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Indien 2007 – Agra und das Taj Mahal (Teil 7)

16. September 2007: Und schon hat mich Deutschland wieder. Wie immer gehen die letzten Tage sehr schnell um. Heute morgen um halb zehn bin ich in Köln angekommen. Köln erscheint mir im Vergleich zu Delhi und Agra so angenehm still, das verstärkt noch meinen momentanen Eindruck wie in Watte gepackt zu sein. Ich habe im Flieger natürlich nicht schlafen können und bin ziemlich müde. Gestern morgen sind wir noch durchs Taj Mahal geschlendert und das kommt mir fast unwirklich vor. Die letzten zwei Tage waren ganz schön stressig aber haben sich dennoch gelohnt. Der Flug von Leh nach Dehli ging ziemlich früh und wir konnten mit dem Bus direkt weiter nach Agra fahren, das etwa 200km von Dehli entfernt ist. Da die Straße hier gut ausgebaut ist, dauerte die Tour auch nur etwa sechs Stunden. Kurz vor vor Agra liegt Fathepur Sikri, ehemalige Hauptstadt des Mogulherrschers Akbar (16 Jhd.) mit einem wunderschönen Palastkomplex aus rotem Sandstein und einer Moschee. Einziger Wermutstropfen bei diesem Zwischenstopp waren die extrem penetranten Souvenierverkäufer und potentiellen Fremdenführer, die sich permanent aufgedrängt haben, dass man sich kaum etwas in Ruhe ansehen konnte. Besonders geduldig oder ausdauernd waren wir alle nicht mehr nach dem langen Tag und ich glaube nicht nur ich war froh, wieder im Bus zu sitzen.

Fatehpur Sikri

Fatehpur Sikri

Nach einem ruhigen Abend im Hotel ging es wiederum früh los. Um genug Zeit für das Taj Mahal zu haben, sind wir noch vor sechs Uhr aufgebrochen. Nach dem Erlebnis von Fatehpur Sikri hatte ich schon Angst, dass es am Taj Mahal auch so hektisch und überfüllt sein könnte. Aber es scheint dort nicht jedem erlaubt zu sein, seine Dienste anzubieten, außerdem muss man Eintritt bezahlen und daher gibt es Einlasskontrollen. Die wenigen Touristen, die so früh am morgen da waren, verliefen sich ebenfalls auf dem großen Gelände. Wir hatten eigentlich darauf gehofft, einen schönen Sonnenaufgang zu erleben – früh genug waren wir ja – aber leider spielte das Wetter nicht mit. Aber auch bei grauem Himmel ist das Taj ganz schön beeindruckend, wie auch die ganze Anlage mit den Nebengebäuden und Gärten, in der wir einige Stunden verbracht haben.

Am Taj Mahal

Am Taj Mahal

Danach sind wir dann erst einmal in Ruhe Frühstücken gegangen. Unser Reisebegleiter hatte uns ein schönes Restaurant mit Dachterrasse empfohlen, auf der wir uns von unseren Strapazen erholen konnten. Zwei Tage hintereinander um fünf Uhr aufstehen ist ganz schön anstrengend. Eigentlich hätten wir uns noch das rote Fort von Agra ansehen können, die Rikshafahrer waren gebucht, aber irgendwie war bei uns allen die Luft raus. Wir haben es daher vorgezogen, zum Hotel zurückzufahren und uns noch ein paar faule Stunden zu gönnen, bevor wir uns wieder sechs Stunden in den Bus setzen mussten, um zum Flughafen nach Delhi zu kommen. Ein unglaublicher Urlaub geht zu Ende. Ich bin etwas wehmütig, dass die dreieinhalb Wochen so schnell verflogen sind, aber ich freue mich auch, wieder zu Hause zu sein und meine ganzen Eindrücke, Erlebnisse und Bilder zu sortieren. Definitiv eine Reise, von der ich viel erzählen kann!

