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Schwarzwald und Rennrad – Tag 4 von 4

Und tatsächlich schien sich wettermäßig noch am letzten Tag das Schicksal zu wenden: trockene Straßen, aufgelockerte Bewölkung und kein Niederschlag in der Prognose. Kaum zu glauben.

Für den letzten Tag stand eine kürzere Runde über den Kaiserstuhl im Programm. Also Schwarzwald heute nur als Anblick aus der Ferne – der Kaiserstuhl ist ja eine Erhebung vulkanischen Urprungs mitten im Rheintal.

Durch letzteres rollten wir also zunächst nordwärts. Die erste weinbaugeschwängerte Erhebung war allerdings der Tuniberg, dem wir auch ein wenig auf das nicht sehr hohe Dach kurbelten. Trotzdem gab es einen schönen Ausblick in die Ebene, auf den vor uns liegenden ebenfalls weinbaugeschwängerten Kaiserstuhl und auf die Vogesen nach der ersten kleinen Kurbelei.

Auf dem Juniberg mit Blick auf den Kaiserstuhl.

Auf dem Tuniberg mit Blick auf den Kaiserstuhl.

Dann an den Fuß des Kaiserstuhls, genauer gesagt an dessen Ostseite. Über die Schellinger Höhe ging die Route. Ein auch wieder hübsch steiles Rämpchen, allerdings war der Schmerz bald überstanden. Die Höhenunterschiede sind doch eher gering. Henni machte den Vorschlag, noch einen Abstecher nordwärts  zuerst nach Kiechlinsbergen und dann noch wieder südwärts nach Bischoffingen zu machen, jeweils über einen Hügel. Da es noch früh am Tag war und das Wetter tatsächlich ziemlich schön waren alle ziemlich schnell überredet. Und so ging es mitten durch steile terrassierte Weinhänge kurvenreich auf und ab. Fast erinnerte die Gegend an chinesischen Terrassen-Reisanbau. Und immer wieder Ausblicke auf diese gegenüber dem Schwarzwald bemerkenswert andere Landschaft.

Im Kaiserstuhl. Auch hier kurze Klettereien auf Serpentinen.

Im Kaiserstuhl. Auch hier kurze Klettereien auf Serpentinen.

Pausenziel war Breisach, wo wir den Elsässer Hof exakt um 12:00 Uhr erreichten. Gute badische Küche und vor allem Wurstsalat in vielen verwirrenden Varianten, die wir mit etwas Mühe auf die bestellenden Personen verteilt bekamen.

Nun blieb nur noch der flache wenige Kilometer umfassende Rückweg nach Bad Krozingen, die schnell abgekurbelt waren. Eine tolle Reise, hervorragend geplant und organisiert von bike4passion, mit einer klasse Gruppe und netter und kompetenter Führung durch Henni. Das hat sehr viel Spaß gemacht!

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Schwarzwald und Rennrad – Tag 3 von 4

Der Morgen zeigte sich wieder sehr grau und etwas unfreundlich mit einem kühlen Wind. Leider versprachen die Wetterprognosen auch für diesen Tag diverses Geschauer. Trotzdem wurde am Plan, den Kandel unter die Räder zu nehmen, nicht gerüttelt. Man hoffte allgemein auf die Schauerpausen, beziehungsweise dass diese jeweils länger seien als die Schauerdauern.

Zunächst wurde Freiburg auf flacher Strecke umradelt, das erste Etappenziel für den Einstieg zum Kandel war in Waldkirch. Es regnete zwar gerade eben nicht mehr, irgendwie fuhren wir hinter einem Schauer auf nasser Straße her, und die wohlbekannte Spritzwassernummer meistens mitten ins Gesicht war doch wieder sehr dominant.

Auch der Anstieg zum Kandel ist 10 km lang, allerdings eher so vom Charakter dauersteil. Wir wurden im Vorfeld mehrfach von Henni vor diesem unbarmherzigen Berg gewarnt.

Am Abzweig wurde das auch gleich deutlich. Steil. Die Straße flachte aber immer wieder auf erträgliches Maß ab. Sehr angenehm war der Verkehr, weil nämlich quasi nicht vorhanden. Und gleich nach den ersten Höhenmetern sehr schöne Gegend mit einsamen Höfen in grünen Hügeln umrahmt von Wald. Zeitweilig kam sogar die Sonne durch und ließ die nasse Straße glänzen.

Steil war es schon hin und wieder.

Steil war es schon hin und wieder.

Nach der ersten der nur vier Kehren dann merklich die angkündigte 15%-Rampe, die etwa einen Kilometer nicht nachlässt. Hier war ich über meine Bergübersetzung doch froh. Aber ohne umzufallen kurbelte ich hinauf und die Straße war danach auch nur noch selten so steil. Und irgendwann war man dann oben. Wo es natürlich mal wieder zu regnen begann und zwar deutlich oberhalb jeglicher zu ignorierender Tröpfelgrenze. Sicht natürlich mal wieder suboptimal.

