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Goodbye Wales, hello Ireland!

Im sonnendurchfluteten Wintergarten unseres B&B starteten wir mit einem wieder einmal reichhaltigen und guten Welsh Breakfast den Tag. Die Kalorien wurden nach den Start gebraucht: zunächst ging die Radroute quasi senkrecht die Klippe hinauf. Aber wir wurden wieder einmal mit einer gigantischen Aussicht auf die Klippen und die umliegenden Orte belohnt. Ein fast noch anstrengenderer Abschnitt der Radroute Nr. 4 als wir ihn gestern nachmittag hatten, aber ein absolutes Highlight.

  
Wir durchquerten Tenby. Ein sehr touristischer Ort, der überflutet von Pfingsturlaubern war. Trotz des Tourismus hat der Ort seinen Charme bewahrt. Die Häuserzeile direkt an der Küste vermutete man eher in Südfrankreich, sowieso bei diesem hervorragenden Wetter, welches wir heute wieder hatten.

Weiter ging es auf Nr. 4 Richtung Pembroke zum Fähreterminal. Wir dachten immer wieder, dass die Route jetzt flach verlaufen würde, aber in dem Moment, wo einer von uns das ausgesprochen hatte, ging es um die Kurve und der nächste steile Anstieg war vor der Nase. Die Route lässt zuverlässig keinen höchsten Punkt aus.

Als wir irgendwann in ein Dorf kamen, stellte sich die Frage nach einem Kaffee. Wir fragten Passanten, ob es in diesem Dorf ein Kaffee gäbe. Nach einigem Hin und Her und nachdem wir die beiden nochmal gefragt hatten, bekamen wir genauere Anweisungen: das Café war in ein Gartenzentrum integriert. Dort saß man sehr nett neben hundertjährigen Olivenbäumen mit Petersilie auf den Terrassentischen.

  
Bald waren wir in Pembroke. Und nach einigem „wibbly-wobbly“, wie der Engländer zu verstärktem Zickzack auf möglich und unmöglich angelegten Radwegen sagt, hatten wir auch das Fähreterminal erreicht. In Irland angekommen legten wir aber nur noch ein paar Meter zu unserer vorausgebuchten Unterkunft zurück. Morgen geht es weiter, wieder mit Euro und Kilometern.

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Zweigeteilt

Llandovery – Amroth 86 km

Sowohl das Wetter als auch die Route waren am heutigen Tag komplett zweigeteilt. Der Tag begann sehr grau, es hatte sogar etwas geregnet und da die Räder draußen an der Regenrinne angeschlossen übernachten mussten, musste auf nassem Sattel zum Start Platz genommen werden. OK, man überlebt auch so etwas.

Die ersten 25 km war zunächst mal Hauptstraße angesagt – es gab keine wirklich sinnvolle Alternative in unserer Richtung. Was sich als ziemlih scheußlich herausstellte, da westlich von unserem Übernachtungsort der Verkehr doch wieder beträchtlich stärker war. Natürlich waren wieder ein paar wenige Idioten unter den Überholern, die nicht abwarten konnten, bis die Gegenspur frei war. Und ein Mega-Idiot kam uns mit Vollgas auf unserer Spur während des Überholens entgegen. Kaum wert zu erwähnen, dass die „Bundesstraßen“ hier erheblich schmaler sind als unsere, selten einen Seitenstreifen haben und darüberhinaus oft einen Randstein an der Seite, an dem ich nicht entland schraddeln möchte.

Irgendwann erreichten wir allerdings zum Glück lebend unsere anvisierte Abzweigung zum Dwyslyn Castle, die uns wieder auf eine National Cycle Route führte. Weitere 9 Meilen hatten wir dann eine ruhige Straße bis Carmarthen, eine ziemlich unspektakuläre Kleinstadt, die wir für den Mittagspausenstopp nutzten.

Danach hielten wir uns weiter auf Cycle Route Nr. 4 Richtung Westen, die am Nachmittag wieder einiges an Hügelprogramm zu bieten hatte. Sehr gemütliche, schmale Sträßchen, die aber zielsicher immer über den höchsten Punkt, der irgendwie verfügbar war, führten. So gemütlich, dass sich sogar drei Hofhunde in vollendeter Wellness-Position mitten auf der Straße breit gemacht hatten und überhaupt nicht von uns Radlern zu beeindrucken waren. Einer hob mal seinen Kopf, aber das war’s dann auch schon mit Aktivität. 