Irgendwie bekommt man hier alles von A nach B

Irgendwie bekommt man hier alles von A nach B

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Indien 2007 – Trekking in Ladakh (Teil 6)

wunderschöne Ausblicke wie diese können wir während der Wanderung genießen

Wunderschöne Ausblicke wie diese konnten wir während der Wanderung genießen

7. bis 12. September 2007: Am ersten Trekkingtag ging es noch erst ganz gemütlich mit dem Jeep los bis – Überraschung! – zu einem Kloster (Likir). Dessen herausstechenstes Merkmal ist eine riesige Buddha Statue neben dem Kloster. Sie ist erst wenige Jahre alt, was sie nicht minder beeindruckend macht. Von da aus sind wir gemütlich etwa fünf Stunden gewandert bis zu unserem ersten Zeltlager an einem kleinen Bach. Ein durchaus malerisches Plätzchen, aber die Vorteile eines Federbettes, Wasserklosetts, Elektrizität und fließend heißem und kaltem Wasser sind eben doch nicht zu unterschätzen! Klos im ländlichen Indien sind in der Regel ein Loch im Boden durch das man nach Erledigung eine Schaufel Erde kippt. Nennt sich Trockenkompostierung und ist durchaus ökologisch, aber für den verwöhnten Westeuropäer eher gewöhnungsbedürftig!

Fließendes Wasser beim Camping

Fließendes Wasser beim Camping

Am nächsten Tag stand die schwierigste Wanderung auf dem Programm inklusive einem Klosterbesuch (Rizong, sehr schön!) und einem 4.000er Pass. Dafür hatte ich mir extra eine Gebetsfahne gekauft. Ich hab’s geschafft, sie dort oben aufzuhängen, obwohl ich beim Aufstieg zwischendurch kaum mehr Luft bekommen habe und mich am Pass erst mal eine Weile ausruhen musste. Endlich im zweiten Lager angekommen waren wir alle rechtschaffend k.o. Dummerweise habe ich dann in der Nacht Durchfall bekommen, so dass an wandern die nächsten Tage nicht zu denken war. Der Muskelkater war aber auch nicht ganz ohne. Ich bin mit der (sehr fürsorglichen) Küchen- und Zeltcrew im Pick-up mitgefahren und habe die ganze Zeit ladakhische Popmusik gehört. Ein Erlebnis für sich!

Die Gebetsfahne hängt

Die Gebetsfahne hängt

Leider habe ich auch in den nächsten zwei Tagen nur das Schonprogramm (Touren per Jeep) mitmachen können und das hieß (ihr könnt es euch sicher denken): Klöster besuchen! Das erste hieß Lamayuru und ist eines der älteren Klöster in Ladakh. Auf dem Weg dorthin hat uns einer der beiden Jeeps einen gehörigen Schrecken eingejagt, als er mit einem entgegenkommenden LKW einen – zum Glück nur leichten – Unfall gebaut hat. Wieder haben alle mit angepackt, um die beiden Fahrzeuge auseinander zu bekommen und bis auf eine kaputte Scheibe und ein paar Schrammen im Blech war alles gut.

Und schon ist die Scheibe repariert!

Und schon ist die Scheibe repariert!

Der nächste Ausflug ging zum Kloster Alchi, dem ältesten Tempel in Ladakh. Erbaut um das Jahr 1.000 unterscheidet es sich auch optisch von den anderen Klöstern. Auch die kleinen Dörfer um das Kloster sind einen Besuch wert. Natürlich finden sich auch hier die üblichen Souvenirläden, aber warum sollen die Einwohner nicht von den Besuchern profitieren. Trotzdem kann man nur hoffen, dass diese Region niemals von Touristen überrannt wird.

