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Zurück in die Zivilisation

Zum Abschluss diese schönen Tour zeigte uns das schwedische Wetter, dass es auch anders kann: es regnete. Also Regenklamotten an, das erste Mal, dass wir in kompletter Regenrüstung starteten. Es schüttete zwar nicht und hörte auch immer wieder auf, aber auch heute wieder rahmten die Gewächse stellenweise den schmalen Pfad mannshoch ein und wir wären in kürzester Zeit pudelnass ohne unsere wasserdichte Außenhaut gewesen.
Nach kurzer Zeit tauchten die ersten Häuschen auf und der Weg verbreiterte sich, dass man bequem mit einem Quad durchkommt. Zivilisation! Das erste Mal konnten wir wieder stellenweise nebeneinander laufen, auch das wies die Rückkehr in unsere normale Welt hin.
Die restliche Etappe zum Bootsanleger, von dem die Wanderer nach Kvikkjokk geschippert werden, betrug 13 km. das Boot fährt dreimal am Tag und wir spekulierten auf die Mittagstour: das hieß reinhauen. Der Wg war zum Glück bald sehr unproblematisch zu begehen. Nur noch wenige steinige Abschnitte, die nicht sehr den Wanderer aus dem Tritt brachten.
Der Weg selbst verlief recht unspektakulär im Wald, einige Moorflächen mit Bohlenwegen waren noch dabei. Über alle Bäche führten breite Brücken, das war auch gut so, waren diese doch ganz schön angeschwollen. Kiefern und Fichten gesellten sich inzwischen wieder unter die Waldgewächse. Ud Myriaden ungeernteter reifer Heidelbeeren. Aber wir wollten ja das Boot erreichen, außerdem fraßen einen sofort die Mücken, wenn man selbst zur Nahrungsaufnahme stehen blieb.
Um viertel nach zwölf waren wir tatsächlich auch am Anleger – ein Dreiviertelstunde zu früh! Netterweise steht direkt am Anleger ein Windschutzhüttchen, das man auch nutzen kann, wenn das letzte Boot weg ist und man kein Zelt hat. Wir nutzten es, da die Mückendichte drin sehr viel geringer als draußen war. Die Deutschendichte war allerdings hoch: die fünf Personen, die schon brav im Hüttchen am Warten waren, waren allesamt Vertreter unserer Nationalität. Wir überschwemmen die armen Schweden…
Mit ein wenig Verspätung kam Björn mit seiner Nussschale angepöttert. Er hatte noch ein wenig zugewartet, weil das englische Pärchen, das er in den Padjelanta gebracht hatte, die Kamera verschlampert hatte und er ihnen noch ein wenig Zeit zum Suchen gab. Bei dem Boot handelte sich nur um ein offenes Bötchen mit Außenborder, aber alle Personen und Rucksäcke kamen gut unter. Da er ein wenig Verspätung hatte, gönnte er uns noch den einen und anderen Abstecher in diesem wunderbaren Flussdelta vor Kvikkjokk und erzählte ganz viel von seiner Heimat. Ein wunderschöner Abschluss der
Tour!
Die Fjällstation, eine Berghütte allerdings mit allem Schnick und Schnack, fanden wir gleich. Und genossen alsbald die warme Dusche (ich wollte nie wieder damit aufhören), Internet, eine Waschmaschine und ein tolles Essen im angeschlossenen Restaurant – Rentierbraten bzw. Elchhacksteak. Was für ein Genuss!

