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Operation Alpensturm: Teil 5 – Ausrollen

Immerhin hatte ich den Albula heute morgen noch einmal. Bei schönstem Sonnenschein. Allerdings mit dem geliehenen Automobil unserer unglaublich netten Hoteliers des „Weißen Kreuz“in Bergün, die sich wunderbar für meinen stehen gelassenen Rucksack engagierten. Und tatsächlich war er noch oben auf dem Hospiz, die Wirtsleute hatten ihn sicherheitshalber ins Haus gestellt und waren dann zum verdienten Feierabend ins Tal gefahren. Ich ließ unseren Hotelleuten selbstverständlich ein großzügiges Sprit-Trinkgeld da.

Heute morgen am Albula - den gibt es auch in schönem Wetter.

Heute morgen am Albula – den gibt es auch in schönem Wetter.

Etwa eine Stunde später als üblich – immerhin schlussendlich nicht mehr – starteten wir. Die Richtung heute war nur noch abwärts – zunächst ins Rheintal nach Thusis, von dort weiter nach Chur, von dort jeder mit seinem Zug nach Hause.

Bis Thusis verläuft die nationale Radroute durch das Tal der Albula. Ein schönes Tal, teilweise durch eine spektakulär enge Schlucht. Allerdings gibt es oft nur die Hauptstraße, auf der auch die Radroute entlang führt, was trotz des nicht übermäßigen Verkehrs doch recht stressig ist. Man konnte das schöne Tal also nur wenig genießen. Hinter Alvaschein muss man sich sogar zwei ausreichend lange Tunnels mit allem restlichen Verkehr teilen. Wer das schon mal mit dem Fahrrad gemacht hat, weiß: Vorhof der Hölle ist akustische Wellness gegen das Gebrüll von LKWs und Motorrädern im Tunnel.

Bei Thusis wird der Hinterrhein auf enger schwankender Hängebrücke gequert. Also ich habe drüber geschoben 😉 Danach verläuft die Radroute 6 weiter Richtung Chur auf Wirtschaftswegen. Oft trotz Asphalt ein sehr schlechter Belag – da geht noch was, Graubündner!

Auf den so genannten „Polenweg“ kurz vor Chur verzichteten wir zugunsten der anderen Talseite. Auf dem Foto sah das auch sehr nach grobem Schotter durch steilen Wald aus. Nix für meine dünnen Schleicherpneus. Also linksrheinisch auf die Veloroute 2 gewechselt, noch mal in Tamins ein paar Bonus-Höhenmeter herausgekurbelt und dann auf gutem Asphalt verkehrsfrei bis Chur gerollt.

Dort trennten mein Begleiter und ich uns ohne großes Federlesens. Es blieb nur noch die Zugfahrt ganz nach Hause übrig. Diese verlief in meinem Fall sehr entspannt. Und so wurde die Operation Alpensturm beendet. Großartig war das.

 

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Operation Alpensturm: Teil 4: Ofenpass und Albulapass