Auch die Gebetsmühlen in Alchi sehen älter aus

Auch die Gebetsmühlen in Alchi sehen älter aus

Neben den vielen Klöstern hat mich die Landschaft hier fasziniert. Sobald man in die Berge geht, ist man nur noch von Stein und Fels umgeben, wenngleich auch in den verschiedensten Farben, zum Teil bunt gemischt zwischen sand, rot, grau oder auch leicht grünlich. Pflanzen sieht man nur selten und eigentlich fast nur, wenn Menschen im Spiel sind. Sobald ein kleines Hochplateau mit Zugang zu Wasser in Sicht kommt, ist es urbar gemacht und leuchtet einem grün entgegen. Die Felder sind in Terrassen angelegt und werden durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem bewässert. An den Gebirgsbächen findet man die meisten Bäume, meist Weiden oder Pappeln. In diesen grünen Oasen waren alle damit beschäftigt, die Ernte (Gerste oder Weizen) einzubringen und Viehzeug lief meist frei herum. Es gibt Esel, oder auch Zongs (eine Kreuzung aus Yak und Kuh). Aus der Gerste wird auch ein alkoholisches Getränk namens Chang gebraut, es hat mit Bier wenig zu tun, schmeckt eher säuerlich. Auch Buttertee habe ich probiert, den fand ich tatsächlich ganz gut. Er schmeckt eher wie eine fette Hühnerbrühe. Man wird überall freundlich begrüßt. Schüchtern sind die Menschen hier überhaupt nicht und überaus gastfreundlich. Gestern habe ich von drei Frauen, die bei unserem letzten (und luxuriösesten) Camp im Feld saßen und eine Pause von der Arbeit machten direkt eine Tasse Tee ausgegeben bekommen. Dabei wollte ich nur fragen, ob ich ein Foto machen dürfte. Sie konnten kein Englisch ich kein Ladakhi außer „Hallo“, aber das hat keinen gestört. Ich glaube, ich werde die ersten Tage in Köln alle Menschen damit verwirren, dass ich sie fröhlich anlächle und Hallo sage! Da kann man sich richtig dran gewöhnen!

Erst mal einen Tee trinken!

Erst mal einen Tee trinken!

Auf der Rückfahrt nach Leh haben wir unsere letzten beiden Klöster besucht. Zum einen Basgo, sehr dramatisch auf einem Fels gelegen und mit gleich zwei beeindruckenden Buddhastatuen aber leider etwas baufällig. Das zweite Kloster liegt nah bei Leh und heißt Spituk. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über Leh und das Industal. Auch nach so vielen Klöstern bin ich jedes mal wieder beeindruckt. Zurück im Hotel haben wir den Abend mit der nächsten Reisegruppe verbracht, die am selben Tag in Leh angekommen ist und natürlich wissen wollten, wie das Trekking war. Ich beneide sie nicht, auf dem Pass hatten sie schon Schnee, das Zelten könnte daher ungemütlich werden. Ich bin froh, dass wir noch so viel Glück mit dem Wetter hatten. Zum hartgesottenen Camper hat mich das Trekking nicht gemacht, aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

Zurück in Leh

Zurück in Leh lag schon Schnee auf den Gipfeln

13. September 2007: An unserem letzten Tag in Leh haben wir einen Jeep gemietet, weil ein Teil der Truppe mit Mountain Bikes vom angeblich höchsten befahrbaren Pass (dem Khardung La mit 5.600m) herunter fahren wollte. Ich habe die Aussicht mitgenommen, bin aber schön brav mit dem Auto wieder runter. Das Fahrrad und ich passen nicht unbedingt zusammen und die Strassen hier sind für ungeübte Biker nicht zu empfehlen! Überhaupt wären die Strassen hier in Indien ein ganz eigenes Kapitel, so wie deren Beschilderung. Glücklicherweise war uns auch am letzten Tag das Wetter hold und die Aussicht sensationell! Aber seht selbst:

Auf halber Höhe zum Khardung La

Auf halber Höhe zum Khardung La

Indien 2007 – Unterwegs in Ladakh (Teil 5)

