Und alles wurde gut. Basel, Paris, London.

Ein neues Radabenteuer startete. Der Plan für diese Mai-Tour mit Graham lautet: Tour de British Isles. Als Startpunkt hatten wir seine Heimatadresse in Ivybridge, Devon in Südengland vereinbart.

Die erste Etappe dieser Reise führte ich also einmal vom südlichsten Zipfel Deutschlands in den (fast) westlichsten Zipfel Englands. Nach langer Recherche, wie die Anreise aussehen könnte, entschied ich mich für die bodengebundene Variante mit der Bahn. IRE, TGV, Eurostar und First Great Western in dieser Reihenfolge. Umstiege jeweils in Basel, Paris und London mit Bahnhofswechseln. In jeder dieser Städte.

Die Frage, welches Rad mich auf dieser Reise begleiten sollte, hatte ich lange nicht entschieden. Letztlich war es das französiche online-Buchungssystem, was mich zur Mitnahme des birdy brachte. Ich hatte für den französischen TGV von Basel nach Paris ein Ticket zu unübertrefflichen 25 € geschossen, hatte aber keinerlei Option für die Reservation für ein Velo angeboten bekommen. Und nur Rad reservieren geht online nicht. Die Empfehlung war, an einem Bahnhof für das Rad eine Reservation zu erwerben – einem französischen, versteht sich. Also keine Radreservation, dafür darf das birdy mal wieder seine Langstreckentauglichkeit unter Beweis stellen. Obendrein spare ich so insgesamt mehr als 100 Euro an Fahrradtickets. Und immerhin ist das birdy seit letztem Herbst mit der Rohloff-Nabe meines jüngst verstorbenen Norwid-Trekkingrades aufgepimpt – mit dem komme ich jetzt senkrechte Wände rauf.

Der IRE nach Basel fuhr pünktlich in Friedrichshafen ein. Das erste Abenteuer bestand in der Rettung meines Helmes, der sich beim Einfahren des Zuges wie im Zeitlupentempo über die Bahnsteigkante aufs Gleisbett verabschiedete. Ein freundlicher Mitreisender zeigte vollen Einsatz und rettete ihn – selbstverständlich, als der Zug schon stand, fischte er ihn wieder vom Schotter.

In Basel hatten wir leichte Verspätung, aber ich musste mich ja nicht wie sonst über den verpassten Anschluss des ICE nordwärts ärgern. Ich hatte über eine Stunde Zeit, die schlappen zwei Kilometer vom Badischen Bahnhof bis zum Bahnhof SBB zurückzulegen. Völlig tiefenentspannt kam ich dort an, dank der Sonntag-Morgen-Situation war auch sehr wenig Verkehr. Und wie für die Schweiz üblich war der Weg für Fahrradfahrer vorbildlich ausgeschildert.

Am frühen Nachmittag erreichte ich mit dem TGV Paris am Gare du Lyon. Hier hatte ich für den Übergang mehr als eineinhalb Stunden. Am Eurostar muss man allerdings frühzeitig sein, weil man ähnliche Sicherheitsmaßnahmen durchlaufen muss wie am Flughafen. 

In Paris war der Verkehr zwar deutlich großstädtischer, aber hier gibt es inzwischen auf fast jeder Straße einen Radweg. Manchmal recht schmal und entsprechend zugeparkt, aber ziemlich flächendeckend, so dass man nicht  auf wenige feste Radrouten festzementiert ist und wenn man die Radroute verliert auf mehrspurigen Boulevards plattgefahren wird. Ich machte einen Abstecher zur Seine und radelte ein Stückchen an der viel gelobten verkehrsberuhigten Seite entlang. Allerdings sind hier auch viele Fußgänger unterwegs, sodass man eher vorsichtig agieren musste. Dank apemap fand ich danach ohne Umwege den Gare du Nord. Irgendwann gab es dann zusätzlich auch hier eine gute Radwegbeschilderung zu diesem Ziel.

Am Eurostar war man mal wieder superstreng mit Security. Was zur Folge hatte, dass mich das erste offizielle Überwachungspersonal am Beginn des langen Checkin-Labyrinths nötigte, das birdy zu falten und zu verpacken. Ich konnte ihnen gerade noch abringen, den Lenker nach oben herausragen zu lassen, dann kann man das gefaltete Rad nämlich fast so gut wie einen Rollenkoffer ziehen. Was aber über gefühlte Kilometer getan werden musste zusammen mit den insgesamt drei von mir baumelnden Taschen. Security-Idioten.

Dann London, sehr pünktlich. Hier kannte ich mich von meinem Trip von vor drei Jahren noch ein bisschen aus. Sehr entscheidend von Vorteil, wenn man gleich nach Verlassen des Bahnhofsgebäudes die Grobrichtung weiß.  Der Linksverkehr bereitete mir keine Schwierigkeiten, wahrscheinlich wird das nur übel, wenn ich mal wieder zurück bin. Ziemlich direkt und ohne Zwischenfälle erreichte ich Paddington Station, von wo aus der letzte Zug Richtung Plymouth fuhr. In diesem sitze ich nun und er fährt noch und ist wohl ziemlich pünktlich. 

Unglaublich, aber wahr: alles geklappt. Und an einem Tag durch Basel, Paris und London geradelt.

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