Man gewöhnt sich ja so langsam. Bergauf kurbeln, bergab laufen lassen. Und obwohl der heutige Tag höhenmäßig fast noch mehr Arbeit als gestern war, war er um einiges weniger spektakulär.
Wir starteten bei schönstem Sonnenschein aus St. Maria in westliche Richtung den Ofenpass hinauf. Ruhige Straße mit wenigen Motorrädern, die sich alle ganz brav benahmen. Einzig und allein (wieder) offensichtlich der Club englischer Nobelkarossenfahrer unter einem Höllenlärm und zum Teil mit verdammt wenig Abstand überholend war ein wenig lästig. Da fragt man sich, was schlimmer ist: brüllende einfamilienhausteure Flachkarossen oder Motorradfahrer-Pulks.
Bald war der Ofenpass erreicht, nur 700 Höhenmeter – was fürs Frühstück ;-). Wenig einladend, die Passhöhe – wir fuhren bis Il Fuorn ab, wo wir auf schöner Terrasse eine Bündner Gerstensuppe bekamen.
Ein kleiner Gegenanstieg bis Ova Spin war noch geboten, aber bald war das Inntal wieder erreicht. Dort nahmen wir zunächst brav die Radroute, die sich aber als unangenehmer Schotterweg durch den Wald mit lauter Bonus-Höhenmetern herausstellte. Und von oben sah man die fast nicht befahrene Landstraße. Die wir bei der nächsten Gelegenheit nahmen.
Ab Zuoz kann man dann sogar ein kleines paralleles Sträßchen nehmen, was einen im Gegensatz zur Radroute auch noch mitten durch die schönen Engadiner Orte führt. Manche Radroutenplanungen sind einfach nicht zu verstehen.
Je eine Vesper- und Kaffeepause später war es immer noch früh am Tag und der Begleiter war wild entschlossen, auch noch den Albulapass unter die Räder zu nehmen. Ob der sehr dunklen Schauerwolken sah ich dem Vorhaben etwas skeptisch entgegen.
Aber ein sehr schöner Pass. Verkehrstechnisch der ruhigste der Tour. Man sieht schon von Weitem die mächtigen Schutthalden der Bergkette, die das Hochplateau nördlich begrenzt.
Ziemlich oben machten die Wolken dann doch noch ihr Schleusen auf. Hektisch das Regenzeug angezogen und schnell-schnell nach unten gefahren und unten gemerkt, dass der Rucksack noch oben steht. So original passiert 2003 am Col du Lautaret. Mit demselben Begleiter – also kanns ja nur an dem liegen? 😉
Die netten Hotelleute kümmerten sich super hilfsbereit gleich und fuhren sogar kurz rauf. leider war er nicht mehr an dem Ort, wo ich ihn abgestellt hatte. Jetzt müssen wir warten, bis das Hospiz morgen wieder besetzt ist – vermutlich (hoffentlich) hat ihn die Wirtin sicherheitshalber mit reingenommen. Zum Glück ist nur wenig Geld im Geldbeutel und alle wichtigen Gerätschaften nicht dort drin…

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Operation Alpensturm – Teil 3: Stilfser Joch

Die Königsetappe. Ein Angstgegner. Würden wir ohne völlig entkräftet vom Rad zu fallen die mehr als 1800 Höhenmeter wegstecken? Spannend.
Immerhin herrschte heute morgen endlich mal blauer Himmel und Sonne pur. Das sehr hübsche Örtchen Glurns mit seinen wunderschönen alten Gemäuern präsentierte sich in prächtigem morgendlichem Sonnenlicht.
Die ersten Kilometer radelten wir noch auf dem immer noch hervorragend ausgebauten Etschradweg bis Prad, dem Talort des Stilfser Jochs. In Prad ging es rechts und eigentlich sofort bergauf. Direkt nach dem Ort auch die erste Kehre mit der Nummer 48, was einem immer schön auf einem Schild angezeigt wird. Gut, da waren es ja nur noch 47.
Außer uns waren Hunderte von Motorradfahrern nebst unzähligen zum Teil sehr hochpreisigen Automobilen unterwegs. Was die Fahrt zum Teil wenig entspannt machte und vor allem mitunter für einen Höllenlärm sorgte. Nun ja, wir hatten damit gerechnet – Sonntag und einer der ersten Tage, die stabile Wetterverhältnisse versprachen.
In Trafoi wurde eine erste Kaffeepause eingelegt. Weil man ja weiß, dass bei einer solchen Bergwertung eine ausgefeilte Pausenstrategie das A und O ist. Und wir gingen das ganze ganz ruhig an.
Zwischen Trafoi und der Jausenstation auf der Franzenshöhe hatte ich mal kurzzeitig den Eindruck, dass wenn es weiterhin so steil weiter ginge, ich tatsächlich sterben müsste. Zum Glück befand sich genau zu diesem Zeitpunkt ein geeigneter Mittagspausenplatz, an dem wir turnunsgemäß gegen 13:00 Brot, Käse und Hamdwurst einnahmen. Lustiges Schauspiel von zu dicken Wohnmobilen von unsicheren Rentnern gesteuert, die die komplette Kehre blockierten und einen erheblichen Rangieraufwand beim restlichen Verkehr erzeugten.
Danach gelang das Klettern auf gegebener steilen Straße wieder besser und in der Franzenshöhe war die nachmittägliche Kaffeepause angesagt. Hier sieht man schon bis obenhin und vor allem die verbliebenen 21 Kehren, die sich kühn den steilen Hang hinaufwinden.
Ein Eis, eine Apfelschorle und einen Kaffee später war ich wieder bärenstark und zuog die restlichen 7 Kilometer ohne Pause durch. Endorphine in allen Ecken des Körpers. Oben allerdings ein Rummelplatz vom Feinsten. Gefühlt alle Motorradfahrer, die uns im Laufe des Aufstiegs lautstark überholt hatten waren dort. Imbissstände, Souvenirshops, Kaffeebuden. Das aussagekräftigste Pass-Schild war denn auch mitten im Souvenirshop zwischen Plüschmurmeltieren und Helden-Radtrikots aufgestellt. Nun ja.
Das gaben wir uns nicht lange, zogen eine Schicht für die Abfahrt über und stürzten uns nach unten. Naja, ich lasse das sehr kontrolliert angehen und werde dafür hin und wieder als Bergabbremser verunglimpft. Aber mir ist es lieber ein wenig sicherer.
Bald ging es nach rechts, wo wir mit einem winzigen Gegenanstieg noch über den Umbrail fuhren. Von dort führt die Straße nach unten ins Münstertal in der Schweiz. In St. Maria, einem wieder sehr malerischen Ort mit wunderschön sanierten Engadiner-Häusern, fanden wir auch sofort ein gutes Hotelzimmer in einem ebensolchen schönen alten Haus.

