Archiv der Kategorie: Radtour

London per Rad

24.5.2017

Der erste Tag der Reise war als Städtebesichtigung und -cruising geplant. Nachdem wir in einem hübschen Kaffee mit rosenbewachsener Terrasse gefrühstückt hatten, brachen wir per Rad auf. Swens erste Skepsis gegenüber der Bewegung innerhalb Londons mit dem Rad hatte sich mit der Fahrt vom Flughafen am Vortag gelegt, als wir das Stadtzentrum gut und fast ausschließlich auf vernünftigen Radwegen erreicht hatten. Besonders bemerkenswert sind die neuen Cycle Super Highways – hier wurde zum Teil die halbe Straße, z. B. an der Themse entlang abgetrennt und fast kreuzungsfrei für die Radler eine neue Trasse gebaut. Sogar mit Ein- und Ausfädelspuren, wie auf einer Autobahn eben. Das Tempo ist aber auch dementsprechend, ein großer Teil der wahren Radlermassen ist mit dem Rennrad unterwegs und der Rest heizt auch gewaltig die flachen Strecken entlang.

Wir bewegten uns langsam Richtung Osten und erreichten bald die „Mall“ vor dem Buckingham Palace. Siehe da, alles abgesperrt – die achtspurige Straße völlig befreit von automobilem Verkehr, nur Fußgänger und schmale Fahrradfahrer gelangten durch die massiven Absperrtore, die Fußgänger blieben jedoch hinter den Gattern auf dem Pavement. Ich folgte einem Radler, der auf der abgesperrten Straße zügig davon fuhr. Wir hatten es auf unserer Besichtigungstour nicht sehr eilig und bummelten die autoleere Prachtparade entlang. Eigenartigerweise schien sich keiner der zahlreich vorhandenen Polizisten für unsere Anwesenheit zu interessieren. Sodass wir sogar noch ein Actionfoto machen konnten – Queen Dagmar rollt auf der Mall von Buckingham Palace herunter.

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Dann hupte uns aber ein rasendes Polizeiauto vom Boulevard. Wir retteten uns auf die Seite, und – Sekunden später rauschte ein Rolls Royce vorbei, darin sitzend die Queen im grünen Kostüm nebst ihrem Gatten. Sozusagen in Spuckentfernung an uns vorbei.

Wir drehten noch diverse Runden an allen möglichen zu besichtigenden Monumenten und an kilometerweite im Stau stehenden Bussen, Taxis und sonstigen Fahrzeugen vorbei, bis wir schließlich ein wenig urban ermattet im Hyde Park landeten und uns dort Liegestühle mieteten. Ein sehr empfehlenswerter Ruhepunkt dieser völlig ruhelosen Großstadt.

Als letzten Besichtigungsprogrammpunkt machten wir noch einen Abstecher nach Little Venice. Ein Kleinod englischer Kanalidylle, und das in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Paddington.

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Und am Ende des Tages waren auf diese Art und Weise über 40 km auf dem Kilometerzähler zusammen gekommen. Auf jeden Fall eine sehr empfehlenswerte Art und Weise, um London kennen zu lernen. Man sieht enorm viel und läuft sich nicht die Füße rund!

 

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England calling

23.05.2017

Es war doch wieder Mai geworden. Und somit die Zeit für die erste große Reise des Jahres gekommen. England sollte wieder einmal das Ziel sein; das Mittel, um dort herumzukommen, wieder einmal das Fahrrad. Also wieder nichts mit Lamborghini am Lido.

Und auch für diese Reise musste erneut sorgfältig geprüft werden, wie das Fahrrad an den Zielort zu transportieren wäre. Da British Airways immerhin keine Extragebühren für die Fahrradmitnahme erhebt und der Transfer an den Flughafen Zürich von uns aus mit Fähre und Zug ziemlich problemlos ist, hatte ich mich für diese Variante entschieden.

Das Ziel einer Anreise ist ja einerseits immer das zu erreichende Reiseziel selbst. Selbstverständlich. Das zweite aber möglichst zu erreichende Ziel ist die tiefe Entspannung, weil alle Teile der Reise in der geplanten und gedachten Art und Weise stressfrei funktionieren.