Leh

Blick auf Leh

5. September 2007: Leh ist eine kleine, quirlige Stadt und wir haben zwei Tage Zeit sie und die Umgegend zu erkunden. Das schöne an Leh ist, dass hier Ladakhis und Kaschmiris nebeneinander leben und anscheinend ganz friedlich miteinander auskommen. Es gibt viele Läden und Bazare in denen natürlich Stoffe und Schals verkauft werden wie auch die obligatorischen T-Shirts und anderer Souvenirkram inklusive Klangschalen (ja ich gebe es zu, ich habe auch eine mitgenommen!). Daneben gibt es noch lustige Gemischtwarenläden, Kooperativen in denen Aprikosenmarmelade (die wachsen hier, kein Scherz!) und getrocknete Aprikosen verkauft werden, bis hin zu einem deutschen Bäcker mit sehr leckerem Apfelkuchen! Die Auswahl an Restaurants ist ebenfalls gut, von klassisch indisch oder tibetisch bis hin zur Pizza. Unser Hotel ist schön, die Zimmer liegen um einen Innenhof herum und sind mit einer Galerie verbunden, die man wunderbar als Balkon nutzen kann. Einziger Wermutstropfen ist der sporadische Mangel an heißem Wasser. Das gibt es nur morgens, angekündigt vom weißen Rauch des Ofens, der anscheinend den Wassertank erhitzt. Dann ruft der busfahrtgeplagte Tourist: Habemus calida Aqua!

Unser Hotel in Leh

Unser Hotel in Leh

6. September 2007: An unserem zweiten Tag in Leh haben wir eine kleine Tour durchs Tal gemacht und uns zwei Königspaläste und zwei Klöster angesehen. Ausgangspunkt war in Shey, einem der älteren Königspaläste aus dem 17. Jahrhundert. Die Geschichte Ladakhs war zeimlich wechselhaft. Größtenteils von Tibet beeinflusst, dann von den Mogul Herrschern erobert und zuletzt wurde das Königshaus von Kaschmiris vertrieben und musste im 18Jhd. ins Exil nach Stok, einem abgelegenen Palast. Dieses oder besser letztes Jahrhundert war auch nicht wirklich besser, da nach der Unabhängigkeit Indiens, Pakistan an der einen Seite und China an der anderen Seite Jammu Kaschmirs (in dem Ladakh liegt) gezerrt haben. Militärbasen sieht man hier immer noch alle Nase lang, aber die Lage scheint ruhig.

Auch hier wurden wir herzlich begrüßt

Immer wird man herzlich begrüßt

Die nächsten Stationen waren die Klöster Thikse und Hemis. Thikse liegt mitten im Indus Tal auf einem Hügel, und ist umrahmt von unzähligen kleinen Gebäuden, in denen die Mönche wohnen. Besichtigen kann man meist den Innenhof, den Versammlungsraum der Mönche und den Gebetsraum. In Thikse ist der Gebetsraum um eine Buddha Statue gebaut, die zwei Stockwerke hoch ist. Alle Wände und Türrahmen sind irgendwie bemalt (Buddhas, Fabeln, bzw. Gleichnisse usw.) Zusammen mit den Gebetsfahnen ergibt das immer ein buntes und fröhliches Bild.

Das Kloster Thikse

Das Kloster Thikse

Hemis liegt in einer kleinen Seitenschlucht mitten im Berg. Auch wenn es das reichste der ladakhischen Klöster ist, sieht man es ihm nicht unbedingt an. Auch hier haben wir uns den Versammlungsraum und zwei Gebetsräume angesehen. Im zweiten Raum konnten wir zwei Mönchen beim Singen und Trommeln zusehen, das Publikum schien sie dabei glücklicherweise nicht zu stören. Auch wenn sich die Klöster alle ähneln, so hat jedes seinen eigenen Reiz und ich werde nicht müde, sie mir anzusehen. Es ist nur schade, dass die großen Klosterfeste alle schon vorbei sind, das wäre bestimmt ein Erlebnis geworden.