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Operation Alpensturm – Teil 2: Reschenpass

Als absolut herausragend stellte sich gleich zu Beginn des Tages das Frühstücksbuffet heraus. Locker fünf Meter waren verschiedensten Müslivariationen gewidmet – verschiedene Flockenmischungen, Zutaten, fertig angemixtes Müsli mit Joghurt und eine riesige Obstauswahl. Der perfekte Start in den Radlertag. Weil – so eine Radtour wird ja bekanntermaßen zum einen im Kopf, zum anderen aber erheblich beim Frühstück gewonnen,
Für die ersten 40 Kilometer legten wir das komplette Funktionsbekleidungsprogramm auf. Es hatte zwar glücklicherweise aufgehört zu regnen, aber die Temperatur war doch sehr frisch und dieser erste Abschnitt fast komplett downhill.
Und wir zogen sie auch ohne Pause durch. Schon um halb elf waren wir in Landeck wo wir im Café Maria bei der gleichnamigen Wirtin bei etwas verratztem Interieur und verrauchtem Ambiente dennoch einen hervorragenden Kaffee bekamen.
In der Folge folgten wir nun dem Inn-Radweg. Hervorragend. Fast durchgängig zum Teil taufrischer Asphalt, bestens beschildert und fast immer völlig verkehrsfrei. Einzig etwas unnötiges Gewell kurz nach Landeck ließ die Schaltung nicht zur Ruhe kommen. Aber dafür hat man sie ja. Ein kurzes Stück musste auf der Straße auf einer Radspur zurückgelegt werden – genau dieses Stück war wegen Steinschlags auch noch gesperrt, man kam aber mit dem Rad prima durch die aufräumenden Bagger durch.
Und plötzlich war man in der Schweiz. Aus feinster Asphalt-Landstraße mit sehr wenig Verkehr nach Martina. Dort bogen wir ab und hatten die einzigen wirklichen alpinen Serpentinen-Kilometerchen zu absolvieren – 11 Kehren bis zur Norbertshöhe kurz vor Nauders.
Plötzlich überholte mich zunächst ein dunkelhäutiger sympathischer Mountainbiker, der freundlich grüßte. Im Schlepptau – ja wie geil ist das denn – die @kaeterakete, eine Twitterbekanntschaft, mit ihrem flotten Renner. Ein paar Kehren hielt ich mit und wir verabredeten uns zum Kaffee in Nauders. Ziemlich gleichzeitig kamen wir an und hatten eine sehr nette Pause mit ihr und Gerry, ihrem Gatten.
Danach war der Reschenpass mit wenig Mühe schnell erreicht, war aber auch nicht so das spektakuläre Gipfelerlebnis. Auf dem Radweg, den man hier immer noch hat – nicht mal ein Schild. Wir mussten stattdessen für das Gipfelfoto mit einem Wegkreuz vorlieb nehmen.
Am Reschensee ging es immer noch auf dieser wunderbar ruhigen gut ausgebauten Radroute weiter, allerdings mit ganz schön Gewell – also nur in der Summe flach am See entlang. Nach dem man die beiden Seen hinter sich gelassen hatte, ging allerdings die Post ab. Nach wie vor auf schmaler asphaltierter Radroute, zum Teil rechts und links ein Mäuerchen, steil den Berg hinunter. Ein Gefällewarnschild sprach einmal sogar von 20%. Hölle. Der Begleiter schoss auch runter, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich meinerseits bin da etwas Mädchen und lasse sowas etwas vorsichtiger angehen.
Bis Glurns fuhren wir, dann gefiel uns der Ort so gut, dass wir hier blieben. Haufenweise malerische alte Gemäuer, fast komplett umgeben von einer gut erhaltenen Stadtmauer mit echten Schießscharten. Prad wäre der Plan gewesen, das sind aber nur noch wenige Kilometer, die wir auch morgen zum Warmwerden machen können.