Wir fuhren nach St. Peter ab, wo im Café St. Martin Uwe und Hans auf uns warteten. Sie waren das Glottertal hinauf gefahren und wärmten uns schon mal das Café vor. Zur Belohnung gab es sehr guten Kuchen – unsere Bergziegen tankten mit Schwarzwälder Kirschtorte für die restlichen Höhenmeter auf.

Noch ein wenig hinauf nach St. Märgen ging es mit doch immer wieder einigen zaghaften Versuchen der Sonne sich durchzusetzen. Immerhin sehr schön aussichtsreich ist diese Hochfläche, und es lockerte etwas auf und wir hatten doch ein paar Gelegenheiten mit schönen Ausblicken.

St. Märgen mit einem Hauch von Sonne.

St. Märgen mit einem Hauch von Sonne.

Eine schöne Abfahrt nach Freiburg auf wesentlich besserer Straße als am Tag zuvor folgte. Durch Freiburg war in dichtem Verkehr noch einmal ganze Konzentration erfordert, bevor wir bald Bad Krozingen wieder erreichten. Auch das war wieder eine sehr schöne Tour, für das Wetter und die dauernasse spritzwasserspendende Straße (es knirscht zwischen meinen Zähnen!) kann ja keiner was ;-).

Schwarzwald und Rennrad – Tag 1 von 4

Urlaubstage waren noch übrig gewesen und ein neues Rennrad erweitert seit kurzem meine Sammlung essentieller zweirädriger Fortbewegungsmittel. Nach kurzer Recherche im Internet fand sich mit bike4passion ein Anbieter, der versprach, eine überschaubare Gruppe Gleichgesinnter in vier Tagen über Schwarzwaldhöhen und Kaiserstuhlhügel zu führen. Level drei, das sollte einer täglichen Maximalauslegung von knapp 2000 Höhenmeter mit maximal ungefähr 100 Kilometern enstprechen. Mit meinem neuen roten BMC-Flitzer, was scheinbar von alleine Steigungen hinauffliegt, sollte das kein Problem sein.

Das Basecamp war in Bad Krozingen. Nicht wirklich der aufregendste Ort im Südbadischen, aber sehr günstig mit einem Bahnhof versehen, von dem aus das Hotel in wenigen Minuten zu erreichen war. Am Ankunftstag war das ein Segen, da ich zwar noch bei schönstem föhnig angewärmten Sonnenschein starten konnte, aber mit jedem Kilometer weiter westlich der Bedeckungsgrad mit regenschwangerer Bewölkung zunahm. Bei Ankunft war deutlichster Dauerregen gegeben.

Mein Entschluss stand fest. Bei diesem Wetter würde ich nicht schutzblechlos ohne Sinn und Verstand durch die Gegend fahren. Das tat ich bei der ersten vereinbarten Zusammenkunft am Hotelparkplatz kund. Da ich dann aber doch fast sofort in mein Zimmer konnten und mir schon der eine oder andere radsportmäßig gekleidete Mensch begegnete, zog ich mich doch auch mal radsportmäßig um. Gruppendynamik. Und begab mich zur Vorbesprechung der ersten Tour.

Aufgrund des Wetters wurde diese um 30 km und die markante Bergwertung, die am ersten Tag geplant gewesen wäre, reduziert. Es schüttete immer noch. Ich wiederholte meinen Entschluss, bei diesem Wetter nicht fahren zu wollen. Als dann der Rest der insgesamt sieben Radler zählenden Mannschaft auf ihre Carbonfeilen stieg, entschied ich doch noch mal spontan um. Die einzige Memme wollte ich dann ja doch nicht sein.

50 km standen also auf dem Programm, im wesentlichen Flachetappe. Das Landschaftserlebnis hielt sich in stark umrissenen Grenzen. Nicht nur sah man aufgrund der tief hängenden Bewölkung sehr wenig von der Gegend. Durch das Spritzwasser vom Vordermann, was neben der Schüttung von oben für einen zusätzlichen Duscheffekt und zwar direkt von vorne ins Gesicht sorgt, war durch die verspritzte Brille auch fast nichts von der wenig zu sehenden Gegend wahrzunehmen. Wir wurden immer mal wieder darauf hingewiesen, dass jetzt rechts die Vogesen zu sehen seien und links der Schwarzwald mit der ausgelassenen Bergwertung.

Die Gruppe beschloss, dass kein Pausenstopp eingelegt werden sollte und legte das Ziel der Tour auf die warme Dusche im Hotelzimmer. Weil irgendwann völlig egal war, wie viel oder wenig Regenkleidung man an sich hatte – man war nach spätestens einer halben Stunde auch inwendig nass.

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Am Ziel, wenige Meter von der heißen Dusche entfernt

Welche wir dann auch am frühen Nachmittag erreichten, für einige gerade zum richtigen Zeitpunkt, bevor sich erste Erfrierungserscheinungen manifestieren konnten. Selten kann man eine warme Dusche so genießen. Beeindruckend auch die feine Sandschicht, mit der der Sportler plus Geräte überzogen waren inklusive einem leichten Knirschen zwischen den Zähnen. Nicht schön, aber mal wieder Heldenpunkte gesammelt.