Außen wie innen sind die Klöster sehr farbenfroh

Außen wie innen sind die Klöster sehr farbenfroh

Zum Abschluss unserer Rundreise haben wir uns noch den Königspalast in Stok angesehen. Tatsächlich leben noch Nachfahren der ehemaligen Königsfamilie dort, getroffen haben wir aber leider keinen. In einigen der ehemaligen Wohnräume ist ein Landeskundemuseum eingerichtet, dass auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Während des Trekkings stehen noch weitere Klöster auf dem Programm, aber ich bin jetzt schon sehr beeindruckt.

Indien 2007 – Von Dharamsala bis Manali (Teil 3)

28. & 29. August 2007: In Amritsar begann unsere Magical Mystery Bus Tour, die uns bis Leh bringen soll. Da wir eine recht kleine Gruppe waren, hatten wir in unserem Bus mehr als genug Platz. Unser Fahrer hieß Mr. Ashok mit seinem Assistenten Vijay. Für den besseren Überblick wie die Strecke der nächsten Tage aussieht, habe ich eine kleine Karte gebastelt:

Die Magical Mystery Bus Tour von Amritsar nach Leh

Die Magical Mystery Bus Tour von Amritsar nach Leh, 930km

Erste Station unserer Tour war Dharamsala, bzw. McLeodganj, wie der Ortsteil in dem sich der Exilsitz des Dalai Lama befindet eigentlich heißt. Auch ein spiritueller Ort sollte man meinen, und in einigen Teilen ist er es sicher. Aber ich muss sagen, dass mir Amritsar und vor allem der goldene Tempel von der ganzen Atmosphäre her wesentlich besser gefallen hat. Das mag auch am schlechten Wetter liegen, mit dem wir hier empfangen worden sind. Aber ich hatte eher den Eindruck, dass Dharamsala ein von vielen westlichen Heilsuchenden (im Gegensatz zu Gläubigen) überlaufenes kleines Dörfchen ist, aus deren Verehrung für den Dalai Lama gern Kapital geschlagen wird. Es gibt einen Souvenirladen neben dem anderen und man hat an manchen Ecken den Eindruck, sich in einem Esotherikparadies zu befinden. Am schönsten ist es eigentlich noch, das ganze Durcheinander der verschiedenen Kulturen und Nationen zu beobachten, die hier herumwuseln. Ansonsten fand ich den Ort eher enttäuschend. Nur die Landschaft hier ist wirklich wunderschön, auch wenn wir noch die Reste der Regenzeit zu spüren bekommen. Dharamsala klebt förmlich am steilen Berghang, was spektakuläre Ausblicke bietet, sofern sich nicht gerade ein Regenschauer ergießt.

Buntes Treiben in Dharamsala

Buntes Treiben in Dharamsala

Insgesamt haben wir einen Tag Station in McLeodganj gemacht und den Tag für eine Wanderung genutzt. Das Wetter benahm sich auch zunächst sehr gut. Es gibt in der Nähe von McLeodganj ein paar schöne Wasserfälle, die wir sehen wollten und einen Hindutempel. Leider fing es dann gegen Mittag zu regnen an und zwar wie aus Kübeln. Mir stand das Wasser in den Schuhen, nur gut, dass der Rucksack mit meiner Kamera unter die Regenjacke passte. Nach einer Weile kam die Sonne zum Glück wieder raus, was auch unserer Stimmung etwas half. Nur im Hotel hatte nichts eine Chance trocken zu werden. Ich glaube ich habe noch nie in einem feuchteren Haus übernachtet. Wir waren alle froh, am nächsten Morgen in den Bus zu steigen, auch wenn es eines der komfortableren Hotels der Reise mit TV im Zimmer und Hotelbar war. Und nicht nur ich hatte meine Schuhe zum trocknen mit in den Bus genommen.