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Trittsicherheit

Und weiter ging es durchs Unterholz. Unvorstellbare fast 50 km zieht sich dieser winzige Pfad durch dicht bewachsene Wiesen, nun etwas lichteren Birkenwald und über kleine Moorflächen zwischendrin. Rechts und links des Weges kilometerweit nur Natur.
Stellenweise war der Pfad heute einfache zu gehen und meistens – bis auf die Wiesenstrecken – nicht ganz so dicht zugewachsen wie gestern. Dafür mussten wir heute immer wieder streckenweise über unmöglich hingewürfelte Steine. Bei jedem Schritt voll konzentriert, dass man weder in ein knöcheltiefes Matschloch dazwischen noch zwischen prima als Fußangeln geeignete ineinander verkeilte Felsblöcke geriet.
Um die Mittagszeit gerieten wir an ein immenses Schmelzwasser-Geröll-Bachbett, in dem auch noch ein heftiger Bach nach unten jagte. Keine Brücke. Also Wanderschuhe ausziehen und in Crocs hinüberwaten? Doof. Wir fanden eine Stelle, an der man ganz gut von Stein zu Stein hinüberkam, einen weiten adrenalinfördernden Schritt in der Mitte. Danach war das mittlere, etwas höher liegende Geröllfeld eine toller Mittagspausenplatz.
Fünf Passanten kamen uns entgegen und hatten die gleiche Aufgabe in umgekehrter Richtung. Dem ersten Pärchen, Deutsche, empfahlen wir unsere Stelle. Sie wanderten allerdings fast den Berg hinauf und fanden offensichtlich dort eine Furt. Dem nächsten Pärchen zeigte Stefan schon fast, wo es drüber gehen sollte. Sie kam trocken durch, er leerte auf der anderen Seite einen Bergschuh aus. Und dann kam noch eine allein wandernde Schwedin. Dieser wurde von Stefan persönlich geholfen. Auf sein Anraten zog sie Die Gamaschen an und er geleitete sicher nach drüben. So nett.
Ansonsten hopsten wir weiter von Stein zu Stein, versuchten, allzu Tiefe Matsche zu vermeiden und kamen bald zur Tarrekaise-Stuga. Dort blieben wir aber nicht, sondern die nächsten 6 km bis zur nächsten Hütte waren auch noch im Tagesplan.
Und die hatten es noch mal in sich: vermutlich das anspruchsvollste Streckenstück des ganzen Padjalantaleden. Noch größere Würfelsteine, bevorzugt mit einer scharfen Kante oder Ecke nach oben und hemmungslos ineinander verschachtelt. Dazwischen immer wieder wahre Moorbäder. Und mal eben noch ein Aufstieg auf ein kleines Plateau, von dem man immerhin mit einer tollen Aussicht belohnt wurde. Aber hinunter zur Hütte war wieder genauso steil und steinig und unwegsam und wir waren sehr froh, angekommen zu sein.
Dafür gab es zum Nachtisch kiloweise Beeren, die heute am Wegesrand quasi um Mitnahme buhlten. Unter anderem hatten wir einen ganzen Teller voll Moltebeeren und sogar Walderdbeeren gab es an einer Stelle!

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Über Stock und Stein

05.08.2013

Heute verließen wir endgültig das Kahlfjäll, also die hochalpine freie Landschaft, durch die wir jetzt mehrere Etappen gewandert waren. In der Nacht hatte es ordentlich gerumst und geschüttet. Und jetzt stand eine fast pure Unterholzetappe auf dem Plan.
Beim Loslaufen hätte sich das Wetter allerdings wieder auf sehr schön umgestellt. Fast schon heiß und schwül, so kam es einem nach der Kälte am Vortag vor. Die mit abnehmender Höhe größer werdenden Gewächse am Wegesrand waren denn auch schon ganz gut abgetrocknet. Der Wg war allerdings extrem pfützig und matschig. Und was besonders auffiel: jeder noch so kleine Bach führte Wasser. Überall plätscherte, gurgelte, blubberte, gluckerte es. An größeren Bachläufen hörte man kräftiges Rauschen. Der Fluß rechts von uns, den wir nicht mehr verlassen werden bis zum Schluss, donnerte zum Teil ordentlich an Stromschnellen.
Das Unterholz wurde allerdings dichter und dichter. Oft mussten wir uns förmlich durch die niederen Weiden durchziehen und wünschten uns mehr als einmal, eine Machete dabei zu haben. Die Holzstege waren auf diesem Abschnitt oft in liederlichem Zustand. Und ansonsten viel Matschlöcher und Riesenpfützen zwischen viel Steinen. Über Stock und Stein eben.
Und dann musste ich noch ziemlich real erfahren, dass abschüssige Holzbohlenwege wenn abschüssig und total nass sehr rutschig sind. Zack, schon saß ich auf meinem Allerwertesten, Moorpackung inklusive. Und einen schön nassen Hintern hatte ich dann.
Kurz bevor wir an unserer heutigen Stuga ankamen, rotteten sich die Wolken noch einmal zusammen, grummelten zweimal und ergossen sich kräftig über uns. So kurz vor dem Ziel hätte das auch nicht mehr sein müssen. Wobei mein Hinterteil ja sowieso schon nass war…
Unser Ziel, Såmmarlåppa, ist ein gemütliches typisch schwedisches Häuschen in Schweden-Rot. Die Stugvärdin sprach uns auch gleich auf deutsch an – eine im Jahr der Wende ausgewanderte Deutsche, die hier mit ihrer Tochter auf Natururlaub die Hütte bewacht. Und jetzt sind hier fast alles Deutsche, die zwei schwedischen Pärchen gehen fast vollständig unter…