Die Fährefahrt in die Schweiz erfüllte dieses Kriterium problemlos. Der Puls verließ allerdings das stressfreie Level etwas, als ich feststellte, dass unsere sündhaft teuren Velo-Tageskarten für die Schweizer Bahn zwar sehr praktisch auf meinem Handy gekauft und bereit waren, allerdings hatte ich das schon am Vortag getan und für die Fahrradkarten hatte ich übersehen, das Gültigkeitsdatum entsprechend anzupassen. 40 Schweizer Franken waren also im ungünstigsten Fall für ein bereits abgelaufenes Ticket bezahlt worden. Wir hatten es allerdings ausschließlich mit gnädigen Kontrolleuren zu tun, die meinen Reinfall in die Tücken der Technik akzeptierten.

Am Flughafen Zürich hatten wir sehr viel Zeit eingeplant. Bei Ankunft konnten wir noch nicht einmal unser Flug auf der Abflugtafel sehen, sodass wir uns zunächst noch etwas stärkten. Bis ich auf die Idee kam, mich umzuschauen. Der Flughafen Zürich ist zwar nicht sehr groß, mehrere Terminals hat er aber schon. Und siehe da, wir mussten auf ein anderes Terminal. Hier war der Flug auch schon ausgeschrieben. Also zum Checkin.

Bis die Räder dann eingepackt waren, verging dann doch einige Zeit. Darüberhinaus erweckte unsere Art der Verpackung das Misstrauen des Flughafenpersonals. Wir hatten große kräftige Plastikbeutel besorgt, wie sie von der British Airways empfohlen und akzeptiert waren. Nicht jedoch vom Züricher Flughafenpersonal. Man kann hier einen Velokarton erwerben und das erwartet man hier auch. Blöderweise kann man das nicht in London und einen solchen Karton während der Fahrradtour mitzuschleppen ist doch sehr unrealistisch. Aber – wieder etwas gelernt: nicht nur die Airline bestimmt, wie etwas im Flieger mitgenommen wird, sondern in erster Linie der Flughafen. Nachdem noch der Supervisor gerufen wurde, und wir unsere im Beutel verpackten Räder auf eigene Verantwortung so aufgeben durfte, war nicht mehr so viel Zeit übrig.

Also dann hopphopp zum Securitygate. Viel los. Und was passierte? Natürlich, wenn man knapp dran ist, ist unter Garantie ein Problemfall vor einem. Ein Inder mit einem Koffer voller flüssiger Inhalte. Und aufgerissene Duty-Free-Verpackungen. Sein komplettes Handgepäck wurde auseinander genommen und er schließlich wieder zum Checkin geschickt. Und – oh nein – ich selbst hatte vergessen, das Kettenspray aus der Fahrradtasche zu nehmen. Also musste diese ebenfalls entleert werden. Ich durfte wenigstens alles mitnehmen, aber wir sind dann doch zum Gate gerannt. Der Puls erreichte dort allerdings wieder fast normales Niveau, hatte unser Flieger doch eine Viertelstunde Verspätung. Und wir wären eben so pünktlich gewesen.

Der Flug nach London war kurz und ereignislos. Nicht einmal zum Trinken und Essen gibt es etwas ohne dafür zu bezahlen. In Heathrow angekommen waren recht bald unsere völlig unversehrten Fahrräder da und wir konnten ins Freie entkommen. Wir nahmen nämlich unsere Räder, um nach London zu kommen, hatten wir doch einen ganzen Nachmittag dafür.

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Wir fanden sogar einen Ausgang mit angeschlossenem Fahrradweg. Meine zuvor installierte britische Fahrrad-Navi-App wies uns auch eindeutig in eine Richtung. Bald waren wir an einer vierspurigen Straße unterwegs, deren Schilder die richtige Richtung bestätigten. Alles auf einem zwar mitunter holprigen, aber durchgängigem Radweg.

Irgendwann kreuzte diese Straße den Grand Union Canal. Wir entflohen dem großstädtischen Verkehrslärm und fanden uns in einer idyllischen anderen Welt wieder. Irgendwann kamen wir an die Themse, dort war auch gemütliches Weiterradeln. Schlussendlich passierten wir Hyde Park und Buckingham Palace und fanden uns auf dem brandneuen Cycle Superhighway wieder. Tolle Sache, so kommt man am allerschnellsten voran in London, was wahre Radlermassen bestätigten.

