küstenort und luden uns zum Kaffee ein. Eine sehr nette Begegnung internationaler Radlerformationen.

Wir passierten die Grenzorte Cerbère und Portbou. Diese Orte sind inzwischen sehr verlassen, riesige Gleisfelder zeugen von einst reger Eisenbahnvergangenheit. Heute braucht man diese Infrastruktur offensichtlich nicht mehr – die reisenden Menschen sind im Flugzeug und die zu transportierenden Güter im LKW. Die Orte machten einen entsprechend tristen Eindruck.

Immerhin über 200 Meter!

Immerhin über 200 Meter!

Nach diversen Minipässen zum Teil mit Schild wählten wir einen Ort namens Colera für die Mittagspause. Wir fanden dort eine sehr mediterrane Piazza mit einer Bar, in der man Bocadillos bekam. Genau richtig für den Radler-Mittagshunger. Man musste zwar ein wenig Geduld aufbringen, denn so schnell die Lady dieses Etablissements Spanisch sprach, so langsam wurden die Bestelleungen abgearbeitet. Deutsche Eile und Effizienz ist hier nicht, aber es tut gut, sie etwas hinter sich zu lassen.

Noch ein Hügel wartete auf uns. Immer noch auf der Bundesstraße, die hier auf der spanischen Seite zum Teil extrem wenig befahren war und jetzt ein wenig mehr Verkehr aufwies. Immer jedoch mit ordentlich breitem Seitenstreifen und in den allermeisten Fällen wurden wir mit extrem viel Sicherheitsabstand überholt. Ein Busfahrer wartete einmal so geduldig, bis er Platz zum Überholen hatte, dass sich eine eindrucksvolle Schlange an Autofahrern dahinter angesammelt hatte.

Der ursprüngliche Plan des Tages wäre Girona gewesen, was aber fast 100 km bedeutet hätte. Da uns das Küstengehügel doch ziemlich aufgehalten hatte (insgesamt über 1000 hm kamen dort zusammen), entschieden wir, die Etappe kürzer zu machen und Figueres als Übernachtungsort anzusteuern.

Was sich als eine sehr gute Entscheidung herausstellte. Wir fanden ohne Anstrengung ein günstiges wenngleich sehr schönes Hotel an den Ramblas (gegenüber denen in Barcelona eher putzig klein),  hatten einen ausgiebigen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt, konnten das Dali-Museum zumindest von außen bewundern und hatten ein schönes Restaurant an einem gemütlichen Platz, wo wir für einen sehr guten Preis genug zu essen und trinken bekamen. Nicht zu vergessen das Honig-Walnuss-Crèpe, was es an der Ecke am Dali-Museum zum Nachtisch gab.

Ein neues Abenteuer: Costa a costa in den Pyrenäen

Ein neues europäisches Radabenteuer beginnt heute. Die Reise soll vom Mittelmeer bis zum Atlantik auf der südlichen, also spanischen Seite der Pyrenäen führen. Morgen am frühen Nachmittag werde ich  – falls uns das Schicksal nicht böse in die Parade fährt – in Perpignan am Bahnhof von Graham empfangen, der bis dorthin fast zwei Tage von seiner südwestenglischen Abgeschiedenheit unterwegs ist.

Ich selbst werde heute Abend hoffentlich mit meinem Fahrrad nach Barcelona fliegen, dort mitten in der Nacht mitten in der Stadt hoffentlich mein gebuchtes Hostal finden wo man hoffentlich irgendwie mein Fahrrad unterbringen kann und ich bei der ganzen Aktion hoffentlich nicht durch böse gesinnte Menschen wie auch immer zu Schaden komme.

Die Zugfahrt nach Perpignan morgen erscheint da als leichte Übung. Um etwa zwei Uhr findet am Bahnhof die Reunion mit Graham statt. Von dort werden wir am Nachmittag lässige 30 km mit einer Überquerung eines ersten von den Pyrenäen an die Mittelmeerküste gestellten Hügelchen zurücklegen. Der morgige Zielort wird Collioure sein – das sah auf Google Maps einfach sehr hübsch aus. Außerdem hält sich der kulturbeflissene Tourist gerne dort auf, gilt das Dorf doch als Wiege des Fauvismus in der Malerei.