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Extrem

04.08.2013

Das Wetter war sehr schlecht geworden. In der Nacht hatte es einigermaßen geregnet. Am nächsten Morgen war der Himmel tief wolkenverhangen und es tröpfelte immer mal wieder. Die Färbung des Virihaure war zu einem tiefen Dunkelgrau übergegangen.
Also dem Rucksack die Regenhülle übergezogen, wir selbst kamen zunächst ohne Regenklamotten aus. Zwei Stunden lang ging das auch ganz gut. Stetig führte der Weg in die Höhe, der Bewuchs wurde immer niedriger und karger. Rentier-Rushhour war heute sozusagen. War gar nichts Besonderes mehr, allerdings sahen wir heute tatsächlich ein weißes. Und das soll ja Glück bringen.
Dann fing es allerdings an, dicker zu regnen, Stufe ‚Jacken an‘. Was auch noch eine ganze Weile gut ging. Die Wolken schraddelten mittlerweile mit ihrer Unterkante quasi am Boden, wir waren inzwischen auch wieder auf für diese Gegend hochalpine 900 m gestiegen. Begleitet von einem scharfen, sehr deutlichen Wind.
Das bedeutete natürlich am besten gar keine Pause machen. In der hochalpinen Umgebung, die wir mittlerweile durchliefen, gab es außer hier und dort mal einen größeren Felsbrocken auch so gar keinen wirklichen Schutz. Ein hochdramatisches Schauspiel der Wolken in dieser von Seen gefleckten ansonsten sehr steinigen Hochalm-Landschaft.
Irgendwann mussten wir dann mal etwas zu uns nehmen, mein Wasser im Trinkbeutel war mittlerweile auch alle. Wir setzten uns in den mehr schlechten als rechten Windschutz eines größeren Felsen. Von hinten wurde es sichtbar dunkler und dunkler. Man ließ uns gerade so viel Zeit, das Wasser zu kochen, um die Mittagssuppe anzurühren, dann legte es quasi schon los, richtig zu schütten. Was uns zum hektischen Aufbruch veranlasste und wir eine halbe Stunde lang richtig durchgespült wurden.
Was allerdings der Hammer war: nachdem es aufgehört hatte, riss binnen kürzester Zeit der Himmel komplett auf und die Sonne schien wieder aus einem blauen Himmel. Und veranlasste uns wiederum zum schlagartigen Loswerden irgendwelcher Regenkleidung, weil man sich ja bewegt.
Bei schönstem Sonnenschein erreichten wir gegen halb drei die
Duottar-Hütten, was für normale Leute das Etappenziel nach 19 km darstellt. Aber schon wieder so früh am Nachmittag! Die Etappe zur nächsten Hütte war auch nur 11 km lang, das sitzt man ja auf der linken Arschbacke ab… äh.. läuft es mit dem linken großen Zeh.
Also ohne Unterbruch weiter, die 30 km anvisierend. Noch eine ganze Weile ging es durch diese fantastische Kahlfjälllandschaft auf immer leicht zu gehendem Weg. Eine kleine Pause legten wir noch ein, die wurde uns wieder versemmelt, weil die Wolken an diesem Pass, an dem wir mittlerweile saßen, wieder bis auf Bodennähe hereindrückten und es windig und ungemütlich wurde. Im ganzen heute also etwa eine Dreiviertelstunde Pause.
Bald kamen die Darreluopalhütten in die Sicht, gleichzeitig hatte man eine ganz fantastische Aussicht auf den Tarraätno, der sich in vielen Windungen im gleichnamigen Tal nach unten windet. Diesem Fluss werden wir den Rest der Wanderung immer weiter nach unten folgen, wieder zurück in die Zivilisation.
Um kurz nach fünf hatten wir die dreißig Kilometer denn auch weggehauen und sind jetzt in wunderschöner Lage am Fluss. Die Abendsonne malt durch die lichte Wolkendecke wunderschöne Flecken auf das umgebende Grün.