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Unsere im Voraus gebuchte Unterkunft erwies sich aber noch als etwas hakelig zu finden. Das Haus an sich hatten wir uns ja schon auf Google Maps angeschaut. Ein türkisches Restaurant war dort im Erdgeschoss. Dort fragte ich auch gleich nach den gebuchten Zimmern und ob wir unsere Fahrräder irgendwo im Innern des Hauses unterstellen konnten. Sehr freundlich bot man uns an, die Fahrräder im Restaurantbereich abzustellen als sich herausstellte, dass die Restaurantmenschen gar nichts mir der Unterkunft im selben Haus zu tun hatten, sondern uns sofort die Speisekarte unter die Nase hielten und uns ihr Essen verkaufen wollten. Immerhin könnt ich ihnen noch den Hinweis entlocken, dass man wegen der Unterkunft am besten an der Hotelrezeption ein paar Häuser weiter fragen solle.

Wie sich herausstellte, hatte auch dieses Hotel nichts mit der Unterkunft zu tun, das sehr nette Mädchen war aber unglaublich hilfsbereit, weil wohl ständig Gäste dieser ominösen Unterkunft vorbei kamen, die nicht wussten, wie sie zu ihrem Zimmer kommen. Sie wies uns an, unsere Email zu checken. Dort war ein vierstelliger Code für die Öffnung einer Tür (eine weitere Tür ein paar Häuser wieder zurück) enthalten. Sie begleitete uns dorthin und wir fanden einen Briefumschlag mit unserem Namen und ein paar Schlüssel, die nun wiederum für die Seitentür von Gebäude 1 (türkisches Restaurant) und unser Zimmer waren. Dort war nirgends etwas von Personal zu spüren oder zu hören, wir bezogen einfach unser im Voraus gebuchtes Zimmer. Ein Hostel der Minus-Drei-Sterne-Klasse, nun ja, und akustisch gefühlt mitten auf der viel befahrenen Kreuzung. Aber immerhin: angekommen, wenn auch nicht ganz tiefenentspannt.

Unterkunft: Destination 43, 43 commercial street, Tower Hamlets, London

Zurück nach Spanien

Collioure – Figueres 67 km

Der Tag begann mit deutlichen Hügeln – genauer gesagt, den östlichen Ausläufern der Pyrenäen, die hier final als eindrucksvolle Klippen ins Mittelmeer hinabstürzen. Eine wunderschöne Küstenstraße führte uns hinauf in die Klippen und immer wieder hinunter in die Küstenorte. Mal auf der Bundesstraße mit meistens einigermaßen annehmbarem Verkehr, mal wunderschön ruhig auf ausgedienter Straße mit kräftigen Steigungen und zum Teil gefühlt metertiefen Schlaglöchern, die jedoch gut umschifft werden konnten.

Nicht sehr steil, aber sehr schön.

Nicht sehr steil, aber sehr schön.

An einer der ersten Steigungen war ich übermütig und nahm es mit zwei uns überholenden Rennradlern auf. Als Resultat warteten John (Engländer) und Guy (Franzose) nach der Abfahrt auf uns im nächsten Küstenort und luden uns zum Kaffee ein. Eine sehr nette Begegnung internationaler Radlerformationen.

Wir passierten die Grenzorte Cerbère und Portbou. Diese Orte sind inzwischen sehr verlassen, riesige Gleisfelder zeugen von einst reger Eisenbahnvergangenheit. Heute braucht man diese Infrastruktur offensichtlich nicht mehr – die reisenden Menschen sind im Flugzeug und die zu transportierenden Güter im LKW. Die Orte machten einen entsprechend tristen Eindruck.

Immerhin über 200 Meter!

Immerhin über 200 Meter!

Nach diversen Minipässen zum Teil mit Schild wählten wir einen Ort namens Colera für die Mittagspause. Wir fanden dort eine sehr mediterrane Piazza mit einer Bar, in der man Bocadillos bekam. Genau richtig für den Radler-Mittagshunger. Man musste zwar ein wenig Geduld aufbringen, denn so schnell die Lady dieses Etablissements Spanisch sprach, so langsam wurden die Bestelleungen abgearbeitet. Deutsche Eile und Effizienz ist hier nicht, aber es tut gut, sie etwas hinter sich zu lassen.