Hindutempel bei Dharamsala

Hindutempel bei Dharamsala

30. August 2007: Die Busfahrt nach Manali zog sich bis Abends um halb acht hin. Die Strassen sind eng und oft schlecht und man wird ganz schön durchgerüttelt. Außerdem ist der Verkehr für unser Empfinden chaotisch, wir wundern uns eigentlich dauernd, dass wir keine Unfälle sehen, geschweige denn selber welche bauen. Einen Stau wegen eines Unfalls hatten wir dann doch, passernderweise an einem Stausee (Sorry, dem Kalauer konnte ich nicht widerstehen 😉 ). Es gab unterwegs viel zu sehen, wir haben z.B. einen kleinen Hinutempel in Baijnath besucht, der auf dem Weg lag. Für einen weiteren reichte es nur zu einem kurzen Fotostopp.

Hindutempel in Baijnath

Hindutempel in Baijnath

Je weiter man Richtung Manali kommt, desto landschaftlich schöner wird es. Das Kullu Tal, an dessen Ende Manali liegt, ist sehr malerisch. Hauptsächlich werden hier Äpfel angebaut. Fast glaubt man sich in den Alpen oder der Schweiz, bis man wieder eine vereinzelte Palme sieht oder einem der Geruch von Curry in die Nase steigt. In der Ferne sieht man schon die ersten 4.000er wenn die Wolken den Blick freigeben. Das Tal selber liegt auf etwa 2.000m. Eine grandiose Kulisse.

31. August 2007: Manali will sich anscheinend zu einem indischen St. Moritz entwickeln und baut gerade wie wahnsinnig – überall werden Hotels hochgezogen. Daneben sieht man noch die Bausünden der letzten Jahrzehnte, in denen man Bettenburgen en Masse hingestellt hat. Tatsächlich fährt der vermögendere Inder hier gerne in den Urlaub. Aber im Tal gibt es auch durchaus malerische kleine Dörfer. Zwei davon haben wir heute besucht: Vashisht, berühmt für seine heißen Quellen und Naggar, in dem es ein altes „Schloß“ gibt, was man leider nicht besichtigen konnte weil im Umbau (anscheinend zum Hotel), wie auch einen mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Tempel. Ein interessanter Stopp war das Haus von Nicholas Roericht, einem russischen Maler, Wissenschaftler und Philosoph aus dem 19. Jahrhundert. Sein Interesse galt dem Himalaya und er hat viele Jahre im Kullutal gelebt. Sein Haus ist bis heute Galerie und Museum. In Naggar haben wir außerdem leckere Forellen (aus lokaler Zucht) gegessen und danach noch eine kleine Wanderung durch malerische Apfelplantagen gemacht. Diesmal Gottseidank ohne Regen, wenn auch für meinen Geschmack immer noch zu schwül und zu warm! Morgen früh geht es dann so richtig hoch hinaus über den Rothang Pass weiter in Richtung Leh.

In den indischen Alpen

In den indischen Alpen

Indien 2007 – Amritsar (Teil 2)

27. August 2007: Am frühen Morgen fuhren wir mit dem Zug von Delhi nach Amritsar. Da wir in der ersten Klasse gebucht hatten, war die Fahrt tatsächlich komfortabel und sogar inklusive Verköstigung. Wie die „einfache Fahrt“ ausgesehen hätte, mag ich mir eher nicht ausmalen. Nach sieben Stunden Zugfahrt kamen wir in unserem „Guest House“ an. Eine ruhige, grüne Oase, sehr willkommen nach dem Trubel von Delhi und der ratternden Zugfahrt!