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Plateau

03.08.2013

Abends schon war kräftiger Wind aufgekommen. Am nächsten Morgen hatte er noch nicht nachgelassen, und in der Hütte klang es, als würde draußen ein gewaltiger Sturm toben. War aber nur vorgetäuscht: es handelte sich zwar um einen frischen, die Mücken vollständig vertreibenden Wind, aber man selbst war zu keinem Moment in der Gefahr, weggeblasen zu werden. Es handelte sich um einen sortenreinen Föhn, wie er hier recht oft in Ost-West-Richtung vorkommt: in Norwegen Regen, in Schweden trocken.
Wieder sollte uns eine recht kurze Etappe ans Ziel, Saltoluokta, bringen: 12 km, sogar einer weniger als am Vortag. Aber eine Bergwertung stand wieder auf dem Programm.
Bei schönstem Sonnenschein und angenehmen Kühlgebläse hatten wir die Höhe bald erreicht (eigentlich sind alle Bergwertungen hier für erfahrene Alpinisten eher Kinderfasching). Wir kamen nun auf das Hochplateau Padjelanta, was dem Nationalpark und dem Fernwanderweg seinen Namen gab. Sehr schön ging es zwischen kleinen Seen hindurch, immer mit prächtiger Aussicht auf den ganz großen See, den Virihaure.
Am letzten Bach war Mittagspause. Geeignete Plätze hierfür sind meist leicht zu finden, also Plätze, die den Ansprüchen fließend Wasser, Sitzsteine und Aussicht genügen.
Wir stellten allerdings fest, dass uns nur noch ein wenig Abstieg vom Ziel trennten. Die folgende Etappe zieht sich aber über 19 km und war dann doch ein wenig arg viel für einen angebrochenen Nachmittag. Das gab bei der anderen Hälfte der Reisegruppe doch ein leichtes Gemaule, von wegen schon wieder ein langweiliger Nachmittag und so.
Bald waren wir also in Staloluokta angekommen, was quasi die Hauptstadt des Padjelanta ist. Hier gibt es eine richtige Siedlung einer zweistelligen Anzahl an bunten Häuschen, einen Helikopterlandeplatz mit regelmäßigen ‚Busverbindungen‘ nach Kvikkjokk und Ritsem, eine grassodenbedeckte Kyrkkåta, einen Kiosk mit einer für hiesige Verhältnisse riesigen Auswahl und eine ziemlich große Fjällstuga mit Sauna. Die Fjällstuga hat sogar elektrisches Licht, was man ja zur Zeit überhaupt nicht braucht, da es ja quasi die ganze Nacht immer noch sehr hell ist. Und es gibt einen Sandstrand, an dem man entlang promenieren kann und auf dem Rückweg in der angrenzenden Heide ordentlich Heidelbeeren, die man mangels ordentlichem Gefäß in der Mütze sammeln kann. So kamen wir zu einem leckeren Nachtisch mit Heidel- und Moltebeeren und ratzfatz war der langweilige Nachmittag rum.
Was ich allerdings nicht ganz verstehe: dass so viel von diesem Ort geschwärmt wird – sind halt mal wieder ein paar mehr Häuschen, aber der See und die Gegend ist überall sehr schön. Wir werden also nicht wie mir schon oft empfohlen wurde, einen Tag hier verbringen, sondern morgen weiter nach Duottar gehen.