Noch ein Hügel wartete auf uns. Immer noch auf der Bundesstraße, die hier auf der spanischen Seite zum Teil extrem wenig befahren war und jetzt ein wenig mehr Verkehr aufwies. Immer jedoch mit ordentlich breitem Seitenstreifen und in den allermeisten Fällen wurden wir mit extrem viel Sicherheitsabstand überholt. Ein Busfahrer wartete einmal so geduldig, bis er Platz zum Überholen hatte, dass sich eine eindrucksvolle Schlange an Autofahrern dahinter angesammelt hatte.

Der ursprüngliche Plan des Tages wäre Girona gewesen, was aber fast 100 km bedeutet hätte. Da uns das Küstengehügel doch ziemlich aufgehalten hatte (insgesamt über 1000 hm kamen dort zusammen), entschieden wir, die Etappe kürzer zu machen und Figueres als Übernachtungsort anzusteuern.

Was sich als eine sehr gute Entscheidung herausstellte. Wir fanden ohne Anstrengung ein günstiges wenngleich sehr schönes Hotel an den Ramblas (gegenüber denen in Barcelona eher putzig klein),  hatten einen ausgiebigen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt, konnten das Dali-Museum zumindest von außen bewundern und hatten ein schönes Restaurant an einem gemütlichen Platz, wo wir für einen sehr guten Preis genug zu essen und trinken bekamen. Nicht zu vergessen das Honig-Walnuss-Crèpe, was es an der Ecke am Dali-Museum zum Nachtisch gab.

Ein neues Abenteuer: Costa a costa in den Pyrenäen

Ein neues europäisches Radabenteuer beginnt heute. Die Reise soll vom Mittelmeer bis zum Atlantik auf der südlichen, also spanischen Seite der Pyrenäen führen. Morgen am frühen Nachmittag werde ich  – falls uns das Schicksal nicht böse in die Parade fährt – in Perpignan am Bahnhof von Graham empfangen, der bis dorthin fast zwei Tage von seiner südwestenglischen Abgeschiedenheit unterwegs ist.

Ich selbst werde heute Abend hoffentlich mit meinem Fahrrad nach Barcelona fliegen, dort mitten in der Nacht mitten in der Stadt hoffentlich mein gebuchtes Hostal finden wo man hoffentlich irgendwie mein Fahrrad unterbringen kann und ich bei der ganzen Aktion hoffentlich nicht durch böse gesinnte Menschen wie auch immer zu Schaden komme.

Die Zugfahrt nach Perpignan morgen erscheint da als leichte Übung. Um etwa zwei Uhr findet am Bahnhof die Reunion mit Graham statt. Von dort werden wir am Nachmittag lässige 30 km mit einer Überquerung eines ersten von den Pyrenäen an die Mittelmeerküste gestellten Hügelchen zurücklegen. Der morgige Zielort wird Collioure sein – das sah auf Google Maps einfach sehr hübsch aus. Außerdem hält sich der kulturbeflissene Tourist gerne dort auf, gilt das Dorf doch als Wiege des Fauvismus in der Malerei.

Am Main

Wieder einmal Seminar in Lohr. Was ja bekanntermaßen am Main liegt. An dem ein Radweg entlang führt, der mir wärmstens empfohlen wurde. So entstand der Plan, den Anreisesonntag auf einem Teilabschnitt des Mainradwegs für ein wenig Radtour zu nutzen.

Als Startort wählte ich Ochsenfurt. Auch für diesen Ort wird ein Besuch wärmstens empfohlen wegen der außerordentlich pittoresken Altstadt. Darüber hinaus findet man von der Heimat Zugeverbindungen, die zu einigermaßen christlichen Zeiten anzutreten sind und dennoch einen ganzen Nachmittag Zeit lassen für derartige Aktivitäten.IMG_1392

Die Bahnanreise gestaltete sich fast komplett tiefenentspannt. Ich musste sogar an den zumeist nicht barrierefreien Bahnhöfen nicht einmal den Bahnsteig wechseln. Einzig der Ausstieg aus dem IC in Ansbach gestaltete sich etwas hektisch, da ich von der Ankunft im Bahnhof überrascht wurde und mal eben durch sechs Waggons hechten muste, um außer mir auch noch mein Fahrrad rechtzeitig aus dem Zug zu bekommen.