Während der Zugfahrt

Während der Zugfahrt

Noch am selben Tag sind wir dann mit Rikschas zum goldenen Tempel „Hari Mandir“. Eins kann ich sagen, Rikscha fahren wird kein Hobby! Davon abgesehen, dass sich der Fahrer abstrampeln muss, seine Fracht von A nach B zu bringen (auch wenn er dafür natürlich Geld bekommt), fühle ich mich in der Rikscha dem indischen Verkehrschaos schutzlos ausgeliefert.

Mit der Religion der Sikh hatte ich mich vorher noch nicht befasst, die Geschichte dieser recht jungen Religion (etwa 500 Jahre) ist aber ganz interessant. Im Gegensatz zum Hinduismus lehnen die Sikhs beispielsweise das indische Kastenwesen ab und glauben, dass jeder Mensch verantwortlich für sein Tun ist. Anderen Religionen stehen sie offen gegenüber. Ihr zentrales Heiligtum ist der Goldene Tempel. Dieser liegt auf einer kleinen Insel in einem heiligen See, eingerahmt von weiteren Gebäuden aus weißem Marmor und ist ein unglaublicher Anblick, der für alle Strapazen entschädigt!

Der goldenen Tempel in Amritsar

Der goldenen Tempel in Amritsar

Man betritt den Tempel barfuß und den Kopf mit einem Tuch bedeckt, die Schuhe gibt man für ein paar Rupien an der Garderobe ab. Dann kann man um den See herumwandern und hört dabei über eine Anlage die Gesänge der Gurus aus dem inneren des Tempels. Das und die Menschen, die sich betend aber auch lachend oder unterhaltend mit einem um den See bewegen, erzeugen eine schöne und entspannte Atmosphäre. Wir sind sehr oft angelächelt worden und auch öfters angesprochen. Man fühlte sich willkommen und in keiner Weise wie ein Eindringling. Wir durften ebenfalls über die Brücke in den Tempel hinein, nur fotografieren war im Inneren nicht erlaubt. Im Tempel sitzen die Gurus in einem Blumenmeer und um sie herum die betenden Gläubigen. Wir sind gegen sechs Uhr Abends angekommen und haben dort den Sonnenuntergang erlebt, die Farben wurden immer kitschiger und zusätzlich wurden die Gebäude auch mit bunten Lichtern erleuchtet. Wunderbare Bilder und eine wunderbare Stimmung. Alles in allem ein gr0ßartiger Ort,  an dem ich gerne noch mehr Zeit verbracht hätte. Aber laut Plan ging es bereits am nächsten Morgen mit dem Bus weiter Richtung Norden.

Farbenpracht im goldenen Tempel

Farbenpracht am goldenen Tempel

Indien 2007 – Delhi (Teil 1)

Warum schreibe ich über eine Reise, die ich vor fast sieben Jahren gemacht habe?

Kurz nachdem ich dieses Blog eingerichtet hatte, bin ich über meine Emails aus Indien gestolpert. Ich hatte sie von unterwegs an Familie und Freunde geschickt hatte, um kleine Lebenszeichen zu schicken und von der Reise zu erzählen. 2007 ging das alles nur per Email aus – glücklicherweise ausreichend vorhandenen – Internetcafés und natürlich ohne Bilder (Smartphone? Was ist ein Smartphone?). Beim Lesen habe ich mich an viele Sachen wieder erinnert. Und ich habe überlegt, wie meine kleinen Berichte von unterwegs heute aussehen würden. Also habe ich die Mails von damals, angereichert mit Informationen aus meinem Reisetagebuch in Blogbeiträge umgestrickt und mit Bildern der Reise versehen. Die Kamera, die ich damals mithatte, war zum Glück schon digital. Die Rundreise durch Nordindien und Ladakh habe ich nicht selbst geplant, sondern bin mit einer Reisegruppe gefahren. Da ich Land und Leute überhaupt nicht kannte, schien mir das die beste Lösung. Im Programm standen auch ein paar Tage Trekking. Eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber ein fremdes Land lässt sich eben nicht nur vom Bus aus erkunden. Tatsächlich wird die Tour von 2007 immer noch angeboten, wer Interesse hat, den genauen Ablauf nachzuverfolgen, klicke bitte hier 🙂 . Und damit das Ganze nicht als Mammutbeitrag daher kommt, habe ich es in handliche Häppchen unterteilt.