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Badetag

02.08.2013

Bewölkt ging es heute morgen weiter. Die nette deutsche, dänische und schwedische Gesellschaft verteilte sich auf die beiden Richtungen, die der Weg hier noch bietet. Eine allein wandernde schwedische Dame, die mein Schwedisch sehr lobte aber auch überschätzte, hatte gestern erzählt, dass die fünf Extrakilometer machen musste, da sie ihren Wanderstock vergessen hatte. Als wir alle gleichzeitig aufbrachen, reichte ich ihn ihr deswegen an, was ihr offensichtlich sehr zur Freude gereichte.
Die Etappe war recht kurz, allerdings ging es über einen dreihundert Meter über Hüttenhöhe gelegenen Sattel. Der Weg stieg denn auch zwar angenehm ansteigend, aber doch stetig auf diese Höhe an. Die Vogelwelt zeigte sich heute, wieder meistens erbost protestierend aufflatternderweise. Einmal schaute ein Birkhuhn allerdings eher erstaunt zu uns hin.
Auf der Passhöhe sah es aus, als hätten die Riesen mit Murmeln gespielt, so viele Steine in beeindruckender Größe lagen unaufgeräumt herum. Sogar richtige fast mannshohe Steinsäulen waren zu sehen, die der Erosion über Jahrhunderte standgehalten hatten.
Nach der Passhöhe ging es – was auch sonst – wieder hinab. Ein gewaltig tosender Fluss war schon von weitem auszumachen. Hier gab es auch wieder bequeme Sitzfelsen auf denen wir eine wenn auch etwas von Flussgetöse begleitete Mittagspause verbrachten. Das Wetter hatte sich inzwischen komplett für gut, blauen Himmel und sonnig entschieden.
Herrlich, denn die Landschaft leuchtete nun richtig. Der bald ins Blickfeld kommende See Virihaure hatte eine leuchttürkise Färbung angenommen. Allerdings war das Gewander mit erheblich mehr Schweißentwicklung verbunden.
Wir waren gegen zwei Uhr nachmittags schon fast am Ziel in Arasluokta. Der Idee, noch eine Hütte und 12 km weiterzuwandern, wurde nicht stattgegeben, weil es erstens doch nicht mehr ganz so früh am Tag war, zweitens es bei der Wärme noch einmal kräftig bergauf gegangen wäre und drittens der Platz herrlich war. Eine kleine Hüttensiedlung am See, wo auch die Hüttenwartin und ihr verschmuster Hund wohnt an diesem pittoresken See, der sich zwischen die gewaltigen grünen Hänge klemmt. Und es gab sogar einen kleinen Badesee, die Temperatur war sogar richtig erträglich – bei diesem Sommertag genau das Richtige. Als Tüpfelchen auf dem i verkaufte uns Frau Hüttenwartin noch ein Stück geräuchertes Renfleisch, Kekse zum Kaffe und ein Bierchen für den Abend. Jättehärligt, wie der Schwede sagt.

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Fjäll

01.08.2013

Von Kisuris bis nach Lådejåkka erwartete uns eine lange Etappe. Zwei schwedische Mädels, mit der wir das Hüttchen belegten, empfahlen uns anstelle des offiziellen Padjelantaleden eine Variante ‚obendrüber‘ zu nehmen, da das sehr viel aussichtsreicher und schöner sei. Diese Variante ist eine alte Wegführung des Padjelantaleden und somit – so die zwei – gut zu finden, weil deutlich ausgelatscht. Die zu erwartenden Höhenmeter sahen auf den ersten Blick deutlich mehr als als bei der Variante am Fluss entlang, der erfahrene Bergwanderer weiß jedoch, dass eine solche Routenführung meist mit stetigem Auf und Ab von einem quer laufenden Bach zum nächsten verbunden ist und die Höhenmeter deswegen vermutlich so auch zusammen kommen.
Also rauf. Gleich nach der Hütte ging es in südlicher Richtung bergauf in die immer spärlicher werdende Vegetation. Moltebeeren lachten uns goldgelb an und mussten sofort verzehrt werden. Einige waren allerdings schon sehr reif und etwas schnapsig und man bekam eine Ahnung davon, wie der Same zu Moltebeerenlikör kommt.
Der Tag kann auch gut und gerne als Tag des Geweihs gelten, liefen wir doch ständig an verlorenen Rentiergeweihen vorbei. Daran konnte man auch gut ablesen, dass der Weg kaum noch begangen wird. Am ‚richtigen‘ Weg hätten diese längst ihre Liebhaber gefunden. Wir benahmen uns und ließen sie liegen, man soll ja nichts mitnehmen aus dem Nationalpark.
Und tatsächlich: man wanderte auf einem wunderbaren Aussichtsbalkon, vermutlich konnte man auf der westlichen Seite schon norwegische Berge sehen, im Rücken lag Akka und die Gipfel des Sarek links. Rentiere (auch heute wieder komplette) waren immer mal wieder am Rande der weitläufigen Hänge zu sehen. Schneehühner flogen wild protestierend auf. Immer noch größere Seen sah man im Tal. Ganz besoffen wird man von so viel Gegend.
Trotz der langen Etappe (obenrüber waren es wohl ‚bloß‘ 22 km) waren wir um vier an der Hütte. Hier gab es ordentlich Platz, selbstgebackenes samisches Flachrundbrot und noch warmen, frisch geräucherten Fisch. Fantastisch.

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