Ochsenfurt ist in der Tat ein sehr hübsches Städtchen. Bevor ich mich auf die Strecke setzte, mäanderte ich noch ein Weilchen durch die Gassen.

IMG_1384Dann aber ab auf die Piste. Gleich gefunden, da vorbildlich beschildert. Ich hege ja gewisse Ressentiments gegenüber Fernradwegen: oft seltsame Streckenführungen gepaart mit immer wieder ruppigen Oberflächen. Aber der hier: exzellent! Meistens flauschiger neuer Flüsterasphalt, direkt am Fluss gelegen und fast komplett autofrei. Fast schon ein Bicycle Super-Highway, weil auch breit genug, dass man immer eine Überholspur hat.

Landschaftlich ebenfalls sehr lohnend, immer wieder nette Orte mit putzigen Kirchtürme. Sehr schön, dieses Franken.

IMG_1403Die Mittagspeisung nahm ich in der „Goldenen Gans“ in Würzburg ein. Allerdings gab es an Geflügel nur Huhn und nicht etwa Gans, wie der Name vermuten hätte lassen. Ein schön schattiger Biergarten direkt am „anderen“ Ufer des Mains gelegen, dafür mit Blick auf die Altstadt. Und direkt an einer Schleuse, in die sich auch live eines der Mainschiffe hinein versenkte. Spektakulär, weil es gerade so in die Schleusenkammer passte ohne an die Wände zu schrammen.

IMG_1404Bis Zellingen waren die visuellen Eindrücke sehr stark eingeschränkt auf das Hinterrad meines Vordermannes. Ich hatte mich in den Windschatten eines Dreiergrüppchen netter älterer Herren auf dem Rennrad gehängt. Dafür war meine Klingel mitunter sehr brauchbar – auch an diesen Rennrädern waren die Klingeln eingespart worden und die netten älteren Herren versuchten sich sonst immer, durch Pfeifen bemerkbar zu machen.

IMG_1409Vor Gemünden beschreibt der Main eine deutliche Linkskurve wieder Richtung Süden. Er ist hier deutlich zwischen den Spessarthügeln eingeschnitten. Landschaftlich auf diesem Streckenabschnitt der schönste Abschnitt.

Ein bisschen Abkühlung von oben war gegen Ende der Etappe im Programm. Einen kurzen, aber kräftigen Schauer wetterte ich in den Rathausarkaden von Gemünden ab. Die letzten Kilometer bis Lohr waren von leichtem Getröpfel begleitet. Bei den momentanen Temperaturen aber eher Segen denn Fluch.

Sehr empfehlenswert, der Main-Radweg!

Operation Alpensturm: Teil 5 – Ausrollen

Immerhin hatte ich den Albula heute morgen noch einmal. Bei schönstem Sonnenschein. Allerdings mit dem geliehenen Automobil unserer unglaublich netten Hoteliers des „Weißen Kreuz“in Bergün, die sich wunderbar für meinen stehen gelassenen Rucksack engagierten. Und tatsächlich war er noch oben auf dem Hospiz, die Wirtsleute hatten ihn sicherheitshalber ins Haus gestellt und waren dann zum verdienten Feierabend ins Tal gefahren. Ich ließ unseren Hotelleuten selbstverständlich ein großzügiges Sprit-Trinkgeld da.

Heute morgen am Albula - den gibt es auch in schönem Wetter.

Heute morgen am Albula – den gibt es auch in schönem Wetter.

Etwa eine Stunde später als üblich – immerhin schlussendlich nicht mehr – starteten wir. Die Richtung heute war nur noch abwärts – zunächst ins Rheintal nach Thusis, von dort weiter nach Chur, von dort jeder mit seinem Zug nach Hause.

Bis Thusis verläuft die nationale Radroute durch das Tal der Albula. Ein schönes Tal, teilweise durch eine spektakulär enge Schlucht. Allerdings gibt es oft nur die Hauptstraße, auf der auch die Radroute entlang führt, was trotz des nicht übermäßigen Verkehrs doch recht stressig ist. Man konnte das schöne Tal also nur wenig genießen. Hinter Alvaschein muss man sich sogar zwei ausreichend lange Tunnels mit allem restlichen Verkehr teilen. Wer das schon mal mit dem Fahrrad gemacht hat, weiß: Vorhof der Hölle ist akustische Wellness gegen das Gebrüll von LKWs und Motorrädern im Tunnel.