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Operation Alpensturm – Teil 1: Silvretta-Hochalpenstraße

Im dichten Nebel starteten wir. Zunächst war nur die übliche Flachwertung nach Friedrichshafen zu absolvieren. Von dort nahmen wir den Zug zu Hilfe, um direkt am Fuß der richtigen Berge zu starten. In Bludenz begannen wir denn die eigentliche Tour.
Der erste Regenschauer war vom Zugfenster aus leicht zu ertragen und beim Ausstieg in Bludenz war es zumindest trocken. Nach erstem Proviantsturm auf einen beeindruckend großen Sparmarkt fanden wir nach einigem Rumgeeiere den Radweg an der Ill. Ja, großes I und zwei kleine l, nicht römisch drei. Der Bach heißt so.
Bis nach Partenen blieben wir auf diesem sehr erfreulichen Radweg. Meistens asphaltiert und fernab von Verkehr und Straßenlärm verlief dieser Weg an der Ill entlang. Das einzige, was es zu monieren gab, war die ständige leichte Steigung, die größere Rolleuphorie verhinderte. Aber die Richtung bergauf war ja zunächst Plan A.
In Partenen pünktlich zur Mittagspausenzeit ergoss sich Schauer Nummer zwei über uns. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer Einkehr. Tatsächlich hörte es nach einer ausgiebigen Pause wieder auf und ganz zaghaft zeigte sich sogar ab und zu die Sonne.
Danach war Schluss mit Pillepalle und die eigentliche Passstraße startete. Richtig schöne Kehren schon im unteren Teil zogen einen allmählich höher. Wegen des etwas zweifelhaften Wetters hielt sich der Motorradfahrerbefall in gut zu ertragenden Grenzen. Was allerdings etwas störte, waren haufenweise Baustellenlaster.
Am Vermunt-Stausee, etwa 300 hm unterhalb der Passhöhe, war dann auch klar, warum – eine einzige Großbaustelle. Schilder am Straßenrand: Achtung, Sprengungen (was man im Sprengungsfall aber machen sollte, stand nicht drauf) und „Vorsicht, verschmutzte Fahrbahn“ – hätte ich ohne Schild überhaupt nicht bemerkt.
Kurz vor der Passhöhe machten die immer drohender aussehende Wolken ernst, es fing zum dritten Mal an zu regnen. Und dann noch eine echt steile Rampe zum Schluss. Wir Helden.
Nach einem weiteren Einkehrschwung, der den Regen allerdings nicht zur Aufgabe bewegen konnte, zogen wir zähneknirschend alle Funktionsbekleidung an und begaben uns in die kühle Bergab-Dusche. Nach 8 km Regenfahrt kamen wir in Galtür an. Der eigentlich Plan wäre ja Landeck gewesen, da es aber immer noch regnete, mieteten wir uns hier ein Zimmer und beschlossen den Tag. Mehr als 1400 Höhenmeter sind ja auch ganz gut für den ersten Tag, da reichen dann auch 70 km.

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