Teil 1: Delhi

Eine ruhige Straße in Delhi

Eine ruhige Straße in Delhi

25. August 2007: Mein erster Tag in Indien geht zu Ende. Wir sind gegen 15:30 Ortszeit angekommen. Laut meinem Handy ist das 3 1/2 Stunden später als bei uns. Wie im Monsun nicht anders zu erwarten stiegen wir in einer Waschküche aus. Und dabei sind wir angeblich schon am Ende der Regenzeit. Delhi ist im ersten Eindruck unglaublich laut und voll. Bei geschätzten 16 Millionen Einwohnern auch nicht verwunderlich. Wo bei uns auf drei Spuren Autos, LKWs, Busse und Mottorräder gesittet nebeneinander fahren, drängen sich hier noch Tuk-Tuks, Rikschas und auch Rinder- oder Kamelkarren dazwischen. Aber bei allem Gedränge haben die meisten Inder immer ein Lächeln übrig. An das ständige Hupen werden wir uns hoffentlich auch noch gewöhnen. Darin sind die Inder ganz groß, sie hupen immer und überall – nie in böser Absicht, sondern immer nur um vorzuwarnen, dass sie hinter, neben und gleich an dir vorbei sind 😉 .

Bitte hupen!

Bitte hupen!

Wir, das sind insgesamt acht Touristen aus Deutschland und Martin, unser Reisebegleiter. Abends waren wir essen in einem der ältesten Hotels der Stadt, dem Metropolis (besteht seit 1928), ein Bau mit viel Patina, um nicht zu sagen herrlich verranzt (leider habe ich kein Bild). Das Restaurant ist auf der Dachterrasse, natürlich dadurch nicht klimatisiert und mit einem hübschen Hintergrundorchester aus verschiedensten Huptönen und -abfolgen. Das Essen war sehr lecker und der Spaziergang und die Metrofahrt zurück zum Hotel ein Erlebnis! Überall gibt es Verkaufsstände, ein ziemliches Gedränge und immer was zu sehen. Das erste, das einem natürlich auffällt, sind die ganzen Kühe, die überall frei herumlaufen. Für den gemeinen Mitteleuropäer eine nicht alltägliche Begegnung.

Ein alltägliches Straßenbild in Delhi

Ein alltägliches Straßenbild in Delhi

26. August 2007: Am zweiten Tag in Delhi waren wir den ganzen Tag unterwegs. Zum Teil mit dem Bus aber auch zu Fuß und per Rikscha, was bei dem chaotischen Verkehr schon mal zum reinsten Abenteuerurlaub ausarten kann. Wir haben dabei die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Delhi abgegrast: Rotes Fort, die große Moschee Jama Masijd, India Gate, das Grab von Mahatma Gandhi und das Humayun Mausoleum, quasi ein Vorläufer des Taj Mahal in kleiner aber ebenso faszinierend. Wir sind mit der Rikscha durch kleine Gassen mit Silberschmieden, Feuerwerksbuden, Braut- und Hochzeitsbedarf und vieles mehr gefahren und haben uns zu Fuß durch einen Bazar gewagt. Das Fotomaterial für die erste halbe Stunde (wenn ich mich kurz fasse) meiner Dia Show hätte ich schon zusammen! Auch wenn es ein spannender Tag war, bin ich froh, dass wir nicht länger in Delhi bleiben, diese Stadt ist zwar faszinierend, aber sehr anstrengend. Und das liegt nicht nur an der Dauersauna, der diese Stadt während der Regenzeit gleicht. Morgen früh geht es weiter, per Zug nach Amritsar zum goldenen Tempel.