Bei Thusis wird der Hinterrhein auf enger schwankender Hängebrücke gequert. Also ich habe drüber geschoben 😉 Danach verläuft die Radroute 6 weiter Richtung Chur auf Wirtschaftswegen. Oft trotz Asphalt ein sehr schlechter Belag – da geht noch was, Graubündner!

Auf den so genannten „Polenweg“ kurz vor Chur verzichteten wir zugunsten der anderen Talseite. Auf dem Foto sah das auch sehr nach grobem Schotter durch steilen Wald aus. Nix für meine dünnen Schleicherpneus. Also linksrheinisch auf die Veloroute 2 gewechselt, noch mal in Tamins ein paar Bonus-Höhenmeter herausgekurbelt und dann auf gutem Asphalt verkehrsfrei bis Chur gerollt.

Dort trennten mein Begleiter und ich uns ohne großes Federlesens. Es blieb nur noch die Zugfahrt ganz nach Hause übrig. Diese verlief in meinem Fall sehr entspannt. Und so wurde die Operation Alpensturm beendet. Großartig war das.

 

Operation Alpensturm: Teil 4: Ofenpass und Albulapass

Man gewöhnt sich ja so langsam. Bergauf kurbeln, bergab laufen lassen. Und obwohl der heutige Tag höhenmäßig fast noch mehr Arbeit als gestern war, war er um einiges weniger spektakulär.
Wir starteten bei schönstem Sonnenschein aus St. Maria in westliche Richtung den Ofenpass hinauf. Ruhige Straße mit wenigen Motorrädern, die sich alle ganz brav benahmen. Einzig und allein (wieder) offensichtlich der Club englischer Nobelkarossenfahrer unter einem Höllenlärm und zum Teil mit verdammt wenig Abstand überholend war ein wenig lästig. Da fragt man sich, was schlimmer ist: brüllende einfamilienhausteure Flachkarossen oder Motorradfahrer-Pulks.
Bald war der Ofenpass erreicht, nur 700 Höhenmeter – was fürs Frühstück ;-). Wenig einladend, die Passhöhe – wir fuhren bis Il Fuorn ab, wo wir auf schöner Terrasse eine Bündner Gerstensuppe bekamen.
Ein kleiner Gegenanstieg bis Ova Spin war noch geboten, aber bald war das Inntal wieder erreicht. Dort nahmen wir zunächst brav die Radroute, die sich aber als unangenehmer Schotterweg durch den Wald mit lauter Bonus-Höhenmetern herausstellte. Und von oben sah man die fast nicht befahrene Landstraße. Die wir bei der nächsten Gelegenheit nahmen.
Ab Zuoz kann man dann sogar ein kleines paralleles Sträßchen nehmen, was einen im Gegensatz zur Radroute auch noch mitten durch die schönen Engadiner Orte führt. Manche Radroutenplanungen sind einfach nicht zu verstehen.
Je eine Vesper- und Kaffeepause später war es immer noch früh am Tag und der Begleiter war wild entschlossen, auch noch den Albulapass unter die Räder zu nehmen. Ob der sehr dunklen Schauerwolken sah ich dem Vorhaben etwas skeptisch entgegen.
Aber ein sehr schöner Pass. Verkehrstechnisch der ruhigste der Tour. Man sieht schon von Weitem die mächtigen Schutthalden der Bergkette, die das Hochplateau nördlich begrenzt.
Ziemlich oben machten die Wolken dann doch noch ihr Schleusen auf. Hektisch das Regenzeug angezogen und schnell-schnell nach unten gefahren und unten gemerkt, dass der Rucksack noch oben steht. So original passiert 2003 am Col du Lautaret. Mit demselben Begleiter – also kanns ja nur an dem liegen? 😉
Die netten Hotelleute kümmerten sich super hilfsbereit gleich und fuhren sogar kurz rauf. leider war er nicht mehr an dem Ort, wo ich ihn abgestellt hatte. Jetzt müssen wir warten, bis das Hospiz morgen wieder besetzt ist – vermutlich (hoffentlich) hat ihn die Wirtin sicherheitshalber mit reingenommen. Zum Glück ist nur wenig Geld im Geldbeutel und alle wichtigen Gerätschaften nicht dort drin…

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