  
 Das Wetter war inzwischen wieder super sonnig mit einigen nett den Himmel verzierenden Wölkchen. Was sehr schön war, aber auch den Schweiß fließen ließ. Und eine der Hügelwertungen kam als durchgehend sehr steil, unterbrochen von einigen Metern steil daher. Bisher hatte ich alle Hügelwertungen immer ohne zu maulen langmütig hinauf gekurbelt, diese war so ätzend, dass ich den Hügel ganz schön zur Sau machte. Er kümmerte sich allerdings wenig darum.

  
Wir wurden reich entlohnt. Oben angekommen, öffnete sich ein weiter Blick über den Meeresarm zwischen Südwestengland und Wales. Die Küstenlinie ist sehr pittoresk mit steil abbrechenden felsigen Klippen. Wunderschön an dieser ist Amroth, unser Zielort, gelegen. Und wunderschön auch der Meeresblick von der Terrasse unseres B&B, wo wir zur Ankunft mit Teeund Kuchen verwöhnt wurden. Was für ein Service.

Wales

Und wieder ein hervorragendes Frühstück im „Three Salmons“. Mit einem leckeren Riesenchampignon ist dieses Frühstück definitiv der erste Anwärter für die Champignonwertung.

Die erste Teilstrecke führte uns nach Abergaveny. Wunderschön auf kleinen Sträßchen, natürlich hügelig. Das birdy hatte wieder gut zu klettern. Was es aber sehr gut tut, genauso wie sicher und spurtreu die Downhills hinunter schießen. Graham meinte, dass das birdy ja schon sehr „plucky“ sei. Das überstieg meine Englischkenntnisse dann doch und er musste es mir erklären. Er meinte, das birdy hätte sehr viel Spirit, und ich denke, er hat absolut recht.

  
Dann nahmen wir die Abkürzung, die auf der Karte sehr intelligent aussah. Die Radroute hätte einen ganz schönen Zacken ausgefahren. Ungefähr 200 Höhenmeter weiter zweifelten wir die Intelligenz dieser Entscheidung dann doch an und es war auch sehr klar, warum die Radroute um diesen gemeinen Hügel außenrum ging. Immerhin war damit die Kaffeepause in Abergaveny wohlverdient.

Danach war wieder Kanalprogramm. Noch gemütlicher als die bisherigen. Und da etwas erhäht an der Südseite des Flusstales gelegen, öffnete sich immer mal wieder die Sicht auf die gegenüber gelegenen Hügel. Fast 40 Kilometer folgten wir dem Kanal auf allerdings manchmal recht rauher ungeteerter Piste. Aber auch hier beweist das birdy, was es kann: dank Full Suspension bügelte ich um einiges flotter über die manchmal holprigen Wege als Graham mit seinen schmalen 28“-Reifen.

  
Zur Mittagspause scheitere ich dann fast. An einem Monster-Thunfischsandwich, dreilagig, im „Coach and Horses“ im unaussprechlichen Llangynidr. Dazu entpuppte sich die Johannisbeerlimonade als Cider mit ordentlichen 4%. Upps, aber danach ging es umso mutiger auf dem schmalen Kanalpfad weiter.

Nach Brecon beschlossen wir, die Reststrecke bis Llandovery auf der Hauptstraße runter zu reißen. Der Verkehr war deutlich, aber die Straße einigermaßen breit. Einzig der Wind meinte, uns ein wenig von vorne nerven zu müssen. Egal, mit ein bisschen Langstrecken-Langmut zogen wir uns diese letzten zwanzig Meilen rein. Nach 8 Meilen war der Hauptverkehr weg, und nach weiteren 3 Meilen ein unerwarteter Downhill. Bis hinein nach Llandovery hatte die Straße immer ein gleichmäßiges wenngleich nicht starkes Gefälle. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit legte auf diesem Reststück gut zu und das Grinsen wich nicht mehr aus ddem Gesicht.